Thyssenkrupp steht vor einem historischen UmbruchZerschlagung bei Thyssenkrupp? Der Stahlriese wankt

Thyssenkrupp, einst Symbol deutscher Industrie, steht vor der nächsten Zäsur. Der traditionsreiche Konzern soll zerschlagen werden – mit weitreichenden Folgen für Standorte und Beschäftigte in NRW.

Thyssenkrupp will sich neu aufstellen – möglicherweise durch eine vollständige Zerschlagung. „Kern der Überlegungen ist es, schrittweise alle Geschäftsbereiche von thyssenkrupp zu verselbstständigen und für die Beteiligung Dritter zu öffnen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Konzerns. Vorstandschef Miguel López will den Stahlriesen in eine Holding umwandeln. Die Stahlsparte soll verkauft werden – offenbar an einen Investor aus Tschechien.

Kritik kommt aus der Politik. Jochen Ott, Fraktionsvorsitzender der SPD in NRW, warnt vor dramatischen Folgen für die Region: „Sowohl die Wirtschaftsministerin Neubaur als auch der Ministerpräsident Wüst – die machen gar nichts, die riskieren Tausende von Arbeitsplätzen und das in einer solchen Situation. Ich erwarte einfach jetzt auch aktives Handeln zum Wohle der Arbeitsplätze für Nordrhein-Westfalen.“

Zentrale in Essen vor dem Schrumpfen – Förderung bleibt folgenlos

Auch die Konzernzentrale in Essen ist betroffen. Statt bisher 500 sollen künftig nur noch rund 100 Beschäftigte dort arbeiten. Dabei galt Thyssenkrupp noch vor zwei Jahren als Hoffnungsträger: 700 Millionen Euro Fördergeld aus NRW sollten den Umbau zur klimafreundlichen Stahlproduktion ermöglichen. Ein neuer Hochofen, betrieben mit Wasserstoff, war geplant.

Doch grüner Stahl ist teuer – bis zu 50 Prozent mehr als herkömmlicher. Gegen günstige Konkurrenz aus China hat der Standort Deutschland auf dem Weltmarkt einen schweren Stand.

Bei einem Termin zur Eröffnung einer Wasserstoff-Tankstelle in Düsseldorf stellt sich NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur nicht den Fragen zur Krise bei Thyssenkrupp. Ihre Sprecherin verweist knapp: „Wir hatten vereinbart, dass wir nur Fragen zum Wasserstoff machen.“

Konzern betont Zukunftsperspektive – Kritik an Millionengehalt

Thyssenkrupp selbst spricht von einem „neu gegliederten Industriekonzern“ und verspricht eine klare Perspektive für die Mitarbeiter. Vorstandschef Miguel López soll laut Medienberichten im Amt bleiben – sein Vertrag könnte verlängert werden. Zuletzt erhielt er ein Jahresgehalt von 2,3 Millionen Euro.