Die wichtigsten WarnsignaleOrthopäde erklärt: Wann sollte man bei Verspannungen zum Arzt?

Fast jeder kennt Verspannungen in Nacken, Schultern oder Rücken. Meist sind sie harmlos. Doch bestimmte Symptome wie Taubheitsgefühle oder Muskelschwäche erfordern sofortiges Handeln. Wann sollte man zum Arzt?

Verspannungen im Nacken, in den Schultern oder im Rücken kennt wohl fast jeder. Häufig entstehen sie durch langes Sitzen, Bewegungsmangel oder eine ungünstige Körperhaltung und verschwinden nach einigen Tagen wieder. Doch nicht immer sind die Beschwerden harmlos. Wann sollte man bei Verspannungen zum Arzt - und welche Symptome sind ein Warnsignal?

Verspannungen sind meist harmlos - aber nicht immer

Monotone Tätigkeiten in verkrampfter Position, falsches Sitzen oder Liegen und Bewegungsmangel können Verspannungen begünstigen. Auch Kälte oder Zugluft kommen als Auslöser infrage. Akute Nackenschmerzen sind laut dem offiziellen Gesundheitsportal des Bundes in den meisten Fällen harmlos und klingen innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab.

Doch halten die Beschwerden an, sollte die Ursache abgeklärt werden. "Halten die Muskelschmerzen länger als zwei Wochen an, so sollte grundsätzlich ärztlich geklärt werden, ob die Beschwerden nicht etwa Folgen ernsthafter orthopädischer Verletzungen sind", erklärt Privatdozent Dr. David Kubosch, leitender Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen im Interview mit spot on news.

Auch rheumatische Erkrankungen, Funktionsstörungen der Schilddrüse sowie psychische oder neurologische Ursachen könnten hinter anhaltenden Beschwerden stecken.

Diese Symptome sind Alarmzeichen

Bei bestimmten Beschwerden sollten Betroffene nicht abwarten. "Taubheitsgefühle oder plötzliche Muskelschwäche sind absolute Alarmzeichen, die einen sofortigen Arztbesuch erfordern", sagt Kubosch.

Auch stärker werdende Schmerzen oder Beschwerden, die in Arme oder Beine ausstrahlen, sollten schnell medizinisch abgeklärt werden. Laut gesund.bund.de sind unter anderem Lähmungserscheinungen, anhaltendes Kribbeln, Probleme beim Bewegen von Armen oder Fingern sowie Gleichgewichtsstörungen Gründe für eine rasche ärztliche Untersuchung.

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Wärme und Bewegung können helfen

Sind keine Warnzeichen vorhanden, können Betroffene zunächst selbst etwas gegen die Beschwerden tun. Wärme, etwa durch Wärmepflaster oder Wärmekissen, kann bei Nackenschmerzen wohltuend sein. Auch Bewegung und Dehnübungen können helfen.

Von einer langen Schonhaltung rät Kubosch ab: "Die Grundregel lautet: Verspannungen nur nicht aussitzen, sondern diesen durch viel Bewegung entgegenwirken - nicht nur in der Freizeit, sondern auch in Schule oder im Büro."

Entscheidend sei dabei, regelmäßig die Position zu wechseln. Wer im Büro zwischendurch aufsteht, einige Schritte geht oder im Stehen arbeitet, kann lange statische Belastungen vermeiden.

Wann spätestens zum Arzt?

Als Orientierung nennt der Orthopäde zwei Wochen: "Bringen Wärmeanwendungen, praktische Übungen oder andere Maßnahmen bei Verspannungen generell nicht innerhalb von 14 Tagen den gewünschten Erfolg, so sollte der Arzt konsultiert werden."

Auch dem Gesundheitsportal des Bundes zufolge klingen akute Nackenschmerzen normalerweise innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Halten sie länger an oder verschlimmern sich, kann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll sein.

Bei Beschwerden, die länger als drei Monate bestehen, spricht man laut Kubosch von chronischen Schmerzen. Auch dann sollte die Ursache fachärztlich untersucht werden.

So beugen Sie Verspannungen vor

Viel Bewegung ist laut Kubosch das A und O. Im Alltag empfiehlt es sich, häufiger die Sitzposition zu verändern und zwischen aufrechter, vorgeneigter und zurückgelehnter Haltung zu wechseln. Langfristig sollte außerdem die wirbelsäulenstabilisierende Muskulatur gekräftigt werden.

Als geeignete Sportarten nennt der Orthopäde unter anderem Wandern und Schwimmen. Beim Schwimmen sollte man allerdings darauf achten, den Kopf nicht dauerhaft über Wasser zu halten.