Aktuelle Berechnung des RWI Leibniz-Instituts für WirtschaftsforschungÄrger an Tankstellen! Staat kassiert laut Forschern fast eine halbe Milliarde Euro mehr durch hohe Spritpreise

von Daria Semcov

Die Spritpreise bleiben auf einem Niveau, welches viele Autofahrer an ihre Belastungsgrenze bringt. Laut einer aktuellen Berechnung des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung hat der Staat allein im März fast eine halbe Milliarde Euro mehr an Mehrwertsteuer eingenommen als vor dem Iran-Krieg: automatisch, weil die Preise so hoch sind.

Frust an der Zapfsäule – trotz leichter Entspannung

An Tankstellen in der Region wie in Meerbusch (Rhein-Kreis Neuss) ging der Preis am Donnerstagmittag (09.04.) wieder nach oben. Zwar ist Tanken erstmals seit zwei Wochen etwas günstiger als zuletzt, doch die Stimmung bleibt am Boden. Autofahrer berichten davon, dass die Preise „extrem wehtun im Portemonnaie“. Manche überlegen, an welchem Wochentag es am günstigsten ist oder lassen das Auto gleich stehen. Andere kritisieren, dass die Konzerne sich die Taschen füllten, während der „kleine Mann“ draufzahle.

0,12 Euro mehr Mehrwertsteuer pro Liter Diesel

Dass der Staat an jedem teuren Liter automatisch mitverdient, hat Manuel Frondel konkret ausgerechnet. Er ist Leiter des Kompetenzbereichs Umwelt und Ressourcen beim RWI in Essen. Am Ostersonntag (06.04.) tankte er Diesel für 2,49 Euro pro Liter. Im Vergleich zum Vorkriegsniveau von rund 1,73 Euro bedeutet das: Der Staat nimmt pro Liter Diesel 0,12 Euro mehr Mehrwertsteuer ein. Je höher der Preis, desto mehr fließt automatisch in die Staatskasse – ohne aktives Zutun der Politik. Das Bundesfinanzministerium bestreitet laut BILD-Zeitung nennenswerte Mehreinnahmen und verweist darauf, dass die Menschen aktuell insgesamt weniger konsumierten. An der Zapfsäule lässt sich davon wenig erkennen.

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Weniger tanken statt weniger fahren

Wer beobachtet, wie Tankkunden tatsächlich reagieren, sieht kein Verzichtsverhalten, sondern Taktik. Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband beschreibt, was er in den vergangenen Wochen registriert: Die Leute fahren nicht weniger, aber sie tanken nicht so viel. Statt den Tank vollzumachen, zapfen viele nur noch für zehn oder 20 Euro und schauen am nächsten Tag, ob die Preise gesunken sind. Ein Verhalten, das zeigt: Nicht die Fahrten werden reduziert, sondern das Risiko beim Tanken gemanagt.

Merz kündigt Entlastungen an – ohne konkrete Maßnahmen

Bundeskanzler Friedrich Merz t(CDU) trat am Donnerstagnachmittag (09.04.) vor die Presse und signalisierte, dass bei weiteren Preissteigerungen Entlastungen für Bürger kommen sollen. Auf konkrete Maßnahmen habe sich die Koalition aber noch nicht geeinigt. Merz verwies zudem auf die Möglichkeit sinkender Spritpreise durch eine mögliche Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Ein Signal, das die Märkte zumindest kurzfristig beruhigen könnte. Für Millionen Autofahrer, die täglich auf ihr Fahrzeug angewiesen sind, bleibt die Lage vorerst aber unverändert angespannt.