Preisschock am WasserhahnPlötzlich um 100 Prozent teurer! Droht uns jetzt der Wasser-GAU?

„Das ist Wucher!”
Wasser aus dem Hahn wird für viele Haushalte spürbar teurer. In einem kleinen Dorf in Thüringen trifft es die Bewohner besonders hart. Wenn Punkt12-Zuschauerin Doreen Raßlaff morgens den Wasserhahn aufdreht, ist der Ärger sofort da. Kaffee kochen, Hände waschen oder die Toilette spülen – jeder Handgriff kostet plötzlich deutlich mehr Geld.

Es gibt keine Alternative zum Wasseranbieter

In Höngeda in Thüringen erleben rund 600 Menschen gerade, was steigende Wasserpreise ganz konkret bedeuten. Doreen Raßloff zeigt uns ihre Abrechnung: „Das war unser bisheriger Abschlag, 73 Euro quartalsmäßig zu zahlen. Und jetzt sind wir im Quartal bei 176 Euro.“ Die Punkt12-Zuschauerin ist spürbar sauer: „Das grenzt nicht an Wucher, das IST Wucher!”

Für 1.000 Liter Wasser zahlten die Menschen im Ort bislang 1,65 Euro, jetzt sind es 3,41 Euro. Gleichzeitig steigt auch die Grundgebühr deutlich. Für viele Haushalte bedeutet das mehrere hundert Euro Mehrkosten im Jahr. Für Doreen Raßloff und ihren Mann sind es etwa 350 Euro mehr.

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Das Problem: Anders als bei Strom oder Internet gibt es keine Alternative. „Wenn mein Handytarif zu teuer wird, schaue ich mich nach einem anderen Anbieter um. Oder mein Stromanbieter. Dann wechsle ich im nächsten Jahr.” Aber beim Trinkwasser gibt es keine Möglichkeit, das Wasser von einem anderen Anbieter zu beziehen. „Wir sind ja gezwungen, diese Preise zu zahlen”, sagt Doreen Raßlaff.

Warum Wasser immer teurer wird

Der Grund für die steigenden Preise liegt oft im System selbst. In Deutschland gibt es kein großes, einheitliches Wassernetz. Jede Region hat ihren eigenen Versorger – meist kommunal organisiert.
Saidi Sulilatu, Chefredakteur der Zeitschrift Finanztip erklärt: „Das ist eben nicht so einfach, wie Strom ins Netz einzuspeisen. Sondern Wasser muss gereinigt werden. Das muss einwandfrei sein. Und gleichzeitig geht es da halt auch um eine Grundversorgung, eine Daseinsvorsorge.“

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Vorteil des Modells: Beim lebensnotwendigen Wasser geht es nicht um große Profite. Aber wo es nur einen Anbieter gibt, haben Kunden keine Wahl und müssen steigende Preise fast immer akzeptieren. Der Staat verlangt deshalb Kontrollen: über das Kartellamt oder kommunale Parlamente, die Preise genehmigen müssen. Doch ob den Versorgern wirklich auf die Finger geschaut wird, ist unklar. „Ja, das auf die Finger schauen bei Preiserhöhungen, insbesondere bei der Wasserversorgung, das ist in Deutschland, würde ich sagen, tendenziell mangelhaft“, erklärt Saidi Sulilatu.

Marode Leitungen treiben Kosten hoch

Zurück in Höngeda zeigt sich ein weiteres Problem. Der Versorger kämpft mit einem alten Netz. Immer wieder kommt es zu Rohrbrüchen. Christian Konkel, Chef des örtlichen Wasserversorgers, erzählt uns: „Das Netz ist in einem sehr maroden Zustand. Wir hatten in der zehnten Kalenderwoche schon 17 Rohrbrüche. Und das ging jetzt sukzessive weiter.“

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Aktuell seien sie bei etwa 30 Rohrbrüchen. Die nötigen Reparaturen kosten viel Geld – und das müssen die Kunden zahlen. Vor allem, weil der Versorger nur rund 10.000 Haushalte beliefert. Langfristig sei aber geplant, sich mit einem anderen Verband zusammenzuschließen. Dies könne, so Christian Kunkel, zu einer Gebührensenkung führen.

Wie hoch die Preise für die Wasserversorgung in großen Städten sind und welche Stadt am meisten zahlt – das seht ihr oben im Video!

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche