Ein Meilenstein für die Früherkennung?Diese Entdeckung ist eine kleine Sensation – Bakterium im Mund kann Magenkrebs auslösen

von Anna Schröjahr und Anke Jonschker

Der unbekannte Helfer des Tumors.
Es ist der bekannteste Übeltäter bei der Entstehung von Magenkrebs: das stäbchenförmige Bakterium Helicobacter. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass es noch ein weiteres Bakterium gibt, das das Tumorwachstum im Magen beschleunigen kann. Diese Erkenntnis bietet aber auch eine große Chance.

Ein Mundbakterium begünstigt Tumorwachstum

Dass das Bakterium Helicobacter Magenkrebs erheblich begünstigen kann, weiß die Forschung schon länger. Kürzlich haben chinesische Forscher allerdings ein zweites Bakterium identifiziert, das die Bildung von Magenkrebs weiter stark beeinflusst. Das Bakterium Streptococcus anginosus lebt normalerweise harmlos in unserer Mundschleimhaut – kann aber das Tumorwachstum im Magen beschleunigen. Dies könnte einen Durchbruch bei der Früherkennung von Magenkrebs bedeuten, denn wird das Bakterium vermehrt nachgewiesen, ist die Chance auf die Krankheit erhöht.

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Helicobacter ist ein Bakterium, das bei etwa jedem zweiten Menschen im Magen nachgewiesen werden kann. Meist ist das kein Problem, doch siedelt es sich in der Magenschleimhaut an, kann das zu Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüren und Krebs führen. Die Übertragung des Bakteriums findet größtenteils schon in der Kindheit statt, beispielsweise wenn eine Mutter ihr Kind küsst. Nachgewiesen wird Helicobacter mit einem Stuhl-, Blut- oder Atemtest. Mit Antibiotika ist es gut behandelbar.

Früherkennung von Magenkrebs durch einfache Tests

Dr. Nicole Steenfatt ist Koloproktologin und Ernährungsmedizinerin. Die Koloproktologie untersucht den gesamten Darm auf Krankheiten. Sie rät dazu, sich bei Auffälligkeiten wie einer Magenschleimhautentzündung auf Helicobacter testen zu lassen. „Wenn man überlegt, dass fast jeder Zweite oder Dritte mit Helicobacter in der Kindheit infiziert worden ist und dass 20 bis 30 Prozent davon symptomatisch werden, dann sollte man auf jeden Fall daran denken, dass man vielleicht zu Hause mal einen Stuhltest macht.”

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Ein Gastroenterologe könne zudem mit einem Atemtest prüfen, ob Helicobacter sich vielleicht in der Magenschleimhaut eingenistet hat. Ist das der Fall, kann man eine zweiwöchige Eradikationstherapie beginnen. Das ist eine medikamentöse Behandlung zur vollständigen Beseitigung von Krankheitserregern. Ein paar Wochen später wird in einem zweiten Test überprüft, ob die Therapie erfolgreich war. Notfalls wird sie wiederholt.

Gerade wenn bereits Magenkrebs in der Familie vorgekommen ist, kann ein solcher Test möglicherweise sogar Leben retten.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche