Neues Verfahren bei KniearthroseBonn: Kombination aus Kniedistraktion und Stammzelltherapie soll Arthrose-Patienten Jahre ohne Prothese schenken
In Bonn wird eine neuartige Kombinationstherapie gegen Kniearthrose erprobt. Statt direkt ein Kunstgelenk einzusetzen, setzt ein Orthopäde auf eine mechanische Entlastung des Knies und körpereigene Stammzellen – in der Hoffnung auf weniger Schmerzen und mehr Zeit bis zur Prothese.
Arthrose und das Prinzip der Kniedistraktion
Bei Arthrose nutzt sich der Knorpel im Kniegelenk nach und nach ab, bis im schlimmsten Fall Knochen auf Knochen reibt und es zu Schmerzen kommt. Lange galt zerstörter Knorpel als irreparabel. Die sogenannte Kniedistraktion will das Gegenteil beweisen: Über kleine Hautschnitte werden Schrauben in Ober- und Unterschenkel eingesetzt, an denen ein äußeres Gestänge befestigt wird. Das Gelenk wird mechanisch um insgesamt fünf Millimeter auseinandergezogen und etwa sechs Wochen lang in dieser Position fixiert. In dieser Zeit soll das Knie entlastet werden, sodass sich der Knorpel zumindest teilweise regenerieren kann.
Kombination mit Stammzellen – europaweit einmaliger Ansatz
In Bonn wird das Verfahren mit einer Stammzelltherapie kombiniert. Orthopäde Markus Klingenberg injiziert zusätzlich körpereigene Stammzellen in das geschädigte Gelenk. Er spricht von einem europaweit einmaligen Ansatz und erhofft sich mehrere Jahre Zeitgewinn bis zu einer möglichen Knieprothese, eine bessere Beweglichkeit und vor allem weniger Schmerzen. Das Interesse ist groß: Fachärzte aus dem Ausland reisen an, um sich das Verfahren anzusehen und zu prüfen, ob es sich auf ihre Patienten übertragen lässt.
Kritik und offene Fragen zur Wirksamkeit
Die Methode ist aber umstritten. Einige Fachgesellschaften empfehlen Stammzelltherapien am Knie nicht. Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass diese Form der Behandlung keinen Vorteil gegenüber herkömmlichen Kortison-Injektionen bietet. Klingenberg hält dagegen und verweist auf mehr als 1.700 eigene Stammzellbehandlungen, bei denen über zwei bis fünf Jahre hinweg deutlich weniger Schmerzen und eine bessere Funktion des Knies dokumentiert worden seien. Auch die Kniedistraktion selbst ist nicht ohne Risiko. Durch die Schrauben entstehen über mehrere Wochen kleine, offene Wunden, über die Bakterien eindringen können – es besteht Infektionsgefahr. Zudem benötigen viele Patienten später dennoch ein künstliches Kniegelenk.
Hohe Kosten
Wer sich in Bonn behandeln lassen möchte, muss die Kosten selbst tragen – zumindest als Patient in der gesetzlichen Krankenkasse. Rund 15.000 Euro werden fällig – eine Investition in die Hoffnung auf mehr Lebensqualität, ohne sofortige Prothese.


































