Fußball-WMDrama gegen Ägypten: Messi und Fernández retten Argentinien

Lionel Messi verschießt erneut einen Elfmeter - und rettet dann Argentinien. Mit seinem Tor zum Ausgleich hält er den Titelverteidiger gegen Ägypten im Spiel. Dann kommt Enzo Fernández.
Lionel Messi hob mit Tränen in den Augen seine Arme in die Höhe, dann ließ sich der emotional aufgewühlte Superstar nach einem furiosen Comeback der argentinischen Nationalmannschaft von seinen Teamkollegen herzen. Nach einer persönlichen Achterbahnfahrt für Messi verhinderte Argentinien in einem Fußball-Drama gegen Ägypten gerade noch das WM-Aus im Achtelfinale. Der Titelverteidiger drehte Spiel nach einem Zwei-Tore-Rückstand noch zu einem 3:2 (0:1) und darf weiter vom vierten Triumph träumen.
Auch Argentiniens Trainer Scaloni nach Schlusspfiff ergriffen
„Ich kann nicht mehr. Tut mir leid. Das ist zu viel. Was für eine Gruppe von Spielern“, sagte nach der Partie Argentiniens Trainer Lionel Scaloni, der ähnlich ergriffen wirkte wie Messi und das Siegerinterview sogar abbrechen musste. Messi (84. Minute), der in der ersten Hälfte einen Elfmeter verschossen hatte, und Cristian Romero (79.) hatten mit ihren Toren den ägyptischen Vorsprung durch Yasser Ibrahim (15.) und Mostafa Ziko (67.) zunächst ausgeglichen. Enzo Fernández sorgte in der Nachspielzeit mit dem Siegtor für unbändige Euphorie bei der Albiceleste (90.+2). „Es ist unglaublich“, betonte Fernández.
Ägypten verpasste hingegen seine erstmalige Viertelfinal-Teilnahme bei einer WM. Die Nordafrikaner haderten in der Schlussphase mit den Schiedsrichterentscheidungen und forderten vergeblich einen Foulelfmeter vor dem 3:2 Argentiniens.
Trotz der Strapazen der 120 Minuten gegen Kap Verde stand Weltstar Messi wie angekündigt in der Startelf und es kam zum Duell mit dem fünf Jahre jüngeren Mohamed Salah. Doch wie immer heutzutage hielt sich Messis Laufarbeit in Grenzen, was die Argentinier jedoch nicht davon abhielt, fast jeden Angriff über den 39-Jährigen laufen zu lassen.
Ibrahim crasht zunächst die Messi-Party
Nach einer Viertelstunde des aneinander Gewöhnens platzte Ägypten plötzlich mit einer Flanke in die Messi-Party. Die landete auf dem Kopf von Ibrahim, der sich in der Luft gegen Lisandro Martínez viel zu leicht durchgesetzt hatte. Was folgte, war ägyptische Ekstase und argentinische Schock-Starre. Diese hielt auch noch eine Weile an.
Denn als Haissem Hassan vier Minuten später Nicolás Tagliafico im Strafraum foulte und Schiedsrichter François Letexier Elfmeter pfiff, patzte ausgerechnet Messi. Mit einem unplatzierten Schuss in der 21. Minute machte er Mostafa Shobeir die Arbeit leicht. Es war bereits Messis zweiter verschossener Elfmeter in dieser Endrunde, zuvor hatte er gegen Österreich in der Gruppenphase nicht getroffen.
Und auch das ist ein Rekord, ohne den es bei Messi wohl nicht geht. Noch nie zuvor hatte ein Spieler bei einer WM zwei Elfmeter verschossen - Elfmeterschießen sind hier ausgenommen. Dennoch hätte Argentinien bereits vor der Pause ausgleichen müssen. Doch Alexis Mac Allister (28.) und Julian Álvarez (39.) wurden durch überragende Paraden von Shobeir im Jubel ausgebremst. Und Messi traf per Freistoß aus gut 25 Metern lediglich den Pfosten.
„Wir müssen träumen“
Der frühere Bundesliga-Profi Mohamed Zidan hatte vor dem Spiel betont, im Spiel der Ägypter dürfe es nicht um das Herz, sondern um die Disziplin gehen. „Wir dürfen vor dem Strafraum kein Foul machen“, sagte der 41-malige Nationalspieler bei MagentaTV. „Wir müssen träumen. Manchmal gehen Träume in Erfüllung.“
Dagegen hatten die Argentinier naturgemäß etwas. Doch die Mannschaft tat sich immer schwerer darin, zu Möglichkeiten zu kommen. Die Chancenflut zum Ende der ersten Hälfte ebbte massiv ab. Ägypten spielte seine Konter hingegen besser aus - und traf zum zweiten Mal. Doch im Vorfeld des Tores von Ziko (58.) hatte Marwan Attia Lisandro Martínez auf den Fuß getreten und der Treffer wurde nach Eingriff des Videoschiedsrichters zurückgenommen.
Argentinien schafft furioses Comeback
Salah und Co. ließen sich davon nicht entmutigen. Nicht einmal zehn Minuten später leitete der Star-Stürmer die nächste Umschaltmöglichkeit ein, trieb den Ball bis weit in die argentinische Hälfe. Dort nahm Salah Hassan auf der Außenbahn mit, der im Abwehrrücken eingelaufene Ziko musste nur noch den Fuß hinhalten. Und diesmal zählte es.
Romeros Kopfballtor ließ Argentinien in der Schlussphase wieder hoffen. Der Favorit drängte auf den Ausgleich - und kam ausgerechnet durch Messi zum 2:2. In der Nachspielzeit machte Fernández dann das furiose Comeback perfekt.

