Jahrhundertealtes HandwerkTöpfern wie vor 400 Jahren – der letzte „Pottbäcker“ vom Niederrhein

von Antonia Schütter

Ein Mann aus Kempen (Kreis Viersen) ist der letzte traditionelle Pottbäcker am Niederrhein. Er töpfert auf ganz spezielle Art, wie vor hunderten Jahren. Seine Motive sind mindestens genauso speziell.

Werke wie vor hunderten von Jahren

Paul Lutz Weynans hat in Kempen-Tönisberg seine Werkstatt. Dort widmet sich der 63-Jährige einer alten Tradition des Niederrheins: dem Töpfern. Das Besondere: Er arbeitet, soweit es geht, wie unsere Vorfahren vor hunderten von Jahren. Dabei mischt er den Ton selbst an und arbeitet nur mit wenigen Farben. Seine Werke: Teller, Figuren, Grabsteine und alles, was ihm eben gerade so einfällt. Die Motive sind angelehnt an alte niederrheinische Traditionen. Sie zeigen oft religiöse Bilder.

Töpferort am Niederrhein

Tönisberg war früher eine Töpferhochburg. Schon im 17. Jahrhundert wurden dort Teller als Alltagsgeschirr, aber vor allem zur Zierde hergestellt. Töpfer nennen die Leute vom Niederrhein übrigens „Pottbäcker”. Weil sie früher neben Tellern auch Töpfe, also Pötte herstellten und „Bäcker”, weil der Ton gebrannt wird. Aber seit dem 20. Jahrhundert stirbt das Handwerk immer mehr aus. Doch Paul Lutz Weynans hält weiter daran fest. Er ist inzwischen der letzte traditionelle Pottbäcker in der Region.

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Kraft trifft auf Fingerspitzengefühl

Ein Zierteller entsteht in verschiedenen Arbeitsschritten. Er hat meistens einen Durchmesser zwischen 50 und 80 Zentimetern - ein langer, aufwendiger Prozess. Fast nach jedem Schritt muss der Ton mehrere Tage ruhen. Nach dem Anmischen des Tons ist Körpereinsatz gefragt. Die Luft muss raus. Zuerst mit Hilfe einer Presse, dann mit Manpower. Rund sechs Kilo Ton landen immer wieder auf dem Boden. Dann geht es auf die Drehscheibe. Wichtig: Der Ton muss zentriert liegen. Sonst wird der Teller ungleichmäßig. Ein enormer Kraftaufwand, bei dem es trotzdem Fingerspitzengefühl braucht.

Trocknen, malen, brennen

Ist der Teller nach mehreren Tagen angetrocknet, geht es an die Farben. Eine Schicht aus weißem Ton-Gemisch ist die Grundlage, bevor es bunt wird. Der Teller wird zur Leinwand. Nach dem Trocknen kann gebrannt werden - zweimal. Erst dann sind die Werke nicht mehr wasserdurchlässig. So kann es schon mal bis zu acht Wochen dauern, bis sie fertig sind. Die Ergebnisse: immer eine kleine Überraschung.

Personalisierte Teller

Aktuell macht der Pottbäcker hin und wieder mal personalisierte Teller. Je nach Aufwand gibt es die ab 150 Euro. In vier Jahren will er in Rente gehen. Um dann noch mehr zu töpfern, wie es unsere Vorfahren schon vor hunderten von Jahren getan haben.