Sommergrippe statt SonnenspaßErkältung mitten im Sommer? Woran das liegt und was hilft

Frau sitz am Strand in einem Liegestuhl und putzt sich die Nase
Ohje, lästige Erkältung eingefangen – und das mitten im Sommer?
iStockphoto/Getty Images/AntonioGuillem

30 Grad und trotzdem kratzt der Hals? Na toll!
Die „Sommergrippe” hat schon vielen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber entsteht sie wirklich durch Klimaanlagen, Ventilatoren und Zugluft? Wie ihr Husten und Schnupfen im Sommer vermeiden könnt, weiß Medizinjournalist und Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht.

Warum erkälten wir uns im Sommer überhaupt?

Der umgangssprachliche Begriff „Sommergrippe“ klingt dramatischer als er medizinisch meistens ist. In aller Regel handelt es sich nicht um die echte Grippe – also Influenza –, sondern um eine Erkältung oder einen grippalen Infekt. Typisch sind Halskratzen, Schnupfen, Husten, Kopfweh, leichtes Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl. Manchmal kommen auch Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Erbrechen dazu. Meist ist der Spuk nach ein bis zwei Wochen wieder vorbei.

Wer im Sommer krank wird, hat oft die Klimaanlage oder den Ventilator im Verdacht. Doch Zugluft allein macht nicht krank – entscheidend ist, dass Viren im Spiel sind. Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt im RTL-Gespräch: „Eine Erkältung bekommt man durch Zugluft nicht! Eine Erkältung ist eine Infektion, die einen Erreger voraussetzt. In 99 Prozent der Fälle eilt der Erkrankung ein Virus voraus.“

Komplett unschuldig sind Klimaanlage, Ventilator und Co. allerdings nicht, denn sie können den Körper anfälliger machen. Dr. Specht erklärt: „Die Zugluft und die Klimaanlage spielen aber insofern eine Rolle, als sie die Schleimhäute austrocknen und uns damit anfälliger für eine Infektion machen. Die natürliche Barriere der Schleimhaut gegen Viren und Bakterien wird herabgesetzt.“

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Kaltes Wasser, kühle Sommerabende: Das stresst euren Körper

Im Sommer unterschätzen viele, wie stark Temperatursprünge den Körper belasten können. Eben noch schwitzt ihr draußen in der Sonne, dann sitzt ihr im eiskalt klimatisierten Auto oder im Zug. Danach geht es vielleicht ins kalte Wasser, später mit nassen Haaren oder dünner Kleidung in den Abend. Für den Körper bedeutet das Stress, da er jedes Mal die eigene Temperatur regulieren muss.

Auch der plötzliche Klimawechsel im Urlaub ein zu langer Aufenthalt in der Sonne kann die Abwehr schwächen. Wer überhitzt, zu wenig trinkt oder schlecht schläft, macht es den Erregern leichter. Kommt dann noch enger Kontakt mit anderen Menschen dazu – etwa im Büro, in der Bahn, im Flugzeug oder unter spielenden Kindern –, können sich Erkältungsviren schnell verbreiten.

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Sommergrippe bekämpfen: Das könnt ihr tun

Die Sommergrippe verbreitet sich wie andere Erkältungen auch vor allem über Tröpfcheninfektion. Das passiert beim Husten, Niesen oder Sprechen. Aber auch über Hände und Oberflächen können Erreger weitergegeben werden – zum Beispiel über Türklinken, Haltestangen, Handys oder Tastaturen. Fasst ihr euch danach an Mund, Nase oder Augen, haben die Viren leichtes Spiel. Darum bleibt Händewaschen auch im Sommer eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen. Mehrmals täglich 20 bis 30 Sekunden mit Wasser und Seife reichen schon, um das Risiko zu senken.

Vermeidet direkte Zugluft, vor allem vom Ventilator oder aus der Klimaanlage. Im Auto solltet ihr die Klimaanlage nicht zu kalt einstellen und sie vor dem Aussteigen langsam herunterregeln. So fällt der Temperaturwechsel nicht ganz so heftig aus. Nach dem Schwimmen gilt: nasse Sachen ausziehen und trockene Kleidung anziehen. Wer den ganzen Tag unterwegs ist, sollte für kühle Abendstunden eine dünne Jacke oder einen Schal dabeihaben.

Dr. Specht rät außerdem dazu, das Immunsystem nicht erst dann retten zu wollen, wenn die Nase schon läuft. Ein kurzfristiger Wunder-Booster ist unrealistisch. Sinnvoller sind Gewohnheiten, die den Körper dauerhaft stabil halten: ausreichend Bewegung, genug Schlaf, nicht zu viel Stress und ein guter Vitamin-D-Spiegel. Leichte Wechselduschen – am Ende mit kaltem Wasser aufhören – trainieren den Körper und bringt den Kreislauf in Schwung. Bei einer bereits beginnenden Erkältung kann Zink laut Specht helfen, die Symptome zumindest um einen halben Tag zu verkürzen. Ansonsten gilt, was bei einer Erkältung immer gilt: Ausruhen, ausreichend trinken und die Schleimhäute befeuchten, etwa durch Nasenspray mit Meersalz und Inhalieren.