Invasion auf vier PfotenWaschbären-Alarm in Deutschland ‒ was wir gegen die Plage tun können

von Nina Wuttke und Theresa Maas

Sie kommen in der Nacht!
Waschbären breiten sich in Deutschland immer mehr aus. In einigen Städten wie Kassel haben sie sich bereits zu einer Plage entwickelt und Millionenschäden verursacht. Denn der Waschbär wird immer mehr zum Problembär. Gefühlt nichts hilft gegen die Invasion auf vier Pfoten. Wir haben Waschbärenjäger bei ihrer Arbeit begleitet ‒ eine Geschichte über ungebetene Untermieter und verzweifelte Anwohner!

Waschbären richten Schäden an und stören Nachtruhe

Dunkle Knopfaugen, eine schwarze Zorro-Maske, graues Fell – viele Menschen empfinden Waschbären als putzige Zeitgenossen. Aber: Sie verwüsten Häuser, wühlen in Mülltonnen und schleppen Ungeziefer ins Haus. Und sie stören vielerorts die Nachtruhe. So wie bei Monika Hoth. Endlich wieder in Ruhe durchschlafen können, ist aktuell ihr größter Wunsch. Die Rentnerin lebt in Berlin-Wannsee eigentlich ein idyllisches, ruhiges Fleckchen Erde wenn da nicht die Waschbären wären. „Ich werde dreimal in der Nacht mitten aus dem Tiefschlaf gerissen. Ich bin am Limit”, erzählt uns die 73-Jährige, als wir sie zu Hause besuchen. Seit Sommer 2025 sorgen die nachtaktiven Mitbewohner im Haus von Monika Hoth für Aufruhr.

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Die Waschbären haben sich ausgerechnet im Dachstuhl direkt über ihrem Schlafzimmer eingenistet. „Das heißt 30 Zentimeter von meinem Kopf entfernt – sodass ich die Geräusche hautnah erleben muss“, klagt die Berlinerin. Sie wisse nicht, wie viele Tiere insgesamt für die nächtliche Ruhestörung hinter der Wand sorgen. Im schlimmsten Fall handele es sich um ein ganzes Nest. Und auch vor dem Balkon von Monika Hoth machen die Tiere nicht halt. Videos und Fotos dokumentieren, wie sie hier immer wieder die Blumen der Seniorin zerpflückt haben. Ein Netz vor dem Balkon soll sie jetzt davon abhalten.

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Mithilfe einer Waschbär-Beraterin hat Monika Hoth mittlerweile herausgefunden, dass es sich tatsächlich um ein Muttertier handelt, das auf ihrem Dachboden sein Unwesen treibt. Laut der Expertin sei es also sehr wahrscheinlich, dass dort auch ein Nest mit Waschbär-Babys existiere. Bis die Waschbären-Familie verschwunden sei, könnte es zwei bis sechs Monate dauern. „Wenn man rechtzeitig eingegriffen hätte, dann hätte ich jetzt nicht die Jungtiere im Dach und dann hätte jetzt Ruhe. Aber jetzt ist mir definitiv für die nächsten Monate die Nachtruhe genommen”, sagt Monika Hoth. Sie hofft, dass die Hausverwaltung einen professionellen Waschbär-Schutz am Haus anbringen lässt, damit bald wieder nächtlicher Frieden herrscht.

Zwei Millionen Waschbären in Deutschland

Doch nicht nur in Berlin – auch in anderen Städten sind Waschbären auf dem Vormarsch. Schätzungen zufolge leben mittlerweile bis zu zwei Millionen von ihnen in Deutschland. Waschbären kamen in den 1920er Jahren aus Nordamerika nach Deutschland, primär für die Pelzzucht und als exotische Jagdbeute. Die gezielte Aussetzung von zwei Paaren am Edersee (Hessen) im Jahr 1934, genehmigt durch Hermann Görings Jagdbehörde, gilt als der Hauptursprung.

Zudem entkamen Tiere aus Pelzfarmen und Gehegen, was ihre Ausbreitung als invasive Art in Deutschland begünstigte. Das Problem: Waschbären haben keine natürlichen Feinde. Zwar können der Luchs oder in seltenen Fällen Wolf, Uhu und Fuchs jungen Waschbären gefährlich werden, doch es fehlt ein effektiver Gegenspieler.

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Die Waschbären-Hauptstadt ist Kassel. Hier leben 100 Waschbären auf 100 Hektar – 25-mal mehr als anderswo in Europa. Deswegen ist der selbstständige Waschbär-Jäger Alexander Knauf mittlerweile im Dauereinsatz. Er holt die Tiere zunächst mit Lebendfallen aus den Häusern und erlegt sie danach. Dass Waschbären entnommen werden, ist in ganz Deutschland erlaubt. Allerdings ist es Privatpersonen verboten, gefangene Waschbären selbst zu töten; dies ist ausschließlich Jägern mit Jagdschein gestattet.

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Das Wichtigste sei, sofort zu handeln, sagt Waschbär-Jäger Knauf. Je mehr Zeit die Waschbären bekommen, desto schlimmer wird es. „Um Schäden im Dach zu vermeiden, müssen die Tiere möglichst schnell eingefangen werden”, erklärt der Experte. Wenn man die Waschbären gewähren lasse, können ganze Decken einbrechen. „Die Tiere würden irgendwann anfangen durch die Decke zu fallen, weil Kot und Urin sich in die Bausubstanz reinarbeiten. Und mit den Krallen reißen sie den Rigips auf und dann kommt irgendwann der Urin durch die Decke gelaufen”, so Knauf. Die Schäden, die Waschbären verursachen, belaufen sich so nicht selten auf fünf- bis sechsstellige Eurobeträge.

Verwendete Quellen: RTL, Stern TV