Umfrage unter 18- bis 35-JährigenWeiterbildung und Freiheit: Das wünschen sich junge Menschen im Job

Junge Menschen haben andere Ziele im Berufsleben als vorherige Generationen.
Junge Menschen haben andere Ziele im Berufsleben als vorherige Generationen.
Swiss Life

Ein Beruf fürs ganze Leben? Für viele junge Erwachsene ist das offenbar kein zeitgemäßes Modell mehr. Eine aktuelle Umfrage zeigt, welche Karriereziele die 18- bis 35-Jährigen verfolgen und wo sich Frauen und Männer unterscheiden.

Ein ganzes Berufsleben im selben Unternehmen, immer wieder auf die nächste Stufe der Karriereleiter schielend? Offenbar kein Konzept für junge Menschen. Über zwei Drittel (68 Prozent) der 18- bis 35-Jährigen in Deutschland haben bereits darüber nachgedacht, ihren Beruf oder die Branche zu wechseln. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen YouGov-Befragung im Auftrag von Swiss Life Select.

Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten sind dabei für 84 Prozent der Befragten wichtig oder sehr wichtig. 67 Prozent davon legen Wert auf konkrete Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote, 59 Prozent auf transparente und faire Entwicklungsstufen.

Bildungswege in Bewegung

Dass Bildungs- und Berufswege in Bewegung sind, belegen auch Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Der Anteil der Studienanfänger am Ausbildungsgeschehen stieg demnach zwischen 2005 und 2024 von 24 auf 34 Prozent. Der Anteil der dualen Berufsausbildung sank im selben Zeitraum von 34 auf 31 Prozent.

Hinzu kommt: Rund 30 Prozent der Ausbildungsverträge werden vorzeitig gelöst, 28 Prozent der Studierenden brechen ihr Bachelor-Studium ab. Viele orientieren sich anschließend neu.

Frauen setzen stärker auf Weiterbildung

Nach den Karrierezielen in den kommenden fünf Jahren gefragt, zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Weiterbildung und Qualifizierung sind für 72 Prozent der Frauen besonders wichtig, bei den Männern sind es 63 Prozent.

Ein durchaus überraschender Unterschied zeigt sich bei der zwischenmenschlichen Komponente der Arbeit: 61 Prozent der jungen Männer geben an, dass ihnen die Arbeit mit Menschen wichtig ist - bei den Frauen sind es 54 Prozent.

Eine Führungsposition streben in den kommenden fünf Jahren dagegen 34 Prozent der Männer an, bei den Frauen sind es 21 Prozent. Beim Einkommen liegen die Werte näher beieinander: Ein großes Einkommenspotenzial nennen 56 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen als Ziel.

Auch internationale Untersuchungen deuten darauf hin, dass traditionelle Karrieren für jüngere Beschäftigte nicht zwangsläufig höchste Priorität haben. In der Global Gen Z and Millennial Survey 2025 von Deloitte spielen kontinuierliches Lernen und persönliche Entwicklung eine zentrale Rolle. Weltweit strebten demnach lediglich sechs Prozent der befragten Angehörigen der Generation Z ausdrücklich eine Führungsposition an.

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Selbstbestimmung und Leistung als zentrale Aspekte

Dem Klischee einer wenig leistungsorientierten jungen Generation widersprechen die Zahlen der Swiss-Life-Select-Umfrage allerdings. 71 Prozent möchten ihr Einkommen durch eigene Leistung steigern können, etwa über Bonuszahlungen oder Provisionen.

"Junge Menschen wollen vorankommen, sie wollen Selbstwirksamkeit erfahren und sind durchaus bereit, dafür die vielgerühmte Extrameile zu gehen", sagt Christian Linnewedel, Geschäftsführer von Swiss Life Select. "Aber: Wer Leistung erwartet, muss auch transparent machen, wohin Leistung führen kann."

Ebenso wichtig ist Selbstbestimmung: Jeweils 83 Prozent möchten ihren Arbeitsalltag möglichst selbst gestalten und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können. Für 82 Prozent sind flexible Arbeitszeiten wichtig oder sehr wichtig.

Führung bedeutet für die Jüngeren vor allem Orientierung

Auch Führung wird offenbar anders verstanden als in früheren Generationen. Jeweils 91 Prozent der Befragten, denen berufliche Entwicklung wichtig ist, halten die Vermittlung von Wissen und Praxiserfahrung sowie das Geben von Orientierung für relevant. 90 Prozent nennen die Entwicklung und Förderung von Mitarbeitenden.

Die aktuellen Zahlen zeichnen damit das Bild von jungen Menschen, die Karriere nicht ablehnen, sie aber anders gewichten. Entwicklungsmöglichkeiten, Eigenverantwortung und Flexibilität stehen neben Einkommen und Aufstieg. Ein einmal eingeschlagener Berufsweg gilt dabei immer seltener als endgültig.

Für die repräsentative Befragung wurden vom 21. bis 25. August 2026 insgesamt 1.015 Menschen zwischen 18 und 35 Jahren in Deutschland online befragt.