FußballEmotionaler Moment: Südafrika feiert historischen WM-Erfolg

Südafrika steht erstmals in der K.-o.-Phase einer Fußball-WM.
Südafrika steht erstmals in der K.-o.-Phase einer Fußball-WM.
Dolores Ochoa/AP/dpa

Bei den vergangenen drei WM-Starts reichte es für Südafrika nie zum Einzug in die K.-o.-Spiele. Der Sieg gegen Südkorea bringt das Team endlich an das ersehnte Ziel. Die Asiaten müssen zittern.

Trainer Hugo Broos sank überwältigt auf die Knie, seine Schützlinge tanzten auf dem Rasen ausgelassen eine Polonaise. Nach dem historischen Einzug in die K.-o.-Phase der WM gab es bei Südafrikas Fußballern kein Halten mehr.

„Es ist unglaublich. Ich komme mir vor, als würde ich träumen. Diese Geschichte werde ich später meinen Kindern erzählen“, schilderte Siegtorschütze Thapelo Maseko nach dem 1:0 (0:0) gegen Südkorea seine Gefühle.

Dank des Erfolges überstand die Bafana Bafana bei der vierten WM-Teilnahme als Zweiter der Gruppe A erstmals die Vorrunde und fordert nun im Sechzehntelfinale am Sonntag in Inglewood bei Los Angeles Co-Gastgeber Kanada. „Das ist ein sehr emotionaler Moment. Ich habe immer an diese Mannschaft geglaubt. Selbst in den vergangenen Wochen, als die Kritik sehr, sehr hart war“, sagte Trainer Broos.

Größter Erfolg für Bafana Bafana

Für den 74 Jahre alten Belgier ging mit dem Weiterkommen auch ein großer persönlicher Wunsch in Erfüllung. „Das ist auf jeden Fall meine letzte Weltmeisterschaft, denn bei der nächsten Endrunde bin ich 78. Und ich glaube nicht, dass man in diesem Alter noch auf der Bank sitzen sollte - das ist nicht gut für die Gesundheit. Deshalb wollte ich hier einen schönen Abschluss haben“, sagte Broos.

Der erfahrene Trainer hat seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2021 ein Team geformt, das im entscheidenden Duell mit Südkorea vor 51.243 Zuschauern in Monterrey über sich hinauswuchs und nationale Fußball-Geschichte schrieb. „Ich bin stolz auf die Jungs. Man darf nicht vergessen, dass wir diese Reise vor fünf Jahren begonnen haben und es in Afrika viel Kritik gab. Man hat dort nicht verstanden, was ich vorhatte“, sagte Broos im Rückblick.

Einen verbalen Seitenhieb konnte und wollte er sich Moment des größten Triumphes für Südafrika daher nicht verkneifen. „Ich denke, wir haben all den Großmäulern der letzten Wochen eine Antwort gegeben, die dachten, wir müssten etwas ändern“, rief Broos den Kritikern zu.

Trainer lobt die Spieler

Voll des Lobes war er dagegen über sein Team. Die Zusammenarbeit mit den Spielern sei für ihn „vielleicht etwas Einzigartiges. Ich bin zwar der Trainer, aber eigentlich auch nicht. Ich sehe mich eher als ihren Freund. Es ist eine fantastische Beziehung“, schilderte Broos das Verhältnis und stellte fest: „Ich denke, was wir bisher geleistet haben, ist schon ein kleines Wunder.“

Während die favorisierten Südkoreaner als Gruppendritter mit drei Punkten auf der Couch um das Weiterkommen zittern müssen, planen die Südafrikaner schon ihren nächsten Coup. „Jetzt wollen wir mehr“, verkündete Broos vor dem Duell mit Kanada und versprach den Fans: „Ihr werdet wieder eine Mannschaft sehen, die an sich glaubt, eine Mannschaft, die 90 Minuten lang kämpft und sogar noch länger, wenn es sein muss.“

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Südafrika belohnt sich für Fleiß

Das war gegen Südkorea der Schlüssel zum Erfolg. Der Außenseiter war aktiver, spielte mit mehr Mut und Überzeugung. „Die Jungs haben hart gearbeitet und um jeden Ball gekämpft“, lobte Broos. Und sie schlugen eiskalt zu, als sich nach gut einer Stunde die Chance dazu bot.

Der kurz zuvor eingewechselte Tshepang Moremi flankte von der linken Seite flach in den Strafraum, wo Maseko mit einem satten Flachschuss durch die Beine des Mönchengladbachers Jens Castrop vollendete. Seung-gyo Kim im Tor der Südkoreaner war machtlos. Danach wurde 30 Minuten gezittert, ehe mit dem Abpfiff die große Party startete. „Es ist wirklich erstaunlich, was hier passiert ist“, stellte Broos zum Abschied fest.