Squadra AzzurraPirlo sieht sich nicht mehr als Trainerkandidat in Italien

Andrea Pirlo sieht sich nicht mehr als Kandidat für den Posten des Nationaltrainers. (Foto: Archiv)
Andrea Pirlo sieht sich nicht mehr als Kandidat für den Posten des Nationaltrainers. (Foto: Archiv)
Claudio Benedetto/LPS via ZUMA Wire/dpa

Nach der Absage von Wunschkandidat Guardiola sollte es in Italien eigentlich Andrea Pirlo richten. Jetzt macht der Weltmeister von 2006 allerdings einen Rückzieher. Es geht um Kontakte nach Russland.

Die Suche nach einem neuen Trainer für Italiens kriselnde Fußball-Nationalmannschaft versinkt zunehmend im Chaos. Nach der Absage von Wunschkandidat Pep Guardiola machte nun auch der frühere Weltmeister Andrea Pirlo deutlich, dass er sich nicht mehr als Kandidat sieht. Der 47-Jährige steht wegen vielfältiger Kontakte nach Russland in der Kritik. Eine offizielle Stellungnahme, dass Pirlo aus dem Rennen ist, gibt es vom italienischen Verband FIGC allerdings noch nicht.

Zwischenzeitlich war bereits berichtet worden, dass sich der Verband und der 116-fache Nationalspieler - einer der wichtigsten Leistungsträger beim Titelgewinn der Italiener 2006 in Deutschland - auf einen Vierjahresvertrag mit dem Ziel WM 2030 geeinigt hätten. Übers Wochenende kamen jedoch Berichte auf, dass Pirlos Russland-Kontakte die Verpflichtung gefährden könnten.

Bei Verein mit russischem Eigentümer unter Vertrag

Der einstige Mittelfeldstar trainiert derzeit für ein Millionengehalt den United FC Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der dem russischen Milliardär Sergej Lomakin gehört. Zudem ist Pirlo globaler Markenbotschafter des russischen Wettanbieters Fonbet. Vor einigen Wochen war er zu einer Autogrammstunde in Moskau, was angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht nur in Italien für Aufregung sorgte.

Auf seinem Instagram-Konto wies Pirlo in der Nacht zunächst alle Kritik zurück. Am Vormittag berichtete er in einem neuen Eintrag, dass er erfahren habe, „dass ich nicht mehr als Kandidat für den Trainerposten im Gespräch bin“. Der ehemalige Weltklasse-Spieler ließ jedoch offen, von wem er das erfahren haben will. Die gesamte Debatte verfolge er „mit großer Bitterkeit“.

Russischer Botschafter versichert „volle Solidarität“

Pirlo betonte weiter, seine Arbeit in den Emiraten sei ausschließlich sportlicher und kommerzieller Natur. „Ihr eine politische Bedeutung zuzuschreiben, bedeutet, mir Überzeugungen zuzuschreiben, die ich nie geäußert habe und nicht habe.“ Russlands Botschafter in Italien, Alexej Paramonow, versicherte ihm daraufhin seine „volle Solidarität“. Der Fall beschäftigt inzwischen auch die italienische Politik.

Der viermalige Weltmeister Italien hatte im Frühjahr zum dritten Mal nacheinander die WM verpasst, weshalb Nationaltrainer Gennaro Gattuso gehen musste. Pirlo stand 2006 zusammen mit Gattuso in der Weltmeistermannschaft. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere mit Stationen bei den Mailänder Vereinen Inter und AC sowie bei Juventus Turin trainierte er unter anderem Juve und Sampdoria Genua - wenn auch mit mäßigem Erfolg.

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Maldini auch schon wieder vor dem Aus?

Medienberichten zufolge könnte ein Abgang von Pirlo auch Auswirkungen auf Paolo Maldini haben, der gerade erst den Job als Technischer Direktor der Nationalmannschaft angetreten hatte. Der einstige Fußballstar machte sich für seinen ehemaligen Teamkollegen Pirlo stark, nachdem der frühere Barcelona-, Bayern- und Manchester-City-Coach Guradiola abgesagt hatte. Es wird vermutet, dass Maldini nun gleich wieder von seinem Posten zurücktreten könnte, falls der Verband Pirlo tatsächlich nicht zum Auswahlcoach macht.