Harte Schule und RückhaltAntonellis „Fels in der Brandung“: Eltern in der Formel 1

Der Papa (r) ist immer an Kimi Antonellis Seite. (Archivbild)
Der Papa (r) ist immer an Kimi Antonellis Seite. (Archivbild)
Denes Erdos/AP/dpa

Eltern und ihre Kinder: Das ist nicht immer ein einfaches Verhältnis. Verstappen wurde einst von seinem Vater an einer Tanke ausgesetzt. Antonellis Vater würde dem Sohn scherzhaft an die Gurgel gehen.

Spaßeshalber würde Marco Antonelli bei seinem berühmten Sohn Kimi auch nicht vor drastischen Maßnahmen zurückschrecken. „Wenn ich sehe, dass du noch einmal wegen nichts die Strecke verlässt, dann drehe ich dir den Hals um wie bei einem Huhn“, drohte der Vater augenzwinkernd dem jungen WM-Spitzenreiter nach dessen Formel-1-Sieg vor wenigen Tagen in Belgien. Kimi Antonelli verlässt gerne mal die sogenannten Track Limits und handelt sich dafür auch eigentlich unnötige Strafen ein.

Die nicht ernst gemeinte Ansage seines Vaters ist für den erst 19-jährigen Italiener kein Problem. Kimi Antonelli schätzt den Rat seines Papas über alle Maßen. „Mein Vater ist wie mein Fels in der Brandung, weil wir so viele Dinge gemeinsam teilen“, erzählte der Mercedes-Pilot am Rande des letzten Grand Prix vor der Sommerpause in Ungarn. Nach jeder Session höre er sich „gerne seine Sicht der Dinge“ an. Genauso wie einst zu Kart-Zeiten.

Ein ganz normaler Teenager?

Dass Marco Antonelli, selbst Rennfahrer und Teambesitzer, seinen Sohn regelmäßig zu den Rennen begleitet, ist also längst Gewohnheit geworden. „Jemanden wie ihn in diesem wichtigen Jahr an meiner Seite zu haben, ist enorm wichtig. Er kennt mich von allen Menschen am besten“, sagte der Sohn, der als jüngster Fahrer überhaupt die WM anführt.

Papa Antonelli kritisiert seinen Kimi - zeigt aber auch seinen ganzen Stolz. Schon sechs Rennen hat der Teenager in dieser Saison gewonnen. Und Kimi Antonelli soll sich nicht nur zum Weltmeister entwickeln, sondern auch menschlich weiter reifen. „Er soll anderen Kindern ein Vorbild sein. Nicht so sehr wegen seiner Ergebnisse auf der Rennstrecke, sondern vielmehr wegen seiner Art, wie er sich abseits der Rennstrecke verhält: ein ganz normaler 19-Jähriger, der das tut, was er liebt“, sagte Marco Antonelli.

Das, was Kimi Antonelli in seinem Alter bei 300 km/h auf dem Asphalt macht, ist natürlich nicht ganz normal. Das öffentliche Interesse an dem Wunderkind ist es ebenso nicht. Davon weiß auch Max Verstappen zu berichten. Der viermalige Weltmeister von Red Bull war selbst so ein Wunderkind. Nur Verstappen war bei seinem ersten Karriereerfolg in Barcelona 2016 mit 18 Jahren und 228 Tagen jünger als es Antonelli in dieser Saison in China war.

Verstappen an der Tankstelle

Heute noch wird der 28-Jährige regelmäßig von seinem Vater und Berater Jos an die Strecken dieser Welt begleitet. Max Verstappen durchlief eine harte Schule bei dem ehemaligen Formel-1-Piloten, was noch eine sehr freundliche Umschreibung ist. „Als Vater möchte man seinem Sohn immer so gut wie möglich helfen“, erzählte einmal Jos Verstappen. „Ich habe versucht, ihn in die richtige Richtung zu lenken.“

Max Verstappen selbst lässt daran keinen Zweifel aufkommen. „Ich glaube nicht, dass viele Menschen schon von klein auf so eine Förderung hatten wie ich“, sagte er. Dazu gehört auch die Episode von 2012, als Jos Verstappen seinen Sohn nach einem Crash-Rennen an einer Tankstelle zurückließ.

„Wir saßen im Transporter auf dem Heimweg. Ich wollte mit meinem Vater darüber reden, was passiert war, und ihm meine Meinung zu dem Vorfall mitteilen, aber mein Vater wollte nicht mit mir reden“, erinnerte sich Max Verstappen. „Irgendwann hielt er an einer Tankstelle an und sagte: 'Steig aus, ich will nicht mehr mit dir reden.'“

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Corinna und Mick Schumacher

Mama Sophie, selber früher Kart-Fahrerin, die in einem separaten Wagen hinter den beiden fuhr, pickte ihren Sohn dann auf. „Ich habe die ganze Woche nicht mit ihm gesprochen“, erzählte Jos Verstappen, der nach eigener Aussage aber nie vorhatte, seinen Sohn an der Tankstelle im Stich zu lassen.

Jos Verstappen war 1994 bei Benetton sogar für einige Rennen Teamkollege von Rekordweltmeister Michael Schumacher, der seit einem schweren Ski-Unfall Ende 2013 von der Öffentlichkeit abgeschirmt lebt. Dessen Sohn Mick wurde während seiner Formel-1-Zeit bei Haas 2021 und 2022 immer wieder mal von Mutter Corinna begleitet, die selbst die Branche bestens kannte.

Russell zahlte seinem Vater 1,7 Millionen Euro zurück

Ob Antonelli oder Schumacher: Sie alle bringen ihren Eltern Dankbarkeit entgegen. Genauso wie George Russell. Der Stallrivale von Antonelli zahlte seinem Vater Steve sogar umgerechnet rund 1,7 Millionen Euro zurück, die dieser in die Karriere seines Sohnes investiert hatte. „Er musste sich für mich den Arsch abarbeiten“, erzählte George Russell einmal.

Die persönlichen Entbehrungen ließ ihn sein Vater aber auch spüren. „Ich hatte immer den Eindruck, dass ich ihm nie gut genug war“, räumte George Russell, der mittlerweile ein harmonischeres Verhältnis zum Papa hat, ein. „Hätte sich mein Vater gewünscht, eine engere Beziehung zu seinem Sohn gehabt zu haben? Vielleicht. Aber diese Jahre haben mich auf das Leben vorbereitet.“