152 Behälter auf riskanter ReiseMega-Konvoi rollt Atommüll durch NRW – und erreicht Ziel!

Wohin mit dem Atommüll aus dem Forschungsreaktor Jülich? Solange die Frage nicht endgültig entschieden ist, wird der radioaktive Abfall ins Zwischenlager Ahaus verfrachtet. Der erste von 152 Castoren ist in der Nacht dort angekommen, flankiert von einem großen Polizeiaufgebot.
Der umstrittene Transport von Atommüll durch Nordrhein-Westfalen hat begonnen. Rund vier Stunden nach dem Start im rheinischen Jülich erreichte der erste Konvoi mit einem Castor-Behälter gegen 2.00 Uhr das Zwischenlager in Ahaus im Münsterland. Insgesamt sollen 152 Castor-Behälter verlagert werden. Einem Sprecher des Innenministeriums zufolge bestand der Konvoi aus etwa 100 Fahrzeugen, auch ein Hubschrauber war bei der Aktion im Einsatz.
Bei dem Großeinsatz waren etwa 2400 Polizeibeamte eingebunden - teils im Konvoi auf der Strecke, ein Großteil der Beamten wurde aber am Start und am Ziel eingesetzt. Die genaue Route auf der etwa 170 Kilometer langen Strecke hatten die Behörden zuvor nicht bekanntgegeben. Nach Angaben eines dpa-Reporters rollte der Konvoi über die A44, anschließend ging es weiter über die A57 und A42. Schließlich gelangte er von der A2/A3 und über die A31 zum Ziel. Einem Polizeisprecher zufolge blieb der Transport „voll im Zeitplan“ und war sogar etwas schneller unterwegs als ursprünglich geplant.
Münsters Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf dankte den Einsatzkräften, aber auch den friedlichen Demonstranten. Es sei ein gutes Zeichen für das Einsatzkonzept, „dass der erste Transport sicher sein Ziel erreicht hat“, erklärte Dorndorf. Die Transporte stellten für die Polizei einen „Marathon“ dar.
Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen hatten ab dem Dienstagabend gegen die geplanten Castor-Transporte durch NRW protestiert. In Jülich fand eine Mahnwache vor dem Forschungszentrum statt. Nach Angaben eines Reporters waren etwa 20 Teilnehmer vor Ort. „Es wären sicherlich mehr Leute gekommen, aber viele kommen wegen der Polizeisperren nicht durch“, sagte Marita Boslar, Sprecherin des Aktionsbündnisses „Stop Westcastor“.
In Ahaus startete zeitgleich eine Demonstration vom Bahnhof zum Rathaus. Dort fand eine Kundgebung statt. Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland sprach von etwa 250 Teilnehmern. Zudem riefen Atomkraftgegner der Bürgerinitiative Ahaus zu einer Mahnwache vor dem Zwischenlager auf. In Duisburg versammelten sich am Abend an einer Auffahrt zur A42 Dutzende Menschen, wie ein dpa-Reporter berichtet. Zu der Aktion hatte die Umweltorganisation BUND aufgerufen. Verzögert wurde der Transport durch die Mahnwachen aber nicht.
Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke sollen insgesamt rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich transportiert werden. Das Verlagern des Atommülls in NRW wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Mit 152 Castor-Behältern handelt es sich um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten.
Dem nun angelaufenen Transport waren mehrere Gerichtsentscheidungen und eine Infoveranstaltung für die Bürger in Ahaus vorausgegangen. Anfang März entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einer Eilentscheidung, dass die Transporte stattfinden dürfen. Die Umweltorganisation BUND hatte den Transport auf dem Gerichtsweg verhindern wollen. Die Begründung: Die Sicherheit der Castoren sei bei der Fahrt über die Straßen in Nordrhein-Westfalen gegen Störmaßnahmen Dritter nicht gewährleistet.
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hatte die umstrittenen Atommülltransporte durch NRW am 25. August 2025 genehmigt. Nach früheren Angaben des Bundesamtes wurden 152 Einzeltransporte beantragt, die aber gebündelt werden könnten. Es gibt demnach vier geeignete Transportfahrzeuge, die je einen Behälter auf einmal transportieren könnten.
Für die Lagerung in Jülich lief die letzte Betriebsgenehmigung bereits im Jahr 2013 aus. Das NRW-Wirtschaftsministerium hatte 2014 angeordnet, das Lager in Jülich zu räumen, weil die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Jahrelang wurden mehrere Optionen geprüft.
Aus Sicht des Landes wäre ein Neubau in Jülich die beste Lösung gewesen. Das sei von der Bundesebene nicht unterstützt worden, erklärte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur von den Grünen. Anwohner und Aktivisten stemmen sich seit langem gegen Atommülltransporte nach Ahaus.
Kritik kam auch aus den Reihen der Polizei. Als „sinnlose Mammutaufgabe“ hatte der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Patrick Schlüter, im August 2025 die Transporte mit Begleitschutz kritisiert. Die Politik drücke sich um die Endlagerfrage und lasse Atommüll von einem Zwischenlager ins nächste fahren.
Es gibt in Deutschland derzeit noch keine Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager, darunter das in Ahaus.
Verwendete Quellen: ino/dpa


