Deutschlandweit sind sie nur zu ZWEITKilts nach schottischer Tradition – Kölner (59) schneidert Männerröcke in Maßarbeit
Karneval ist vorbei und trotzdem wehen in Köln Schottenröcke. Das Ganze hat nichts mit der fünften Jahreszeit zu tun, denn in der Domstadt gibt es einen Kilt-Schneider. Er ist einer von zwei offiziell anerkannten in Deutschland.
Handwerkskunst aus den Highlands – Made in Köln
Karomuster, schwere Wolle, exakt gelegte Falten: Was normalerweise in den schottischen Highlands zu Hause ist, entsteht seit 20 Jahren in der Domstadt. Carlo Jösch fertigt in Köln maßgeschneiderte Kilts – in reiner Handarbeit. Ursprünglich spezialisierte er sich auf klassische Damen- und Herrenoberbekleidung. Doch ein Kunde brachte ihn auf die Idee, selbst Kilts zu nähen. Weil er die Anfertigung zunächst nach Schottland geben musste, beschloss er, das traditionelle Handwerk selbst zu erlernen – aus Leidenschaft für Land und Kultur.
Ausbildung in Schottland – anerkannt von offizieller Seite
Seine Faszination für Schottland begann früh: Schon als Kind begeisterte ihn ein Buch über die Highlands, später lernte er sogar Dudelsack spielen. Nach einer Reise suchte er in Schottland gezielt nach einem Lehrmeister und wurde fündig. Ein pensionierter Kilt-Meister nahm ihn unter seine Fittiche und brachte ihm alle Kniffe bei. Nach seiner Ausbildung wurde Jösch in die Kilt Makers Association of Scotland aufgenommen – eine Vereinigung zur Bewahrung der traditionellen Handwerkskunst. Deutschlandweit gibt es nur zwei offiziell anerkannte Kilt-Macher.
Meterweise Stoff und eine Woche Arbeit
Sieben bis neun Meter Stoff verarbeitet der Schneider pro Rock. Es handelt sich um reine Schurwolle. Jede Falte wird exakt gelegt und mit Leinen verstärkt, damit sie dauerhaft ihre Form behält. Rund eine Woche dauert die Anfertigung – der Preis liegt bei etwa 2.200 Euro. Zu seinen Kunden zählt auch die Kölner Band Brings. Auch Steuerberater Paul Georg Fickus schwört auf das luftige Tragegefühl und hat im Büro sogar einen „Kilt-Mittwoch“ eingeführt. Die Reaktionen? Durchweg positiv. Der traditionelle Faltenrock ist eben längst nicht mehr nur in den Highlands zu Hause – sondern auch ein Stück gelebte Handwerkskunst aus Köln.

































