Geburt auf Supermarkt-ParkplatzSie dachte, es wären Magenprobleme – plötzlich hält sie ihr Baby im Arm

Zwischen Zeitungsstapeln und Lieferwagen.
Als Michaela Weingand in der Nacht des 18. Juni mit ihrem Sprinter losfährt, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben innerhalb weniger Stunden komplett verändern wird. Die 40-Jährige aus Bad Bayersoien beliefert wie so oft Zusteller mit Zeitungen. Doch auf einem Netto-Parkplatz in Hohenpeißenberg wird aus einer gewöhnlichen Arbeitsschicht plötzlich der wohl außergewöhnlichste Moment ihres Lebens.
Das Wunder von Hohenpeißenberg
Schon seit Monaten hatte die vierfache Mutter immer wieder starke Bauchschmerzen. Sie suchte deshalb sogar einen Arzt auf. Doch der vermutete laut Weingand vor allem Stress als Ursache. Die selbstständige Spediteurin arbeitet gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, kümmert sich außerdem um rund 800 Hühner und springt wegen Personalmangels regelmäßig selbst bei den nächtlichen Zeitungstouren ein.

Auch an diesem warmen Juniabend fühlt sie sich unwohl. Trotzdem fährt sie gegen 23 Uhr wie gewohnt ins Druckzentrum nach Penzberg, lädt tausende Zeitungen ein und beginnt ihre Tour. Doch unterwegs werden die Schmerzen immer heftiger, berichten die tz und der Münchner Merkur.
Auf dem Netto-Parkplatz überschlagen sich die Ereignisse
Als sie gegen 1.15 Uhr den Netto-Parkplatz in Hohenpeißenberg erreicht, kann sie kaum noch stehen. Einige Zeitungsstapel hat sie bereits ausgeladen, dann geht nichts mehr. Sie ruft ihren Lebensgefährten an und bittet ihn, zu kommen. „Es musste ja jemand weitermachen“, erzählt sie später.
Sie lehnt sich zunächst auf die Motorhaube ihres Transporters. Erst in diesem Moment kommt ihr ein Gedanke. „Da dachte ich zum ersten Mal, es fühlt sich so ähnlich an wie bei der Geburt meines Sohnes“, erinnert sie sich. Acht Jahre zuvor war dieser ebenfalls überraschend zu Hause geboren worden.
„Ich habe mir die Hose bis zu den Knien heruntergezogen und dann war sie schon da“, schildert die 40-Jährige den unglaublichen Moment. Gegen 1.38 Uhr, bringt sie ihre Tochter auf dem Parkplatz zur Welt – und erfährt gleichzeitig, dass sie überhaupt schwanger gewesen ist.
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„Panik habe ich nicht verspürt“
Während andere in dieser Situation vermutlich die Nerven verloren hätten, bleibt Michaela erstaunlich ruhig. „Panik habe ich nicht verspürt. Dazu bin ich nicht der Typ. Es hilft ja nix“, sagt sie. Einer der anwesenden Zeitungsausträger alarmiert den Rettungsdienst, ein anderer übernimmt kurzerhand ihre Arbeit und verteilt die Zeitungen weiter.
Das Neugeborene schreit sofort. Die Mutter nimmt ihre Tochter, mit der sie noch über die Nabelschnur verbunden ist, in ihre Jacke, damit sie nicht auskühlt. Kurz darauf treffen zwei Rettungswagen – darunter einer mit Inkubator –, ein Notarzt und schließlich auch ihr Lebensgefährte ein. Doch lange bleibt auch der nicht. „Ich hab’ ihn gleich weitergeschickt. Jemand musste die Zeitungen nach Peiting bringen“, erzählt sie.
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Die Geschwister wählen den Namen
Im Krankenhaus in Garmisch untersuchen Ärzte das Mädchen gründlich. Die Kleine ist kerngesund, wiegt bei der Geburt 3.290 Gramm und misst 53 Zentimeter. Bereits am Nachmittag darf die Familie wieder nach Hause. Einen Namen hat das Baby zunächst noch nicht. Den bestimmen schließlich die drei Geschwister beim Frühstück. Sie entscheiden sich für Antonia. In Hohenpeißenberg ist die kleine Antonia inzwischen längst bekannt. Dort hat sie einen anderen Spitznamen: das „Netto-Baby“.
„Ich bin so froh, dass alles passt und alles dran ist“, sagt die Mutter erleichtert. Eigentlich sei ihre Familienplanung längst abgeschlossen gewesen. Trotzdem nimmt sie die überraschende Wendung gelassen. „Es ist so, wie es ist.“ Nach der ersten Sprachlosigkeit habe sie sich einfach gefreut.


