Fußball-NationalmannschaftDie Rolle von Mintzlaff: Bundestrainer-Macher von Red Bull

Bald wieder getrennte Wege? (Archivbild)
Bald wieder getrennte Wege? (Archivbild)
Jan Woitas/dpa

Er ist einer der Leiter eines Unternehmens, das für nicht wenige im Fußball negativ besetzt ist. Nun aber hängt die Frage nach einem Bundestrainer Jürgen Klopp maßgeblich von Oliver Mintzlaff ab.

Oliver Mintzlaff dürfte die Rolle des Bundestrainer-Machers gerade nicht ungelegen kommen. Der 50 Jahre alte Geschäftsführer von Red Bull hat reichlich zu tun mit dem Sportimperium des Unternehmens aus Fuschl am See.

In der Formel 1 droht im schlimmsten Fall der Weggang des viermaligen Weltmeisters Max Verstappen. Vom Titelgewinn in der laufenden Rennsaison sind die Red Bulls weit entfernt. Und auch in den anderen Sportarten, in denen das Getränkeunternehmen aus Österreich mit eigenen Teams antritt, blieben die ganz großen Erfolge aus.

Es läuft gerade nicht optimal im Red-Bull-Sportimperium

Pikanterweise auch im Fußball - trotz Jürgen Klopps weltweit beachtetem Engagement als Head of Global Soccer seit dem 1. Januar 2025. Dass RB Leipzig nach einer eigentlich überzeugenden Saison in der Fußball-Bundesliga die Trennung von Trainer Ole Werner bekanntgab, passte ins nicht so ganz PR-perfekte Bild des weltweit operierenden Konzerns.

Nun wird Mintzlaff das Red-Bull-Gesicht Klopp - alles andere wäre eine Überraschung - zum DFB ziehen lassen. Berichten aus Österreich zufolge soll freilich ohnehin eine gewisse Ernüchterung eingetreten sein. Klopps Wirken bei Red Bull sei „sportlich praktisch völlig erfolglos“, schrieben zuletzt sogar die „Salzburger Nachrichten“. Das Blatt ist am Standort des österreichischen Fußball-Aushängeschildes FC Red Bull Salzburg gewöhnlich gut informiert.

Am Dienstag könnte schon das entscheidende Gespräch von Mintzlaff mit der deutschen Fußball-Spitze stattfinden. Der Red-Bull-Geschäftsführer will sich mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Ligapräsident Hans-Joachim Watzke treffen. Das DFB-Duo verhandelte gerade erst bei einem Kurztrip nach New York erfolgreich mit Klopp über die Übernahme des Bundestrainer-Postens.

Mintzlaffs Aufstieg - und kreative Klopp-Lösungen

Einigt sich das Trio, ist der Weg für Klopp zum DFB frei. Dem Vernehmen nach geht es um kreative Lösungen. Eine Ablösesumme für Klopp scheint nicht das vordringliche Thema zu sein. Auch soll Klopp nicht als Markenbotschafter für Red Bull weiterarbeiten. Es gäbe auch andere Kompensationsmöglichkeiten, etwa über (mehr) Länderspiele in der Leipziger Red Bull Arena.

Klopp könnte auch öfter dort auf der Tribüne sitzen, wenn er Nationalspieler im Bundesliga-Einsatz beobachtet. Joachim Löw saß jahrelang am liebsten in seinem Freiburger (Heim-)Stadion. Auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler ist immer noch regelmäßig publikumswirksam in der BayArena neben seinen früheren Leverkusener Bosse-Kollegen zu sehen.

Mintzlaff hatte Klopp vor gut anderthalb Jahren als „sicherlich stärkste Verpflichtung in der Fußball-Historie von Red Bull“ bezeichnet. „Wir erhoffen uns in den wesentlichen Bereichen wertvolle und entscheidende Impulse, um die Clubs insgesamt und im Einzelnen noch besser zu machen“, verkündete Mintzlaff.

Klopps Inthronisation wurde in bester Red-Bull-Manier mit einer großen Pressekonferenz im Hangar 7 inszeniert, einer Eventstätte des Unternehmens auf dem Salzburger Flughafen. Natürlich übertragen vom hauseigenen Sender ServusTV.

Mit Klopp auf dem Podium saß damals Mintzlaff. Nach dem Tod von Firmengründer Dietrich Mateschitz stieg der ehemalige Mittelstreckenläufer und Sport- und Wirtschaftsmanager zum starken Mann beim vielerorts auch mit Argwohn betrachteten Unternehmen mit der berühmten Energydrink-Dose auf. Den Posten als Geschäftsführer des Bundesligisten RB Leipzig gab er auf.

Bei Red Bull ist Mintzlaff für sämtliche sportliche Aktivitäten des Unternehmens verantwortlich. Und das sind viele: zwei Formel-1-Teams, weitere Fußball-Clubs in den USA, Japan oder auch Brasilien. Zwei Eishockey-Vereine. Dazu ein Radsport-Team, das gerade mit dem Deutschen Florian Lipowitz bei der Tour de France auf Erfolge hofft. Und eine Vielzahl an Top-Athletinnen und Top-Athleten wie den deutschen Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer oder US-Skisuperstar Lindsey Vonn.

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Ein „knallharter Charakter“?

Mintzlaff gilt als zielorientiert. Ein Macher, der handelt. Zaudern und Zögern, das ist nicht sein Ding. In der Formel 1 veranlasste er im vergangenen Jahr nach einem Machtkampf die Trennung von Teamchef Christian Horner, der seit dem Einstieg des Teams zur Saison 2005 dabei war.

„Als knallharter Charakter bezeichnet zu werden ist nicht immer eine Auszeichnung“, schrieb mal der österreichische „Standard“ über Mintzlaff. „Wer aber als Verhandlungspartner Dietrich Mateschitz beeindrucken konnte, druckst sicher nicht herum.“ Mintzlaff hatte Mateschitz beim ersten Gespräch 2012 nachhaltig beeindruckt.

Neuendorf und Watzke werden sich auf entsprechende Verhandlungen einstellen müssen, freilich mit dem erwartbaren Ausgang zur Rettung des deutschen Fußballs. Nach dem WM-Scheitern 2022 gehörte Mintzlaff auch schon der DFB-Taskforce an, die nach dem Debakel von Katar noch unter Hansi Flick als Nationaltrainer mit einschneidenden Reformen wieder für eine blühende Fußball-Zukunft sorgen sollte.

Nicht mal ein Jahr nach der Gründung trat Mintzlaff zusammen mit dem langjährigen Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge aus dem Gremium aus. Mintzlaff pflegt seit seiner Zeit bei RB Leipzig eine sehr gute Beziehung mit dem deutschen Rekordmeister. Grund für Mintzlaffs und Rummenigges Schritt war seinerzeit die Berufung von Andreas Rettig zum Geschäftsführer Sport beim DFB. Rettig war auch ein Kritiker des Red-Bull-Konstruktes im Fußball. Er wird den DFB nach Auslaufen seines Vertrages zum Jahresende verlassen - auch das ist förderlich für die anstehenden Gespräche über Klopp.