Frau (61) stürzt in den Tod Wie kam es zum tödlichen Gondel-Unglück in der Schweiz? Jetzt spricht der Bergbahn-Chef

„So einen Fall hatten wir noch nie!“
Norbert Patt, CEO der Titlis Bergbahnen, erklärt im RTL-Interview, dass er sich gerade „völlig überfordert“ fühlt. Im Skigebiet Engelberg-Titlis in der Schweiz löst sich eine Gondel von der Seilbahn und stürzt in die Tiefe. Die Frau, die darin sitzt, stirbt bei dem Unfall.
Gondel löst sich von Seil und stürzt ab
„Wir haben ein Care-Team vor Ort“, erklärt der Bergbahnchef. Seine Mitarbeiter und die Helfer, die nach dem Unglück zuerst bei der Gondel waren, würden jetzt betreut. „Es ist ein Ereignis, das so nicht passieren darf. Eine Gondel darf nicht abstürzen“, erklärt er.
Aber genau das ist bei der Gondelbahn Titlis Xpress Engelberg-Stand passiert. Das Unglück geschah auf rund 2.000 Metern Höhe, kurz nach der Mittelstation. Die Kabine löste sich offenbar vom Seil und krachte in die Tiefe. Ein Video des Vorfalls zeigt, wie die Gondel einen schneebedeckten Hang herunterrutscht und sich mehrfach überschlägt.
Hat sich die Klemme der Gondel gelöst?
Die genaue Unglücksursache steht noch nicht fest. Die Ermittlungen dazu laufen noch. Die für Patt wahrscheinlichste Hypothese ist aber, dass sich die Klemme, mit der die Gondel am Seil befestigt war, gelöst haben könnte. Das könne laut dem Bergbahn-Chef passieren, wenn „sehr große Kräfte“ auf die Konstruktion wirken – also sowas wie starker Wind.
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Die Seilbahn sei so konstruiert, dass sich die Klemmen an den Gondeln öffnen und schließen müssen. Denn am Ein- und Ausstieg der Bahn werden die Kabinen vom Seil gelöst und verlangsamt. Dann würden sie wieder beschleunigt und an dem Seil aufgehängt, um den Berg hoch und wieder runter transportiert zu werden, so der CEO.
War der Wind an der Seilbahn zu stark?
Um die Sicherheit der Fahrgäste zu garantieren, verfügt der Titlis Xpress Engelberg-Stand über mehrere Messstationen entlang der Strecke, die die Windstärke messen. Die Mitarbeiter der Bahn müssten die Werte den ganzen Tag im Auge behalten und die Bahn gegebenenfalls abstellen, wenn der Wind zu stark wird. „Gestern wurde morgens entschieden, die Bahn in Betrieb zu nehmen“, erklärt Patt. Am Nachmittag waren die Gondelbahn und mehrere weitere laut Webseite des Skigebiets wegen starker Winde geschlossen. Mehr ist aktuell noch nicht klar.
Der Wetterdienst Meteoschweiz zeigte auf seiner Webseite für Engelberg Sonnenschein und Temperaturen von rund acht Grad am Mittag. Dazu gab es eine Windwarnung, mit „Windspitzen in exponierten Lagen oberhalb von 1.800 Metern“ von bis zu 130 Kilometern in der Stunde. Wie stark die Böen an der Seilbahn tatsächlich waren, muss noch geklärt werden.
Bahn soll „technisch einwandfrei” gewesen sein
Laut Patt war ist die Gondelbahn noch „relativ neu“. Sie sei 2014 und 2015 gebaut worden. „Die läuft sehr störungsarm, mit hoher Zuverlässigkeit“, so der Bergbahnchef. Die letzte große Wartung sei im Herbst gewesen. Es gebe aber an einzelnen Stellen tägliche Sicherheitschecks, so der Betreiber. „Von dem her müssen wir davon ausgehen, dass die Bahn in einem technisch einwandfreien Zustand betrieben worden ist“, erklärt der CEO.

Nach dem Unglück wurde die Seilbahn abgestellt und ist auch am Donnerstag (19. März) weiter außer Betrieb. Aktuell werde noch geprüft, ob es technische Schäden an der Anlage gibt. Die anderen Lifte im Skigebiet fahren aber inzwischen wieder normal. (mit dpa)
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, dpa


