Sanfte Reinigung mit viel PowerMit Trockeneis gegen Dreck: Dieser Mann macht Fachwerk wieder sauber

von Niklas Bönsch

Eiskalt und effektiv: Ein Mann aus Neunkirchen-Seelscheid reinigt Fassaden, Fachwerk und mehr mit Trockeneis. Seine Methode ist gründlich, materialschonend – und ein echter Hingucker. Mit seinem mobilen Startup bringt er frischen Wind in die Reinigungsbranche.

Eiskalt gegen Schmutz

Sven Jagusch aus Neunkirchen-Seelscheid (Rhein-Sieg-Kreis) hat sich mit einer ungewöhnlichen Idee selbstständig gemacht: Er entfernt Dreck und Farbe mithilfe von Trockeneis und Druckluft. Die Methode ist gründlich, materialschonend – und spektakulär anzusehen. „Wir haben keine Riesensauerei durch Sand oder durch Wasser oder sonst irgendwas“, erklärt der gelernte Kfz-Mechatroniker. „Übrig bleibt nur das, was wir von der Oberfläche abtragen.“ Was viele nicht wissen: Die Technik ist längst erprobt, zum Beispiel bei der Entfernung von Graffiti oder in der Autoaufbereitung. Jagusch hat sie mobil gemacht – mit eigener Ausrüstung und eigenem Transporter. Das nötige Startkapital war jedoch gar nicht so leicht zu bekommen. „Weil die Leute es einfach nicht kennen, waren sie von der Finanzierung her total scheu“, erzählt er.

So funktioniert das eiskalte Strahlgerät

Die Reinigungsmethode basiert auf kleinen Pellets aus festem Kohlendioxid. Sie werden mit hoher Geschwindigkeit auf die zu säubernde Fläche geschossen. Durch die extreme Kälte von minus 78,5 Grad Celsius wird der Schmutz spröde und löst sich. Damit das Eis seine Wirkung nicht vorzeitig verliert, lagert der Gründer es in speziellen Styroporboxen. „Wenn ich Reste von einem Auftrag habe, dann sage ich: ‚Okay, ich kann bei einem anderen Kunden mit diesem Resteis noch mal ein Probestrahlen durchführen‘“, so Jagusch. Auch solche Demos sind Teil seines Service – wie bei Kundin Ivonne Zimmermann-Fabricius in Lohmar.

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Fachwerkhaus als Härtetest

Sie will die Farbe von den Balken ihres alten Fachwerkhauses entfernen lassen und bekommt eine kostenlose Testfläche. Die Hochschulmitarbeiterin ist beeindruckt. „Das sieht sehr viel besser aus als alles, was wir bisher probiert haben“, sagt sie nach dem Probestrahl. Schutzbrille und Gehörschutz inklusive, arbeitet Jagusch mit viel Präzision – und punktet mit seiner sauberen Technik. Doch nicht jede Oberfläche ist für die Behandlung geeignet: Empfindliche Materialien können Schaden nehmen. Auch der Preis ist kein Schnäppchen. Rund 1.200 Euro berechnet der Dienstleister pro Einsatztag. Für das Haus von Zimmermann-Fabricius wird er drei benötigen – die Investition nimmt sie dennoch in Kauf. Denn eines steht für sie nach der Demonstration fest: Dieser Mann darf ran – der Auftrag ist erteilt.