Selbst hinter der Theke stehenGäste werden zu Barkeepern – Konzept gegen das Kneipensterben im Münsterland

Leere Innenstädte, verwaiste Theken und geschlossene Bars: In vielen Städten verschwinden Kneipen aus dem Stadtbild. Im Münsterland gibt es dafür jetzt ein ungewöhnliches Konzept. In Vreden (Kreis Borken) können Bürger selbst hinter die Theke treten – und ihre Bar eröffnen.

Zapfen für einen Abend

In Vreden übernehmen Gäste selbst die Rolle des Wirts. Kirill Nichajew ist 26 Jahre alt und steht am Dienstagabend (28.04.) hinter der Theke. Er zapft das Bier für Freunde, Bekannte und Gäste. Gemeinsam mit einem Freund hat er den Abend organisiert. Für die beiden ist es nicht das erste Mal: Schon zehn Mal haben sie den Job als Barkeeper übernommen.

Kneipensterben im ländlichen Raum

Besonders der direkte Kontakt und die lockere Stimmung machen für Kirill Nichajew den Reiz aus. Dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. In der Stadt mit rund 23.000 Einwohnern haben viele Kneipen in den vergangenen Jahren geschlossen. Auch die Bar, in der Kirill Nichajew hinter der Theke steht, stand zeitweise leer.

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YouBar: Digitale Kneipe für Kleinstädte

Die YouBar setzt auf ein neues Modell: Statt eines festen Wirts können Privatpersonen oder Vereine die Bar online buchen. Für einen Abend übernehmen sie den Betrieb selbst. Die Nutzung ist kostenlos, 15 Prozent der Netto-Einnahmen gehen an die Betreiber des Abends. Technik, Getränke und Organisation werden von einem Technologieunternehmen aus Ahaus gestellt. Dessen Ziel ist es, wieder mehr Leben in die Innenstädte zu bringen und Treffpunkte zu schaffen, sagt Dieter van Acken, Botschafter für Digitalisierung bei Tobit.Software.

Neues Kneipen-Konzept geht auf

Dass das funktioniert, zeigt sich am Dienstagabend: Mehr als 80 Gäste kommen zusammen und schauen gemeinsam das Champions-League-Halbfinale zwischen Paris und Bayern München. Für viele ist die Bar inzwischen so etwas wie eine neue Stammkneipe geworden. Auch für die Barkeeper lohnt sich der Einsatz: Neben dem Spaß bleibt am Ende des Abends auch ein kleiner Verdienst – und das Gefühl, Vreden ein Stück Kneipenkultur zurückgegeben zu haben.