Neue UntersuchungOECD erwartet Milliardenkosten durch Long-Covid-Erkrankte

Mitarbeiter in Schutzkleidung stehen im Corona-Testzentrum auf dem Gelände des «Corona-Abstrichzentrum» der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) an einem Auto. Nach Angaben eines UMG-Sprechers steigt derzeit wieder die Zahl der Mitarbeiter, die wegen Corona-Quarantäne ihrer Kinder ausfallen.
Mitarbeiter in Schutzkleidung auf einem Corona-Testzentrum in Greifswald während der Pandemie im Januar 2022.
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Die Langzeitfolgen von Corona verursachen enorme volkswirtschaftliche Schäden, warnt eine OECD-Untersuchung. Nur wenige Länder hätten bislang eine Long-Covid-Strategie. Vorreiter seien Deutschland und die Niederlande.

Die Industriestaatenorganisation OECD fordert eine bessere Behandlung und die stärkere berufliche Wiedereingliederung von Long-Covid-Patienten. Das könne auch die hohen Kosten durch die Langzeiterkrankung senken. Diese könnten von 2025 bis 2035 den Umfang von 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen, wie eine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergab. Für die Wirtschaft in den OECD-Ländern könne dies eine Belastung von bis zu 115 Milliarden Euro jährlich bedeuten, was dem Jahresgesundheitsbudget der Niederlande oder Spaniens entspreche.

Allein die direkten Gesundheitskosten für die Bewältigung von Long Covid dürften bis 2035 bei jährlich rund 9,4 Milliarden Euro liegen. Da Betroffene das Risiko hätten, chronische Folgeerkrankungen zu entwickeln, könnte das die Kosten für die Gesundheitssysteme in den kommenden Jahren weiter in die Höhe treiben. Weitaus höher aber fielen die indirekten wirtschaftlichen Kosten aus, die sich durch krankheitsbedingte Fehlzeiten und das verfrühte Ausscheiden aus dem Berufsleben ergeben.

Von entscheidender Bedeutung sei es, die Diagnose, die Behandlung und die Organisation der Gesundheitsversorgung für Patienten mit Long Covid zu stärken, betonte die OECD. Klinische Leitlinien, die die Erwartungen und Lebenserfahrungen der Patienten widerspiegelten, hätten einen entscheidenden Einfluss auf deren Leben und Zukunftsaussichten. Priorität habe auch die Fortbildung des medizinischen Fachpersonals.

Nur wenige Länder hätten bislang eine Long-Covid-Strategie oder einen entsprechenden Plan verabschiedet. Am weitesten fortgeschritten seien die nationalen Initiativen in Deutschland und den Niederlanden, hob die OECD hervor. Laut der Untersuchung wird damit gerechnet, dass in den nächsten Jahren rund ein Prozent der Bevölkerung von Long Covid betroffen sein wird.

Unter Long Covid versteht man teils schwere Beschwerden wie Erschöpfung und Atemnot, die nach einer akuten Krankheitsphase von vier Wochen fortbestehen oder neu auftreten. Die ersten Corona-Infektionen wurden Ende 2019 im chinesischen Wuhan registriert. Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Situation offiziell zur Pandemie.

Verwendete Quellen: bho/dpa