Fußball-NationalmannschaftDFB kurz vorm Ziel: „Eckpunkte“-Einigung mit Klopp

Vier Männer und Beratungen über vier Stunden: In New York überwindet die DFB-Spitze mit ihrem Wunschkandidaten die Hürden zum Bundestrainer-Job. Es geht noch um Detailfragen - und die Red Bull-Lösung.
Jürgen Klopp kam zum Gipfeltreffen mit den DFB-Bossen in New York wie ein Tourist - und verließ es praktisch als Bundestrainer. Helle Hose, sportliche Sneaker, dazu die Sonnenbrille lässig ins Shirt gesteckt - so zeigten Fotos der „Bild“-Zeitung den 59-Jährigen bei der ersten direkten Verhandlungsrunde mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf (65) und DFB-Vize Hans-Joachim Watzke (67) in einem Hotel am John F. Kennedy Flughafen.
Nach über vier Stunden sehen sich beide Parteien kurz vor dem Ziel. „Bei dem konstruktiven Austausch wurde eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt“, teilte der Deutsche Fußball-Bund am Tag danach mit. Und der Verband informierte auch über den weiteren Ablaufplan. „Die Gespräche werden in der kommenden Woche fortgesetzt.“
Es gibt noch eine Hürde
Die Nagelsmann-Nachfolge ist aufs Gleis gesetzt - unter einer Bedingung. „Beide Seiten sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen - vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull - letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können“, hieß es in der sieben Zeilen langen Mitteilung. Klopp ist als „Head of Global Soccer“ noch bis 2029 an den Red-Bull-Konzern gebunden. Auch hier gab es freilich schon vielfältige positive Signale.
Wie bei der vorzeitigen Vertragsauflösung mit Julian Nagelsmann nach dem nächsten WM-Flop der Nationalmannschaft in Amerika gilt darüber hinaus auch bei einer Verpflichtung von Klopp: „Ein möglicher Vertrag muss final in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG beschlossen werden.“ Diese ist noch nicht datiert.
Klopp wurde bei den Verhandlungen mit der DFB-Spitze von seinem Berater Marc Kosicke unterstützt. Der 55-Jährige kümmert sich seit vielen Jahren um Klopps Belange. Der Sportmanager gilt in der Fußball-Szene als gewiefter Verhandler. Er kümmert sich auch um Klopps Sponsoring-Verträge.
Beim Airport-Treffen gab es unter acht Augen viel zu besprechen und zu klären. Direkt danach äußerte sich aber keiner der Protagonisten. Klopp-Intimus Watzke hatte in den Tagen zuvor dann gesprochen, dass es bei der Nachfolge für den auf mehr oder weniger sanften Druck zurückgetretenen Nagelsmann nicht nur darum gehen könne, „dass man einen Namen austauscht“.
Jürgen K. erklärt Jürgen K. den Bundestrainer-Job
Das Anforderungsprofil für einen Nationaltrainer skizzierte in den WM-Tagen übrigens Jürgen Klinsmann. Der 61-Jährige, als Bundestrainer von 2004 bis 2006 verantwortlich für das deutsche WM-Sommermärchen, sprach dabei von einer Vielzahl an Rollen, die der Chefcoach bei einem Turnier zu erfüllen habe.
„Im Grunde bist du ein Menschen-Manager“, erklärte Klinsmann. Das gehe los beim Spieler-Puzzle über die Steuerung der Mannschaft, den Umgang mit den Familien bis hin zum Verband selbst. Viele Interessen müssen da gebündelt werden.
„Manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Und wenn es nicht so gut läuft, übernimmst du Verantwortung, so wie es Julian Nagelsmann getan hat. Er hat Verantwortung übernommen und gesagt: Ich habe keinen guten Job gemacht. Ich gehe und mache den Weg frei für einen anderen, für den nächsten Trainer“, schilderte Klinsmann.
Verantwortung im deutschen Fußball und vor allem für die Nationalmannschaft übernehmen will und wird nun also Klopp, der als Vereinscoach bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool bewiesen hat, dass er Mannschaften zu Titeln führen kann. Und dass er Menschen anleiten und Spieler zu Top-Leistungen anstacheln kann.
Klopp würde damit die oberste Klinsmann'sche Voraussetzung des „Menschen-Managers“ erfüllen, auch wenn er noch nie ein Nationalteam geführt hat. Auch darum sieht er wohl in Ex-Teamchef Rudi Völler (66) eine echte Hilfe. Der DFB-Sportdirektor bleibt auch nach dem WM-Aus bis zur EM 2028 im Amt.
Bosse fliegen aus Frankfurt ein
Neuendorf und Watzke waren am Freitag aus Frankfurt in die US-Metropole geflogen. Gerade für den Präsidenten war es unerlässlich, Auge in Auge den Austausch zu suchen. Warum in den USA? In New York hat Klopp seine WM-Basis. Er arbeitet beim laufenden XXL-Turnier für MagentaTV als Experte, beobachtet vor Ort die Turnierspiele und bewertet sie sportlich.
Bereits im Zuge der Nagelsmann-Trennung hatten sich beide Parteien klar und offensiv zueinander bekannt. Auch inhaltlich ist vieles schnell vorbesprochen worden. In der DFB-Mitteilung wird freilich keine Vertragslaufzeit genannt, auch wenn von „wesentlichen Eckpunkten“ die Rede war. Dotiert sein soll der Kontrakt nicht viel höher als der seines Vorgängers. Nagelsmann soll nach unbestätigten Medienberichten rund sieben Millionen Euro pro Jahr kassiert haben.
Wie viel Red Bull dürfte noch in Klopp stecken?
Ein Knackpunkt bleibt Klopps Engagement bei Red Bull. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff soll in der WM-Finalwoche in die USA reisen. Wenn die bislang kolportierten Details stimmen, gibt Klopp seinen Job bei dem Getränkekonzern auf. Er könnte aber Markenrepräsentant bleiben. Dieses Konstrukt wird nach dpa-Informationen bei den Traditionalisten im DFB kritisch bewertet.
Mit einer längeren Hängepartie der Klopp-Personalie wird spätestens jetzt nicht mehr gerechnet. Zeitdruck besteht trotzdem nicht. Die ersten Länderspiele der DFB-Auswahl nach der WM stehen erst Ende September an. Dann gibt es im ersten, neu gestalteten Länderspielfenster innerhalb von nur zehn Tagen gleich vier Partien gegen die Niederlande, Serbien und Griechenland (zweimal). Beim Start als Bundestrainer wird Klopp also gleich in die Vollen gehen müssen.

