Sohn: "Ignoranz der Leute macht mich fassungslos und traurig"

Toter fährt sechs Stunden lang in Tram - niemand bemerkt etwas

Ein Mann starb in der Tram in Zürich - über Stunden fiel das niemandem auf. (Symbolbild)
Ein Mann starb in der Tram in Zürich - über Stunden fiel das niemandem auf. (Symbolbild)
© imago stock&people, imago

25. Juni 2021 - 8:54 Uhr

Tragischer Fall in Zürich

Ein Mann erleidet in Zürich während der Fahrt in der Straßenbahn einen Herzstillstand und stirbt. Sechs Stunden fährt die Tram mit dem Toten weiter durch die Stadt, bevor jemandem etwas auffällt. Der Sohn des Mannes ist bestürzt.

Notarzt kann nichts mehr für Passagier tun

Der 64-Jährige sei am Montag um 6.21 Uhr in die Linie 2 eingestiegen, um zur Arbeit zu fahren, berichtet "20 Minuten". Nach rund 30 Minuten hätte er wieder aussteigen wollen. Doch dazu kam es nicht. Der Mann soll einen Herzstillstand erlitten haben und gestorben sein. "Weder dem Tramchauffeur noch den anderen Passagieren fiel etwas auf. Mein Vater fuhr stundenlang leblos im Tram mit", zitiert die Zeitung den Sohn des Verstorbenen. Videoaufnahmen zeigen demnach, dass er nach ein paar Haltestellen in sich zusammensackte und "regungslos sitzen blieb".

Erst sechs Stunden später sei einer Passagieren aufgefallen, dass etwas nicht stimme. "Sie informierte den Tramchauffeur und er schließlich den Notruf", berichtet der Sohn. Doch da sei sein Vater bereits seit Stunden tot gewesen. Die Rettungskräften konnten nichts mehr für ihn tun.

Sohn fassungslos über Ignoranz

Die Kinder des Verstorbenen trauern nicht nur um ihren Vater. Sie sind dem Bericht zufolge auch erschüttert darüber, dass über Stunden niemand etwas bemerkt haben will. "Die Ignoranz der Leute macht mich fassungslos und traurig", so der Sohn. "Zivilcourage ist leider nicht mehr alltäglich. Die Leute sind heutzutage zu sehr auf sich konzentriert und nehmen ihre Umwelt gar nicht mehr wahr."

(mst)

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