Plus 11 Prozent am MarktEasyjet-Aktie explodiert! Übernimmt jetzt ein US-Investor den Billigflieger?

Mailand Italien 15 Februar 2018: Ein Airbus A320 der EasyJet mit dem Kennzeichen G EZTA auf dem Flughafen Mailand Malpensa (MXP) in Italien
Es ist nicht das erste Mal, dass über ein Kaufgebot für Easyjet spekuliert wird.
picture alliance / CHROMORANGE / Markus Mainka

Der US-Finanzinvestor Castlelake zeigt Interesse am britischen Billigfluganbieter Easyjet. Das löst am Aktienmarkt einen deutlichen Aufschwung aus. Den Betrieb der Airline innerhalb der EU könnte die Übernahme allerdings erschweren.

Der britische Billigflieger Easyjet steht möglicherweise vor einer Übernahme durch die US-Investmentgesellschaft Castlelake. Sie bestätigte bereits am Freitag, dass sie über ein Kaufgebot nachdenke. Easyjet pochte daraufhin auf möglichst gute Konditionen für die eigenen Aktionäre. Die Reaktion der Börse fiel deutlich aus: In London stieg der Kurs der Easyjet-Aktie zeitweise um elf Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang März. Experten sehen in den Eigentumsregeln für Airlines mit Flugbetrieb in der EU aber eine große Hürde für einen solchen Deal.

Über die Übernahmegedanken von Castlelake hatte die britische Webseite „Betaville“ berichtet. Castlelake betonte später, es gebe keine Gewissheit, dass es ein Gebot geben werde. Die Überlegungen befänden sich noch in einem frühen Stadium. Man habe noch nicht mit dem Verwaltungsrat gesprochen.

Von Castlelake hieß es zudem, man würde die britische Billigfluggesellschaft in einem möglichen Übernahmeangebot mit mindestens 3,06 Milliarden Pfund (4,16 Milliarden Euro) bewerten. Jeder Vorschlag, der womöglich unterbreitet würde, läge nicht unter 403,23 Pence (rund 4,66 Euro) je Easyjet-Aktie, hieß es. Ein solcher Preis entspräche einem Aufschlag von 1,3 Prozent auf den Easyjet-Schlusskurs vom Freitag von 398 Pence (4,59 Euro). Derzeit hält die in Minneapolis ansässige Gesellschaft 2,14 Prozent an Easyjet.

Es ist nicht das erste Mal, dass Easyjet in den Fokus gerät. Zuletzt war im Oktober 2025 über ein Übernahmeangebot der schweizerischen Großreederei MSC für Easyjet spekuliert worden. Letztlich kam es aber zu keiner Offerte für die britische Konkurrentin von Europas größtem Billigflieger Ryanair.

Grenzüberschreitende Übernahmen im Airline-Sektor sind wegen rechtlicher Hürden schwierig. Start-, Lande- und Überflugrechte sind in der Regel daran gebunden, aus welchen Ländern die Eigentümer der Fluggesellschaft stammen und wer die Kontrolle über das Unternehmen ausübt. Innerhalb der EU und seit dem Brexit auch innerhalb der EU und Großbritanniens sind die Regeln zwar lockerer. Doch bei einer Übernahme durch einen US-Investor könnte Easyjet wichtige Rechte für den Betrieb innerhalb der EU verlieren.

„Airlines müssen mehrheitlich im Besitz und unter der Kontrolle von EU-Bürgern sein, um die Betriebslizenz in der Region zu erhalten“, schreibt Analyst Harry Gowers von der US-Bank JPMorgan. „Eine nicht aus der EU kontrollierte Firma wie Castlelake kann daher theoretisch keinen Mehrheitsanteil an Easyjet übernehmen und zugleich die Rechte für Flüge innerhalb der EU behalten.“ Allerdings seien alternative Strukturen für einen Deal denkbar. Zudem halte Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou etwa 15 Prozent der Easyjet-Aktien und erhalte jährlich Lizenzzahlungen für die Markenrechte.

Derzeit belasten die Unsicherheit durch den Iran-Krieg und die extrem gestiegenen Kerosinpreise Fluggesellschaften. Im April gab Easyjet deshalb eine Gewinnwarnung ab. Auch bei den Quartalszahlen im Mai wagte Unternehmenschef Kenton Jarvis keine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Für das wichtige Sommerquartal von Juli bis September seien erst 40 Prozent der Tickets verkauft und damit drei Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr, hieß es zur Begründung. Die Last-Minute-Buchungen seien jedoch weiterhin stark. Das Management hat den Preis für die billigsten Tickets erhöht und setzt bei den hauseigenen Kosten den Rotstift an.

Im gewöhnlich reiseschwachen ersten Geschäftshalbjahr bis Ende März hatte Easyjet den Umsatz zwar um zwölf Prozent auf 3,95 Milliarden britische Pfund (rund 4,56 Milliarden Euro) gesteigert. Wegen deutlich höherer Betriebskosten wuchs der saisontypische Winterverlust vor Steuern aber um 40 Prozent auf 552 Millionen Pfund. Unter dem Strich schwoll der Fehlbetrag von 297 Millionen auf 377 Millionen Pfund an.

Verwendete Quellen: nbr/dpa/dj