Altes Handwerk und ein Meister in seinem FachgebietWie entsteht ein Regenschirm? 77-Jähriger ist einer der letzten Schirmmacher Deutschlands

In Essen gibt es einen der letzten Schirmmacher Deutschlands. Der 77-Jährige führt mit fünf Mitarbeitern den Laden seiner Großeltern. In Handarbeit baut er die verschiedensten Schirme. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Generationenbetrieb in Essen-Heisingen

Während sich die meisten über Regen ärgern, bedeutet es für Willy Schüffler Freude, denn dann hat er mehr Kunden. Er baut, verkauft und repariert Regenschirme. Es ist ein altes Handwerk. In Essen-Heisingen hat der 77-Jährige seinen Meisterbetrieb - einer der letzten seiner Art.

Familienbetrieb aus den 20ern

Der 77-Jährige ist mit Schirmen aufgewachsen. Seit 1920 gibt es die Schüffler-Schirme in Essen. Willy Schüffler ist in dem Betrieb groß geworden. Er lernte schon früh das Handwerk. Viele Jahrzehnte später steht er immer noch in seiner Werkstatt und baut jeden Tag neue Schirme – egal, ob bunt, eckig, oder funkelnd.

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Vom Gebrauchsgegenstand zum Wegwerfprodukt

Der Stellenwert des Regenschirms ist inzwischen ein ganz anderer als früher. Damals galt er als Prestigeobjekt, heutzutage ist er eher ein Wegwerfprodukt. Deswegen hat der 77-Jährige immer mehr Probleme, Werkzeug und Zubehör für sein Handwerk zu bekommen. Die Produktion in Deutschland ist so gut wie ausgestorben. Stöcker aus Buchenholz sind noch mit die einzigen Materialien, die von hier kommen. Vieles kauft Willy Schüffler in Italien, Österreich oder auch Schottland. Aus den einzelnen Teilen baut er dann die Schirme.

Selbstgenähte Schirmdächer

Für das Dach des Schirms kommt Jennifer Kossuch zum Einsatz. Die 43-Jährige ist gelernte Damenschneiderin. Mittlerweile arbeitet sie aber seit rund 20 Jahren im Schüffler-Betrieb. Sie hat das Handwerk vom Chef gelernt. Für sie sind Schirme mehr als nur ein Regenschutz. Ist der Stoff für das Dach fertig vernäht, greift die 43-Jährige noch mal zur Nadel. Die sogenannten Spitzen muss sie per Hand vernähen. Für den optimalen Halt wird mit mehreren Stichen der Stoff noch an den Speichen befestigt.

Schirme zwischen 50 und 1.000 Euro

Ein Regenbogenschirm war im vergangenen Jahr übrigens der Verkaufsschlager. Kosten: 59 Euro. Die Preise für die eigenen Schirme liegen zwischen 50 und 1.000 Euro, je nach Material und Aufwand. Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, verkaufen die Schüfflers aber auch fertige Schirme für unter fünf Euro. Die meisten Kunden schätzen aber die Erfahrung des 77-Jährigen. Die Liebe zu den Materialien und dem Handwerk treibt den 77-Jährigen und sein Team jeden Tag an. Willy Schüffler denkt noch lange nicht ans Aufhören. Solange er noch fit ist, will er weiter an den Schirmen werkeln. Für ihn sind sie viel mehr als nur ein Schutz vor Regen.