Schwimmbäder reagieren auf steigende RisikenKein Zutritt ohne Bronze! Neues Sicherheitskonzept im Freibad Verl
Wer in Verl (Kreis Gütersloh) ins Freibad möchte, braucht künftig mehr als nur Badehose und Handtuch. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen nur noch mit erwachsener Begleitung oder Bronze-Schwimmabzeichen ins Bad. Der Grund: immer mehr Nichtschwimmer – und die Sorge vor schweren Unfällen.
Sicherheit statt Risiko
„Safety first“ lautet ab sofort das Motto im Freibad in Verl (Kreis Gütersloh). Die neue Regelung soll vor allem verhindern, dass Nichtschwimmer in überfüllten Becken übersehen werden. Gerade an heißen Sommertagen stoßen selbst erfahrene Bademeister schnell an ihre Grenzen. „Da kann gar kein Bademeister den Überblick behalten“, sagt ein Stammgast. Viele Besucher begrüßen deshalb die strengeren Regeln. Vorangetrieben hat die Maßnahme Schwimmmeister Björn Jann. Für ihn steht fest: Schwimmen zu können ist keine Nebensache. „Wenn ich kein Fußball spielen kann, ist das nicht schlimm“, sagt er. „Aber wenn ich nicht schwimmen kann, dann bin ich nicht am Verlieren – dann bin ich am Ertrinken.“ Gerade in vollen Freibädern könnten Kinder ohne ausreichende Schwimmkenntnisse schnell in Gefahr geraten.
Immer weniger Kinder können sicher schwimmen
Die Zahlen bestätigen die Sorge: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kann inzwischen jedes fünfte Grundschulkind in Deutschland nicht schwimmen. Seit 2017 hat sich die Zahl verdoppelt. Noch alarmierender: Fast 60 Prozent der Kinder gelten nach der Grundschule nicht als sichere Schwimmer. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Es fehlt an Wasserflächen und an Schwimmausbildern“, erklärt Holger Boshammer von der DLRG Nordrhein. Viele Trainer arbeiten ehrenamtlich und können Kurse nur neben dem Beruf anbieten. Dazu kommen geschlossene Schwimmbäder und lange Wartelisten für Schwimmkurse. Eine Entwicklung, die inzwischen auch viele Freibäder zum Handeln zwingt.
Schwimmabzeichen direkt vor Ort
In Verl soll trotzdem niemand ausgeschlossen werden. Kinder ohne Bronze-Abzeichen können die Prüfung direkt im Freibad ablegen – inzwischen sogar kostenlos. Die Anforderungen seien überschaubar, sagt Schwimmmeister Björn Jann. Vier Bahnen schwimmen, davon eine in Rückenlage, ein Sprung vom Ein-Meter-Brett und ein Gegenstand aus dem Wasser holen. „Das Schwierigste sind meistens die Baderegeln“, sagt er lachend.
Weitere Freibäder ziehen nach
Verl ist mit den neuen Regeln nicht allein. Auch andere Freibäder in NRW verschärfen ihre Sicherheitsvorgaben. In Hagen dürfen Kinder unter 14 Jahren nach zwei tödlichen Unglücken nur noch mit Begleitung oder Schwimmnachweis ins Bad. Ähnliche Regeln gelten inzwischen auch in Wachtberg-Berkum. Die Botschaft dahinter ist überall dieselbe: Sicherheit geht vor – besonders im Wasser.

































