Stars auf der TrainerbankMit Aura und Risiko: Startrainer und ihre neue Mission

Zinédine Zidane ist der Nachfolger von Didier Deschamps als französischer Nationalcoach.
Zinédine Zidane ist der Nachfolger von Didier Deschamps als französischer Nationalcoach.
Aurelien Morissard/AP/dpa

Ob Klopp, Zidane oder Ancelotti: Auf Vereinsebene haben diese Trainer quasi alles erreicht. Nun sind sie Nationalcoaches. Welche Vorteile sie haben und welche Risiken ihre Verpflichtung birgt.

Es gab Zeiten, da machte sich halb Deutschland auf Kosten des Bundestrainers lustig. Entertainer Stefan Raab brachte zur WM 1994 unter dem Titel „Böörti Böörti Vogts“ sogar einen Song heraus, in dem er den damaligen Bundestrainer Hans-Hubert Vogts - genannt Berti - veralberte. Jürgen Klopp muss Ähnliches wohl eher nicht befürchten.

Wie auch Zinédine Zidane bei Frankreich oder der Italiener Carlo Ancelotti in Brasilien ist der 59-Jährige als Star zur Nationalmannschaft gekommen. Beim Job als Auswahltrainer geht der Trend zum Super-Promi mit Erfolgsgarantie - die gab es zumindest auf Club-Ebene.

Trainer mit besonderer Aura

Klopp, Zidane und Ancelotti haben als Vereinstrainer schon riesige Erfolge gefeiert. Der Franzose, der Italiener und der Schwabe wurden Meister in großen europäischen Ligen, gewannen die Champions League. Sie umgibt eine Aura, die wohl nur der Erfolg schafft.

Zu beobachten war dies unter anderem bei Klopps offizieller Vorstellung. Der frühere Coach von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool trat mit der Selbstsicherheit eines Menschen auf, der weiß, dass viele in ihm den Heilsbringer sehen. Klopp, Zidane und Ancelotti kennen ihren Wert im Fußballgeschäft und wissen um ihre Fähigkeiten.

„Als ich Zinédine im Februar 2025 traf, sagte er zu mir: "Präsident, ich weiß, wie man gewinnt"“, sagte Frankreichs Verbandschef Philippe Diallo bei der Vorstellung des früheren Trainers von Real Madrid in Paris. „Ich spürte jemanden, der den Antrieb und das Selbstvertrauen besaß, Les Bleus zum Sieg zu führen.“ Geht der Plan auf? Schließlich ist das Job-Profil als Vereinscoach ein anderes als auf Auswahl-Ebene.

Was ist als Nationaltrainer anders?

So etwas wie einen ganzjährigen Trainingsalltag, in dem Mannschaftstaktiken eingeübt und an Details gefeilt werden kann, haben Zidane, Klopp, Ancelotti oder der neue italienische Nationaltrainer Roberto Mancini in Zukunft nicht. Während der kurzen Treffen bleibt neben den Länderspielen nur wenig Zeit für inhaltlich tiefgehendes Training.

Von der Arbeit auf dem Platz verschiebt sich der Fokus nun mehr in Richtung beobachten und kommunizieren. Welche Spieler wähle ich aus? Wie vermittle ich, wenn ich jemanden zu Hause lasse? Wie speziell können meine taktischen Vorgaben sein? Solche Fragen werden sich die Nationalcoaches in Zukunft wohl öfter stellen. So darf man bei Klopp beispielsweise gespannt sein, ob er seinen anspruchsvollen Attacke-Fußball mit intensivem Pressing auch in der DFB-Elf etablieren kann - und ob er das überhaupt versucht.

Mancini, der am Dienstag nach chaotischer Suche als neuer Italien-Coach vorgestellt wurde, kennt das Leben als Nationaltrainer bereits. 2021 führte er die Squadra Azzurra zum EM-Titel. Für Klopp, Zidane und Ancelotti, der Brasilien 2025 übernahm und nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM weiter im Amt ist, ist der Job Neuland.

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Zidane: „Es gibt keine Fallstricke“

Probleme befürchtet Zidane aber nicht. „Es gibt keine Fallstricke. Es unterscheidet sich von der Arbeit bei einem Verein, aber es macht mir keine Angst“, sagte der 54-Jährige. „Ich werde ein Gleichgewicht zwischen meinem Privatleben und der französischen Nationalmannschaft finden, und das passt perfekt für mich.“

Mit der Übernahme des Amtes geht für den früheren Weltklasse-Fußballer und Weltmeister von 1998 nach eigenen Angaben ein Traum in Erfüllung. „Ich habe in den vergangenen vier oder fünf Jahren Angebote erhalten, einen Verein zu übernehmen, aber ich habe sie alle zugunsten der französischen Nationalmannschaft abgelehnt“, sagte Zidane. „Das war das Einzige, was ich tun wollte.“

Für ihn und auch für Klopp gilt insbesondere: Sind sie auch mit ihren Nationalteams erfolgreich, würden sie ihren Ruf als Trainerlegende in ihren Heimatländern zementieren. Gelingt das nicht, kann ihr Denkmal aber auch Kratzer erhalten.

So schrieb Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in einer Sky-Kolumne nach der Vorstellung von Klopp im neuen Amt: „Trotz seiner Ausstrahlung, seiner Persönlichkeit und seiner Erfolge wird auch er an Ergebnissen gemessen.“