Arbeitszeit-Streit eskaliert„Frechheit!” Friedrich Merz‘ Plan zu Acht-Stunden-Tag erzürnt Juso-Chef

ARCHIV - 28.11.2025, Baden-Württemberg, Mannheim: Der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten (Jusos), Philipp Türmer, spricht zur Begrüßung der Delegierten beim Bundeskongress in Mannheim. (zu dpa: «Juso-Chef fordert Merz zu Übergewinnsteuer auf») Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
"Wir dürfen Arbeitnehmer nicht der Willkür ihrer Chefs ausliefern", sagt Türmer.
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Der Acht-Stunden-Tag soll bald Geschichte sein, im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD stattdessen auf eine Wochenarbeitszeit verständigt. Juso-Chef Philipp Türmer stemmt sich dagegen. Und auch Ministerin Bas distanziert sich von den Plänen.

Juso-Chef Philipp Türmer wirft Bundeskanzler Friedrich Merz vor, mit der geplanten Einführung einer Wochenarbeitszeit die Bedürfnisse von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu missachten. „Den Acht-Stunden-Tag zu schleifen, ist kein Aufbruchssignal, das ist eine Frechheit“, sagte Türmer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Wir reden von Menschen, die nach Doppelschichten kaum noch schlafen, die nach Jahrzehnten körperlicher Arbeit mit kaputtem Rücken in Rente gehen, die den ganzen Tag für andere da sind“, sagte Türmer weiter. „Wir dürfen Arbeitnehmer nicht der Willkür ihrer Chefs ausliefern. Die Höchstarbeitszeit schützt Menschen davor, mit 50 arbeitsunfähig zu werden, weil sie ausgebrannt sind oder ihre Gelenke kaputt sind.“

Merz solle selbst mehr arbeiten, findet Türmer. „Angesichts der handwerklichen Fehler, die sich seine Regierung tagtäglich leistet, sollte er diesen Anspruch zuallererst an sich selbst richten“, so der Juso-Chef.

Union und SPD wollen nach den bisherigen Plänen statt des üblichen Acht-Stunden-Tags einen wöchentlichen Rahmen für die Arbeitszeit einführen. „Zur konkreten Ausgestaltung werden wir einen Dialog mit den Sozialpartnern durchführen“, heißt es im Koalitionsvertrag. Der Acht-Stunden-Tag gilt seit 1918 in Deutschland. Im Arbeitszeitgesetz heißt es heute: „Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten.“ Nur in Ausnahmen sind zehn Stunden pro Tag möglich.

Arbeitsministerin Bärbel Bas hatte sich aber am Dienstag von der geplanten Abschaffung des Acht-Stunden-Tags distanziert. „Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag“, sagte Bas, die auch SPD-Chefin ist. Auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes rief sie dazu auf, gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften eine Lösung zu finden. DGB-Chefin Yasmin Fahimi hatte Merz auf dem Kongress auf die Wahrnehmung vieler Arbeitnehmer hingewiesen, dass hinter den Reformen am Ende des Tags Einschnitte und Kürzungen stehen würden, „die aus unserer Sicht einseitige Belastung und Abbau von Schutzrechten bedeuten“.

Verwendete Quellen: ino/dpa