Verbindung zwischen Hamburg und HannoverSchneckentempo bis zum Jahr 2050? Diese ICE-Strecke wird neu gebaut

Viele Zugfahrende finden: Auf dieser Bahnstrecke in Norddeutschland läuft einiges schief!
Die Fahrten zwischen Hamburg und Hannover bedeuten für viele Menschen Stress: Chaos, Staus auf den Gleisen, Verspätungen ohne Ende. Während die Deutsche Bahn ihre neuen Streckenpläne vorstellt, stoßen Pendler, Städte und Bürgerinitiativen längst an ihre Grenzen.
Überlastet, unpünktlich, überfordert
Wer mit dem ICE von Hamburg nach Hannover fährt, hat selten das Gefühl, in einem Hochgeschwindigkeitszug zu sitzen. Die Strecke ist völlig überlastet. Wenn irgendwo ein kleiner Fehler passiert, stürzt das ganze System ins Chaos. Nur rund 60 bis 70 Prozent der Züge sind laut der Deutschen Bahn pünktlich. „Es fahren zu viele Züge auf der vorhandenen Infrastruktur. Die Auslastung ist nach Fahrplan Kapazitätsdaten bei über 140 Prozent, so dass wir kein qualitativ guten Verkehr mehr in den Abschnitten hinbekommen“, sagt auch Ute Plambeck, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn, im Gespräch mit RTL Nord. Die Überforderung der Schiene ist seit Jahren bekannt.
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Der ewige Streit um die neue Trasse
Schon 2015 startet Niedersachsens damaliger Verkehrsminister Olaf Lies das „Dialogforum Schiene Nord“, um endlich eine Lösung für das Problem mit der Strecke zu finden. Heraus kommt die sogenannte „Alpha-E-Variante“, ein Ausbau der bestehenden Strecke. Doch das Projekt ist schnell auf Eis gelegt. Externe Gutachter kommen zu dem Ergebnis: Die Lösung sei zu teuer und würde zu lange dauern.
Die Bahn entscheidet sich für einen kompletten Neubau, die sogenannte „pinke Variante“. Sie soll schneller fertig werden und weniger in die Natur eingreifen. Doch der Plan spaltet die Region: Die neue Trasse soll über dünn besiedeltes Gebiet führen, unter anderem durch Bergen, eine Stadt direkt neben einem Nato-Truppenübungsplatz.
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Leere Versprechungen?
In Bergen wächst der Widerstand gegen die Bahnpläne. „Dadurch würden de facto mindestens drei Dörfer bei uns erstmal abgeschnitten werden”, sagt Bergens Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller im Gespräch mit RTL Nord, und sorgt sich weiter: „Also das ist eine ganz große Herausforderung für die Menschen und die Lebensqualität hier vor Ort.”
Vorgesehen ist in der Region ein Überholbahnhof für Güterzüge. Zwar soll dort kein ICE halten, doch die Bahn plant trotzdem einen Haltepunkt für den Regionalverkehr, angeblich als Ausgleich für die neue Trasse. Das sorgt für Unmut bei Bürgerinitiativen wie dem Aktionsbündnis gegen Trassenbau. „Die DB hängt das quasi so als uns als Möhre vor die Nase und wir sollen da hinterherlaufen”.
Laut Bürgerinitiative erkläre das Land Niedersachsen jedoch regelmäßig, dass dort keine Regionalzüge fahren werden, weil nicht die Deutsche Bahn, sondern die Landesverkehrsgesellschaft Niedersachsen für den Regionalverkehr zuständig ist. Die Bürgerinitiative wirft der Deutschen Bahn leere Versprechungen vor.

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Baugenehmigung fehlt noch
Auch Ministerpräsident Olaf Lies ist nicht überzeugt von den Bahn-Plänen und wird im Interview mit RTL Nord deutlich: „Wir haben ja nicht in 30 Jahren ein Problem der Bahninfrastruktur. Wir haben es heute und deswegen muss es gelingen, dass man jetzt schon alle Möglichkeiten der Bestandsstrecke und auch der zusätzlichen Verbindungen nutzt.” Tatsächlich rechnet die Deutsche Bahn aktuell mit einer Inbetriebnahme zwischen 2045 und 2050.
Ohne eine Entscheidung des Bundestags sind der Deutschen Bahn die Hände gebunden, und eine endgültige Baugenehmigung ist weiterhin in weiter Ferne. Bis dahin heißt es: weiter Geduld haben. Und das nicht zu knapp.
Quellen: eigene RTL-Recherche




