DDR-Legende im RampenlichtDie DDR-Barbie wird 60! Steffi lässt heute noch Herzen höherschlagen

Die Puppe Steffi ist als Exemplar mit blonden Haaren und buntem Overall im Deutschen Spielzeugmuseum zu sehen. Die Puppe gilt als DDR-Pendant zur Barbie und wurde ab 1966 produziert. (zu dpa: «Modepuppe Steffi: Die Barbie des Sozialismus wird 60») +++ dpa-Bildfunk +++
Die Puppe Steffi ist als Exemplar mit blonden Haaren und buntem Overall im Deutschen Spielzeugmuseum zu sehen.
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Ende der 50er-Jahre erblickt in den USA Barbie das Licht der Welt und etabliert sich schnell als Spielzeug für Kinder. In der DDR entwickelt man daran anknüpfend ein ganz eigenes Produkt: die „Barbie des Sozialismus“.

Die T30 hatte einen schlank geformten Kunststoffkörper, einen kühl wirkenden Blick und einen Schopf aus synthetischem Haar - und sie lässt heute noch manche Herzen höher schlagen. Die 30 Zentimeter große Modepuppe für Teenager (T), die den Namen Steffi trägt, war die Antwort der DDR auf Barbie aus den USA und auf die westdeutsche Petra.

60 Jahre nach dem Produktionsstart ist die mitunter als „Barbie des Sozialismus“ bezeichnete Steffi - im Gegensatz zur allgegenwärtigen Kinderzimmer-Ikone des US-Spielzeugriesen Mattel - längst nicht mehr im Spielwarenregal zu finden. Stattdessen lebt sie in Museen, Kindheitserinnerungen, auf Online-Marktplätzen und in Privatsammlungen.

Wie Barbie-Erfinderin Ruth Handler soll auch Steffi-Entwicklerin Margot Schmied die Puppe nach ihrer Tochter benannt haben. Das ergaben Archivrecherchen eines Mitarbeiters des Heimatmuseums in Schloss Tenneberg in Waltershausen. Die Kleinstadt am Thüringer Wald war lange Zentrum der Puppenproduktion - und Steffi wurde dort seit 1966 produziert.

Barbie war 1959 auf einer Spielzeugmesse in den USA erstmals der Welt präsentiert worden - von der deutschen Puppe namens Bild-Lilli inspiriert, die auf einem sexualisierten Comic in der Boulevardzeitung basierte.

Manchem erscheint Steffis Körper plumper oder kräftiger als der von Barbie. Auch ihre hohe Stirn erscheint aus heutiger Sicht ungewöhnlich. Andere sehen den Körper einer erwachsenen Frau zumindest etwas realitätsnäher wiedergegeben. Zugleich stellt sich die Frage: War eine Wespentaille, kombiniert mit großem Busen und langen Beinen, auch ein sozialistisches Ideal?

„Reifer und damenhafter“ als die Barbie wirkten die Steffi-Modelle, schreibt das Deutsche Patent- und Markenamt in einem Vergleich der beiden Modepuppen. „Ihr Make-up ist Ausdruck der Zeit: In den Sechzigern, da war der Eyeliner dick aufgetragen, der Lidschatten war grünblau, türkis. Dadurch wirkte die Steffi deutlich strenger, aber das war die Mode“, beschreibt Bettina Dorfmann die typische Gesichtsbemalung der Puppe.

Dorfmann gilt als Puppen-Sachverständige, sie hat eine große Barbie-Sammlung. Auch etliche Steffi-Exemplare nennt sie ihr Eigen. Sie sagt auch: Während Barbie schnell ein moderneres, jugendlicheres Gesicht erhielt, blieb Steffis Antlitz gleich. Neben der Schminke mit schwarzem Lidstrich und grell leuchtend blauem Lidschatten gehörte zu Steffi eine meist üppige Föhnfrisur aus Kunsthaar. Dessen Qualität lässt Dorfmann schwärmen: „Das war sehr schönes Material, das nicht so schnell verfilzte.“

Hergestellt wurde Steffi im Volkseigenen Betrieb (VEB) Puppenfabrik Biggi in Waltershausen: Historische Fotos zeigen Frauen, wie sie in der Fabrik am Fließband die Puppenteile montieren. Schon als die DDR-Wirtschaft zusammenbrach, gab es laut der Stadt Waltershausen im Puppenwerk zwei große Entlassungswellen, die Wende verbesserte die Situation nicht. Noch heute zeugt das Heimatmuseum im Schloss Tenneberg von der langen Puppen-Tradition der Kleinstadt. Auch einige Steffis gehören dort und auch im Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg in Südthüringen zur Sammlung.

Verwendete Quellen: Marie Frech, dpa