„Verstörendes Signal” Clan-Chef feiert bei den Linken in Berlin

Issa Remmo (R), chief of the Remmo-Clan, arrives for the funeral of his mother at the Zwoelf-Apostel-Friedhof cemetery in Berlin's Schoeneberg district, on April 27, 2020, as access to funerals is limited due to the novel coronavirus. The Remmo-Clan (also known as Rammo-Clan) is a family of Arab origin notorious for ties to organised crime. The mother of Issa Remmo, chief of the clan, died on April 23, 2020 in a Berlin hospital. Hundreds of mourning family and clan members were expectd for the funeral, although only 20 persons are allowed to attend funerals in the German capital in a social distancing measure to limit the spread of the novel coronavirus. (Photo by Odd ANDERSEN / AFP)
Issa Remmo gilt als Chef des Remmo-Clans.
AFP / ODD ANDERSEN

Mit diesem Besucher hatte wohl niemand gerechnet.
Clan-Chef Issa Remmo ist am Sonntagabend bei einer Wahlparty der Linken in Berlin gesichtet worden. Die Partei geht auf Distanz - doch der Wirbel ist groß.

Linke reagiert nach Besuch von Clan-Chef

Die Linke in Berlin-Neukölln geht am Abend auf Distanz: „Es handelte sich um eine öffentliche Veranstaltung, zu der auch ungeladene Personen Zutritt hatten”, teilte Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand der Neuköllner Linke auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. „Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, sie steht nicht auf unserer Anmeldeliste. Es gibt weder politische noch persönliche Beziehungen zu dieser Person.” Der Besuch der Wahlparty habe daran „selbstverständlich nichts geändert”.

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Nach Informationen von RTL und ntv beabsichtigte Remmo auch, die Wahlparty der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp in Kreuzberg zu besuchen, wurde aber laut Aussage eines Augenzeugen am Eingang abgewiesen.

Die Berliner Linke, insbesondere ihr Neuköllner Kreisverband, stand im Wahlkampf wegen antiisraelischer und als antisemitisch kritisierter Äußerungen und Aktionen in der Kritik. Remmo wies am Rande der Veranstaltung in Neukölln Vorwürfe zurück, Teile der Berliner Linken seien antisemitisch. „Die Berliner Linke ist Juden gegenüber nicht feindlich eingestellt“, sagte er der Berliner Morgenpost. Er fühle sich nach eigenen Angaben in Deutschland erstmals von einer Partei unterstützt. „Ich würde keinen judenfeindlichen Politiker wählen“, fügte er hinzu.

Kai Wegner: „Verstörendes Signal”

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner schrieb bei X: „Dass Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken auftaucht, ist ein verstörendes Signal. Gerade eine Partei, die Verantwortung für unsere Stadt übernehmen will, muss unmissverständlich deutlich machen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen geben darf, die zur organisierten Kriminalität gehören.”

Die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr zeigte sich extrem irritiert von dem Vorfall. „Das wird die Linke klären müssen, was da passiert ist, warum das passiert ist”, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie erwarte, dass der Linken-Landesverband mit den Akteuren in Neukölln spreche - sowohl mit Blick auf diesen Vorfall, als auch mit Blick auf die Antisemitismus-Debatte der vergangenen Wochen. „Da ist ganz klar, dass es hier eine Klarheit geben muss, bevor eine Regierungsbildung kommt”, sagte Stahr.

Verwendete Quelle: dpa, eigene Recherche