Fackeln als stilles Zeichen der HoffnungFlutkatastrophe 2021 - Anwohner kommen beim Orbachleuchten zur Erinnerung zusammen

von Nele Tröger

Zahlreiche Fackeln haben am Sonntag (18.01.) das Bachbett des Orbach in Swisttal-Odendorf erleuchtet. Es war ein stilles Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts. Zum fünften Mal veranstaltete die Hochwasserhilfe der Johanniter das „Orbachleuchten“ in Odendorf. Wie jedes Jahr kamen viele Anwohner trotz klirrender Kälte zusammen, um gemeinsam Licht in die Dunkelheit zu bringen.

Ergreifende Momente für die Besucher vor Ort

„Für mich ist es sehr, sehr berührend“, erzählt eine Anwohnerin. „Es bringt Freude, dass man das so gemeinschaftlich geschaffen hat, denn damals war der Zusammenhalt sehr, sehr groß – das fand ich wunderschön.“ Auch andere beschreiben das Gefühl der Gemeinschaft und betonen, wie wichtig der Austausch sei: „Man spricht mit Leuten, die noch schlimmere Erfahrungen gemacht haben.“

Trümmerfeld in Odendorf

Die Flutkatastrophe, die vor viereinhalb Jahren das Swisttaler Tal verwüstete, hat viele Schäden hinterlassen. Das Bachbett, in dem sonst nur ein Rinnsal fließt, verwandelte sich binnen Stunden in einen reißenden Strom. „Wo wir uns gerade befinden, war das Wasser damals so hoch wie eine Laterne“, erinnert sich Erik Heneka, ehrenamtlicher Helfer bei den Johannitern. „Es hat nicht nur Wasser mitgeführt, sondern auch Unrat und Schlamm – am Ende war es ein einziges Trümmerfeld.“

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Professionelle Unterstützung für die Opfer

Auch Familie Cramer wurde von den Wassermassen überrascht. RTL WEST begleitete ihr Schicksal unmittelbar nach der Katastrophe. Der damals zehnjährige Luis erinnert sich: „Wir saßen von viertel vor neun abends bis ein Uhr nachts auf dem Schuppendach. Es war einfach nur schrecklich, sowas zu erleben. Ich hoffe, es kommt nie wieder.“ Seine Mutter Kirsten Cramer sagt: „Wir sind alle in Betreuung. Wir haben gesagt: Wir nehmen da alle was von mit – alleine schaffen wir das nicht.“ Bis heute spüren viele Menschen die seelischen Folgen. „Auch nach fünf Jahren sind die Begegnungen bei Beratungsterminen hochemotional“, berichtet Luisa Mertens, Leiterin der Hochwasserhilfe der Johanniter. „Nach dem Wiederaufbau merkt man erst, wie sehr auch die Seelen gelitten haben.“

Wiederaufbau immer noch nicht abgeschlossen

Die Stadt rechnet noch mit andauernden Wiederaufbauarbeiten bis 2031. Das Land Nordrhein-Westfalen hat dafür rund 12,3 Milliarden Euro zugesagt – doch die Umsetzung stockt. „Leider läuft es doch immer schleppender, als man es sich wünscht“, sagt Bürgermeister Tobias Leuning (SPD). Viele Betroffene klagen über komplizierte Antragsverfahren, ineffiziente Bürokratie und zögerliche Versicherungen. Im Sommer soll außerdem das Flussbett des Orbach umgestaltet werden – weshalb das diesjährige „Orbachleuchten“ wohl das letzte in dieser Form ist.