Starke GastgeberMit Zlatans Glauben: Die USA und der Traum vom WM-Titel

Zlatan Ibrahimovic sieht die USA auf Titelkurs – doch reichen Hype und Momentum zum Triumph? Auch die Gastgeber Mexiko und Kanada starten bei der Heim-WM stark. Warum das trotzdem nichts heißen muss.
Zlatan hat gesprochen. Mit einem ebenso schlichten wie klaren „Ja“ beantwortete der selbst ernannte Fußball-Gott Zlatan Ibrahimovic die Frage, ob die USA tatsächlich Weltmeister werden können.
Nun könnte man dem Schweden eine gewisse Befangenheit unterstellen. Schließlich arbeitet er für den US-Sender Fox und das nach eigener Aussage keinesfalls gratis. Doch nach zwei Spielen bleibt für alle drei Gastgeber festzuhalten: Die USA, Mexiko und Kanada sind auf den Punkt fit und zeigen bisher Top-Leistungen.
Reicht das Momentum zum Titel?
„Wenn ihr es nicht geglaubt habt, wiederhole ich mich gern: Fangt an zu glauben“, sagte Ibrahimovic. „Sie haben das Land hinter sich.“ Es spiele überhaupt keine Rolle, was vor der WM gewesen sei. „Das Momentum, das sie jetzt haben, ist das, was sie brauchen. Sie müssen dieses Selbstvertrauen jetzt in jedem Spiel zeigen. Es sieht gut aus.“
Souveräne Siege gegen Australien (2:0) und Paraguay (4:1) stehen für die USA in der Statistik, Mexiko bezwang Südafrika mit 2:0 und Südkorea mit 1:0. Kanada fegte nach dem Unentschieden zum Auftakt gegen Bosnien-Herzegowina über Ex-Gastgeber Katar hinweg. Zugegeben, die großen Fußballnationen sind das jetzt nicht. Die kommen erst in der K.o.-Runde.
Zlatans Worte und die Träumereien von Fans in den sozialen Medien mögen manchem Europäer nur ein müdes Lächeln abringen. Doch Team USA meint es ernst. „Ich denke nicht, dass das lächerlich ist. Wir wollen am Ende eine Trophäe in die Höhe stemmen“, sagte der frühere Bayern-Profi Chris Richards.
Mexiko und der Achtelfinal-Fluch
Das wollen sie auch in Mexiko - und mit Blick auf die Fußball-Historie des Landes ist die Mannschaft stärker einzuschätzen als die USA. Das Land ist seit Beginn der WM in so etwas wie einem fußballerischen Ausnahmezustand. Als erstes Team qualifizierte sich Mexiko für die K.o.-Runde, selbst der Sieg in der Gruppe A steht schon fest.
Damit ist ebenfalls klar, dass man im Sechzehntelfinale auf einen Gruppendritten treffen wird. „Das nimmt etwas den Druck“, sagte Nationaltrainer Javier Aguirre. „Aber nicht für mich, für die Spieler. Sie sind euphorisch, sie sind sehr glücklich.“
Doch die Gruppenphase - dort scheiterte man in den vergangenen 30 Jahren nur 2022 in Katar - ist traditionell nicht der Zeitpunkt, zu dem Mexiko eine WM verspielt. Diese Runde steht erst noch an: Seit 1994 war das Achtelfinale siebenmal Endstation für Mexiko. In diesem Jahr droht dort ein Duell mit England. Immerhin wäre dies ein Heimspiel im phasenweise 130 Dezibel lauten Aztekenstadion - es könnte eines der Highlights der WM werden.
Carney im Trikot, Trump nirgendwo
Auf einer etwas anderen Mission sind sie in Kanada. Das 6:0 gegen Katar war der erste Sieg bei einer WM, der Fokus liegt auf dem Erreichen der K.o.-Runde. „Es ist eine Fußballnation“, sagte Trainer Jesse Marsch über das Eishockey-Land. „Wir wollten so Fußball spielen, dass das Publikum elektrisiert ist. 40 Millionen Kanadier werden behaupten, sie waren heute im Stadion.“
In der Tat erlebt der Fußball in der Sommerpause des Eishockeys ein ungeahntes Hoch. Die Euphorie im Land ist groß, vor den Spielen gab es Fanmärsche mit Tausenden Anhängern. Premierminister Mark Carney verfolgte das Katar-Spiel im Kanada-Trikot auf der Tribüne. Die Worte von Marsch vor der WM scheinen sich zu bewahrheiten: „Ich denke, wir haben den Finger am Puls der Zeit, was wir tun können, um den Sport in diesem Land voranzubringen.“
Nach der Sieg-Premiere ging Carney in die Kabine und sprach zur Mannschaft. „Ihr habt eine Charakterstärke bewiesen, die manche Menschen in ihrem ganzen Leben nie erreichen, und das ausgerechnet vor den Augen des ganzen Landes und eines Großteils der Welt“, sagte Carney. Sein US-Amtskollege Donald Trump wurde bei der WM übrigens bislang nicht gesichtet.

