Verdeckte ProstitutionSex in Massagestudios: RTL-Recherche deckt bundesweites Problem auf

Wer Wohnraum für gewerbliche Zwecke nutzen möchte, braucht zwingend vorher die Genehmigung der Baubehörde.
In etlichen Massage-Studios werden Chinesinnen als Sexarbeiterinnen beschäftigt (Symbolbild)
Christin Klose/dpa-tmn

Was als Massage beworben wird, entpuppt sich als illegales Angebot:
Eine RTL-Undercover-Recherche zeigt, wie in zahlreichen chinesischen Massagestudios offenbar sexuelle Dienstleistungen angeboten werden – mitten in deutschen Wohngebieten.

Verdeckte Prostitution in Massagestudios: Undercover-Recherche deckt bundesweite Zwangsprostitution auf

Unser Reporter Burkhard Kress vereinbart telefonisch einen Massage-Termin. Vor Ort wird schnell klar, worum es wirklich geht: „Eine Stunde 120 Euro. Da ist alles dabei“, heißt es im Studio – begleitet von eindeutigen Gesten. Für ihn ist klar: „Das ist ein Bordell.“

Acht Studios, ein Muster

Der Test ist kein Einzelfall. In insgesamt acht überprüften Massagestudios erhält unser Reporter ähnliche Angebote. Sein Fazit: „Was da unter dem Radar abläuft, ist viel schlimmer als man sich vorher ausgerechnet hat.“ Auch Behörden schlagen Alarm. In Wiesbaden wertet die kommunale Frauenbeauftragte seit 2023 gezielt einschlägige Internetforen aus, um Hinweise auf versteckte Prostitution zu sammeln. „Wir waren wirklich sehr überrascht“, sagt Manuela Schon. „Dass chinesische Frauen hier mittlerweile an vierter Stelle der Nationalitäten stehen, war uns vorher so nicht begegnet.“

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Zahlen steigen drastisch

Die Entwicklung ist kein lokales Phänomen. Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2024 insgesamt 55 chinesische Frauen als Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung identifiziert. 2020 waren es noch sechs Fälle – ein Anstieg um rund 800 Prozent. Immer häufiger geraten dabei Massagestudios ins Visier der Ermittler. Unter dem Deckmantel scheinbar legaler Angebote werden Frauen nach Deutschland gebracht und offenbar zur Prostitution gezwungen. So auch in einem aktuellen Fall vor dem Landgericht Wiesbaden: Drei Angeklagte wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, nachdem sie über ein Dutzend Frauen aus China angeworben und hier illegal beschäftigt hatten.

„Perfekte Tarnung“ mitten in Wohngebieten im Sperrbezirk

Expertinnen sehen in den Massagesalons eine besonders perfide Methode. „Es ist die absolut perfekte Tarnung“, erklärt Claudia Robbe von der Fachberatungsstelle FIZ. „Mitten im Sperrgebiet einen Massagesalon zu eröffnen – da vermutet zunächst niemand ein Bordell.“ Das hat Folgen – vor allem für die betroffenen Frauen. Ohne offizielle Registrierung entfallen wichtige Schutzmechanismen wie Gesundheitskontrollen oder behördliche Aufsicht. „Das macht die Situation für die Frauen besonders gefährlich“, so Robbe.

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Frauen in prekären Situationen

Viele der betroffenen Frauen stammen mutmaßlich aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen oder Gewaltkontexten in China. Die Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa wird von kriminellen Netzwerken ausgenutzt. Auf Nachfrage reagieren Betreiber und Mitarbeiterinnen oft ausweichend. Bei einer Konfrontation streitet eine Frau im Studio die Vorwürfe ab: „Ich arbeite Massage“, sagt sie. Für Burkhard Kress ist das wenig glaubwürdig: „Es ist ganz offensichtlich, dass das nicht stimmt.“

Große RTL EXTRA-Recherche

Die Undercover-Recherchen von „Extra“ liefen über mehrere Monate und führten die Reporter in verschiedene Städte. Neben den verdeckten Besuchen sprechen sie auch mit Anwohnern, die sich durch die Studios belastet fühlen, und verschaffen sich mit einer angeblich jobsuchenden Frau Zugang zu den Studios und bekommen Einblicke hinter die Kulissen.
Die vollständige Reportage sehen Sie Dienstagabend (5.5.) um 22:15 Uhr bei „Extra“ auf RTL.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche