Wichtige Fragen zum modernen HeizenWärmepumpe im Altbau: Was stimmt, was ist nur ein Mythos?

Der Staat fördert Wärmepumpen mit bis zu 80 Prozent der Kosten. Trotzdem zögern viele Besitzer älterer Eigenheime beim Heizungstausch. Sie fürchten hohe Stromkosten und teure Sanierungen. Die häufigsten Vorurteile über den Austausch der Heizung im Faktencheck.
Viele Menschen, die ein Haus besitzen, denken über den Austausch ihrer alten Heizung nach. Gründe dafür sind gesetzliche Vorgaben sowie die attraktiven staatlichen Förderbedingungen. Beim Einbau einer Wärmepumpe übernimmt der Staat aktuell bis zu 80 Prozent der Kosten. Doch ist die Technik überhaupt für Altbauten geeignet? Zu dieser Frage halten sich hartnäckig Vorurteile.
Verbrauchen Wärmepumpen viel Strom?
Eine häufige Sorge betrifft den Stromverbrauch und die damit verbundenen Kosten. Wärmepumpen verfeuern kein Öl oder Gas. Stattdessen nutzen sie Energie aus der Umwelt, etwa in Form von Umgebungsluft, Erdwärme oder Grundwasser, um Wärme zu erzeugen. Strom dient dabei lediglich als Antriebsenergie. Eine Faustformel lautet: Mit einer Kilowattstunde Strom können die Geräte rund drei bis fünf Kilowattstunden Wärmeenergie bereitstellen. "Damit ist die Rechnung einfach: Wer vorher 30.000 Kilowattstunden Gas gebraucht hat, wird zukünftig mit der Wärmepumpe je nach Art und Qualität zwischen 6.000 und 10.000 Kilowattstunden Strom benötigen", rechnet Pressesprecher Henning Schulz von Stiebel Eltron vor. Wer Strom mit einer eigenen Photovoltaikanlage produziert und diesen für die Wärmepumpe nutzt, kann damit die Kosten für die Energie weiter drücken.
Muss erst das komplette Haus modernisiert werden?
Hartnäckig hält sich auch die Annahme, dass vor einem Heizungstausch zunächst das gesamte Haus modernisiert werden muss, von der Dämmung bis zur Nachrüstung einer Fußbodenheizung in allen Räumen. Tatsächlich ist der Umstieg einfacher als gedacht: Heutige Wärmepumpen erreichen inzwischen Vorlauftemperaturen von bis zu 75 Grad Celsius. Das ist ausreichend, um Altbauten mit Wärme zu versorgen - ohne dass vorher saniert werden muss und dafür Kosten entstehen. Vorhandene Rippen- und Plattenheizkörper lassen sich zumeist weiternutzen. Teilweise kann es sich lohnen, einzelne Heizkörper auszutauschen. Das klärt sich aber im Gespräch mit einem Energieberatungsunternehmen oder Handwerksbetrieb.
Arbeiten Wärmepumpen im Altbau ineffizient?
Zahlreiche Studien widerlegen das Vorurteil, dass Wärmepumpen in Altbauten nicht effizient arbeiten. Ein Feldtest des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE beispielsweise hat ergeben, dass Luft-Wasser-Wärmepumpen im Altbau im Mittel eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,1 erreichen, Erdwärmepumpen sogar 4,1. Das bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom werden im Jahresschnitt 3,1 beziehungsweise 4,1 Kilowattstunden Wärme.
Qualität der Planung entscheidet
Die genannten Durchschnittswerte aus der Studie verdecken allerdings die tatsächliche Bandbreite der erreichten Effizienzen. Die schwächste Anlage im Feldtest kam auf eine JAZ von 2,6, die stärkste auf 5,4 - mehr als das Doppelte. Eine mögliche Ursache für die nicht ganz optimalen Ergebnisse bei einigen Anlagen: Das Forschungsteam fand hier oft Wärmepumpen, die für den tatsächlichen Bedarf zu groß dimensioniert waren.Das führt in der Praxis vor allem zu häufigen Ein-Aus-Schaltungen der Wärmepumpen, die sich negativ auf die Effizienz, aber auch auf die Lebensdauer auswirken. Moderne Wärmepumpen passen mittlerweile ihre Leistung an den aktuellen Bedarf an. Sind sie jedoch derart überdimensioniert, funktioniert dieses System nicht mehr optimal. Auch Speicher, bei denen die Temperaturniveaus für Heizung und Warmwasser nicht sauber getrennt waren, wurden als Problem identifiziert.
Unterm Strich bedeutet das: Wer plant, sollte deshalb auf einer echten Heizlastberechnung bestehen statt auf einer Faustformel - und im Zweifel ein zweites Angebot einholen. Oft ist nicht der Altbau das Risiko, sondern eine falsch geplante oder unpassende Anlage.
Vor dem Heizungstausch gründlich rechnen
Bleibt das Thema Geld. Die aktuellen staatlichen Zuschüsse zählen zu den stärksten Argumenten für den Abschied vom alten Heizkessel. Wie hoch der Betrag im Einzelfall ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine erste Orientierung geben Online-Rechner. Mit wenigen Angaben zum Eigenheim und der vorhandenen Heiztechnik erfahren Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer, mit welchem voraussichtlichen Zuschuss sie rechnen können.
(tl/spot)


