Fußball-NationalmannschaftKlopp-Intimus Watzke wird aktiv - Signal zu Völler aus USA

Die DFB-Bosse fliegen in die USA zum Bundestrainer-Gipfel mit Jürgen Klopp. Ligapräsident Watzke steckt den Rahmen ab. Tut sich etwas bei Völler? Und erstmals äußert sich auch der Bayern-Patron.
Der gegenseitige Wille ist bekundet - jetzt geht's zur Sache: Hans-Joachim Watzke hat kurz vor dem für den deutschen Fußball richtungweisenden New-York-Trip der DFB-Bosse den Rahmen für die angestrebte Installation von Jürgen Klopp als Bundestrainer umrissen. Geht alles ganz schnell? Eher nein, glaubt Klopp-Intimus Watzke, der im ZDF-Interview bei der Zeitschiene von „vier Wochen längstens“ sprach.
In der zweiten Wochenhälfte wird DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit DFB-Vize und Liga-Präsident Watzke einen Linienflieger in die USA besteigen. Mit dem vor Ort weiter für MagentaTV arbeitenden Experten Klopp und dessen Berater Marc Kosicke soll dann konkret gesprochen und verhandeln werden.
Der routinierte Manager und Funktionär Watzke (67) positionierte sich im Wissen vieler Personalentscheidungen, die er bei Borussia Dortmund, im DFB und als Bundesliga-Chef treffen musste und miterlebte, zunächst im Team Vorsicht. Auf „größer als 50 Prozent“ taxierte er die Wahrscheinlichkeit, dass der DFB und Klopp zusammenfinden. Aber sie sei eben „nicht bei 100 Prozent“, mahnte Watzke: „Das ist definitiv noch nicht abgehakt.“
Die Agenda für das Gipfeltreffen in Manhattan ist umfangreich. Finanzen, Vertrags-Laufzeiten, strategische Ausrichtung, zählte Watzke auf. Er sprach von „gewaltigen Hürden“, die noch zu überwinden seien. Angefangen mit Klopps Engagement als „Head of Global Soccer“ bei Red Bull, das noch bis 2029 vertraglich vereinbart ist. Eine Freigabe dürfte auch Geld kosten.
DFB bezahlt „nicht mit Erdnüssen“ - trotzdem Schmerzgrenze
Beim DFB geht es um einen Zwei- oder Vierjahresvertrag für Klopp - auch der würde teuer. Dazu besitzt der Sympathieträger lukrative Werbeverträge. Watzke baute im ZDF schon mal verbal vor. „Wir haben natürlich unsere Schmerzgrenze“, sagte er zum Verbands-Budget. Klopp ist Topgehälter aus dem Vereinsfußball gewohnt, zuletzt in England beim FC Liverpool.
Man zahle auch beim DFB „nicht mit Erdnüssen“, bemerkte Watzke. Und klar sei, dass man „adäquat zahlen“ müsse, „wenn wir in das höchste Regal greifen“. Das war ein Hinweis an die Gesellschaftervertreter und den Aufsichtsrat der DFB GmbH und Co. KG, die eine Klopp-Verpflichtung am Ende absegnen müssen. Klopp ist als Trainer oberstes Regal.
Watzke fordert aber auch Zugeständnisse des Wunschkandidaten für die Nachfolge von Julian Nagelsmann. Klopp will das Bundestrainer-Amt ja auch unbedingt. „Einen leichten Patriotismus-Abschlag erwarte ich von Jürgen auch“, sagte Watzke mit einem listigen Lächeln beim Thema Geld.
Klopp-Fußball: Körperbetonter, intensiver, rustikaler
Mögliche Alternativlösungen werden im Verband parallel nicht verfolgt. „Wir müssen uns nicht mit B-Lösungen beschäftigen, sondern wollen unseren Masterplan A durchsetzen“, bestätigte Watzke. Es gehe am Ende stets um „einen Kompromiss“, wie Watzke aus vielen Verhandlungen beim BVB weiß.
Er ist aus seiner Klopp-Kenntnis überzeugt, dass dieser gerade nach „so einem Desaster“ wie bei der WM in Amerika genau der richtige Mann wäre. Klopp stehe für eine Aufbruchstimmung. „Jürgen ist verlässlich. Und er macht Spieler definitiv besser.“ Und Kloppo habe „eine riesige Suggestivkraft“. Die Spieler würden an das glauben, was er ihnen sage.
Watzke malt sich schon aus, wie eine Klopp'sche DFB-Elf ab 24. September in den sechs Partien der Nations League gegen die Niederlande, Serbien und Griechenland zu Werke ginge. „Etwas körperbetonter. Etwas intensiver. Etwas rustikaler.“ So, wie es andere Nationen bei der WM vorleben.
Hoeneß wirbt für Mertesacker
Hinter der großen Personalie Klopp tut sich aber auch noch einiges. Was wird aus Rudi Völler? Auch zum Sportdirektor äußerte Watzke seine Gedanken: „Ich glaube, dass er und Jürgen wunderbar zusammenarbeiten würden. Sie müssen sich da mal zusammenschließen.“ Das ist laut „Bild“ schon geschehen. „Dabei soll er Rudi versichert haben, dass er ihn gerne beim DFB behalten und mit ihm zusammenarbeiten würde“, hieß es im Bericht.
Erstmals meldete sich auch Uli Hoeneß zu Wort. Aber mit einem anderen Personalvorschlag. Der Ehrenpräsident des FC Bayern würde eine Aufgabe von Ex-Weltmeister Per Mertesacker im deutschen Fußball sehr begrüßen. „Er hat als ehemaliger Profi große internationale Erfahrung. Er hat immer gezeigt, wie gut er mit Menschen umgehen kann“, sagte Hoeneß der „Bild“.
„Und: Er würde es niemals des Geldes wegen machen, sondern weil es ihn reizt, mit seiner Leidenschaft etwas aufzubauen und voranzubringen.“ Leute, die sich selbst hochgedient hätten und bereit seien, hart zu arbeiten, „brauchen wir jetzt“, sagte Hoeneß. ZDF-Experte Mertesacker hatte während der WM erklärt, dass er für eine Aufgabe beim DFB bereit wäre.

