Es kann zu Arthrose, Diabetes und Krebs führen

Auch Haustiere leiden unter ihrem Übergewicht

Haustiere leiden unter ihrem Übergewicht. (Symbolbild)
Haustiere leiden unter ihrem Übergewicht. (Symbolbild)
© picture-alliance/ dpa, Bernd von Jutrczenka

09. Februar 2021 - 13:56 Uhr

Jeder dritte Hund ist zu dick

Viele Besitzer meinen es besonders gut mit ihrem Haustier und können nicht anders, als Hasso ein Leckerli zu geben, sobald der den gut eintrainierten Hundeblick auflegt. Diese Tierliebe kann aber auch schnell ungesund und gefährlich fürs Tier werden. Wie auch bei Menschen kann Übergewicht bei Haustieren zu Arthrose, Diabetes und Krebs führen.

Pekinesen-Hündin Biggi speckt ab

Als die kleine Pekinesen-Hündin Biggi vor etwa neun Monaten bei Christiane Martin in Oldenburg einzog, brachte sie stolze 10,5 Kilo auf die Waage. Seitdem ist sie auf Diät, denn Hunde dieser Rasse sollten eigentlich nur zwischen 4 und 6 Kilo wiegen. "Alles darüber ist grenzwertig" erklärt Biggis Besitzerin. Bevor die ehemalige Straßenhündin aus Rumänien nach Norddeutschland kam, lebte sie übergangsweise in einer Tierpflegestelle. "Dort hat man es mit dem Aufpäppeln wohl zu gut gemeint", vermutet Martin.

Mit ihren überflüssigen Pfunden ist Biggi in Deutschland nicht allein. Nach Schätzungen des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (BPT) sind etwa 30 Prozent aller Hunde hierzulande zu dick. Bei den Hauskatzen sieht es mit 40 Prozent noch schlechter aus. Dies deckt sich laut dem Institut für Tierernährung der Universität Leipzig auch mit internationalen Erhebungen: Danach gelten ein Viertel bis ein Drittel der Hunde und Katzen als übergewichtig oder sogar adipös.

Übergewicht erkennen: Selbsttest für zu Hause

Häufig würde Übergewicht übersehen. Das liege auch am gängigen Schönheitsideal vieler Tierbesitzer und Züchter. "Ein normalgewichtiger Hund wird oft als viel zu mager empfunden", sagt die Vizepräsidentin des BPT, Petra Sindern.

Wer testen möchte, ob das eigene Tier zu dick ist, kann ihm die flache Hand auf die Rippen legen. "Findet man die Rippen erst nach kurzer Suche, hat das Tier Übergewicht", erklärt Sindern.

Tiere, die zu viel wiegen, würden bei jedem Schritt Wirbelsäule und Gelenke stark belasten. Das habe häufig Arthrosen zur Folge. "Übergewicht führt außerdem zu einem stark erhöhten Risiko, an Diabetes und Krebs zu erkranken", sagt Sindern.

So vielfältig wie die Folgen sind auch die Ursachen für Übergewicht. Eine besteht in zu großzügigen Mengenangaben auf den Futterverpackungen. "Die Firmen wollen ja möglichst viel verkaufen", sagt Sindern.

Ingrid Vervuert, Professorin am Institut für Tierernährung der Universität Leipzig, kann diesen Vorwurf teilweise bestätigen. Untersuchungen hätten ergeben, dass bei kommerziellem Futter in etwa 30 Prozent der Fälle eine zu hohe Futtermenge empfohlen wird. Ansonsten seien die Empfehlungen aber überwiegend angemessen oder sogar etwas zu niedrig angesetzt.

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Zu viele Leckeris, nicht genug Auslauf fürs Tier

Einig sind sich die Medizinerinnen darin, dass zusätzliches Füttern zwischen den Mahlzeiten eine große Rolle beim Thema Übergewicht spielt. "Viele Menschen leben alleine mit ihrem Hund als einzigem Partner. Hunde werden vermenschlicht und sind gleichzeitig sehr überzeugend darin zu zeigen, dass sie permanent Hunger haben", erklärt Ingrid Vervuert das Dilemma.

Der Schaden, der mit zu vielen zusätzlichen Leckerchen angerichtet wird, sei vielen Haltern dabei gar nicht bewusst. "Ein Tier öffnet nicht selbstständig die Futterdose und überfrisst sich, einzig und allein der Besitzer teilt die viel zu große Ration zu", meint Sindern. Dabei entsprächen zehn Gramm Käse für eine Katze etwa drei großen Muffins für einen Menschen. Beim Hund seien drei Scheiben Fleischwurst vergleichbar mit zwei Hamburgern.

Der Stoffwechsel der Haustiere ändert sich

Ein weiterer Faktor sei die Kastration, welche Tiere quasi direkt in die Wechseljahre befördert. Denn die Hormonumstellung reduziert den Stoffwechsel. Daher sollten Halter nach dem Eingriff unbedingt noch weniger füttern als vorher.

Sprechen Sie beim Tierarzt über einen Abnehmplan für ihr Haustier

Bevor es mit dem Abspecken losgeht, sollte man zunächst den Tierarzt aufzusuchen. In den meisten Praxen in Deutschland kann man sich ein entsprechendes Fütterungs- und Bewegungsprogramm zusammenstellen lassen, sagt Sindern. Vorab sei auch eine Blutuntersuchung sinnvoll, um zu prüfen, ob die Gesundheit durch das Übergewicht bereits geschädigt wurde. Im Prozess sei es außerdem ratsam, sich klare und erreichbare Ziele zu setzen, empfiehlt Sindern. Zehn Prozent Gewichtsverlust innerhalb eines halben Jahres sei ein realistischer Maßstab.

Auch der Tierarzt von Christiane Martin hat empfohlen, dass Biggi langsam abnehmen soll. "Sie einfach nur hungern zu lassen, bringt nichts. Dadurch würde sie nur gierig werden", erklärt Martin ihre Strategie.

Das Haustier braucht genug Auslauf

Neben dem Futter spielt, wie auch beim Menschen, mangelnde Bewegung eine große Rolle. Dass Aktivität einen großen Effekt haben kann, hat Biggi bewiesen. Innerhalb von neun Monaten hat die Pekinesin fast drei Kilo abgenommen. Besitzerin Christiane Martin sagt, dass der Erfolg, neben der genauen Rationierung des Futters, auf mindestens zweieinhalb Stunden Bewegung am Tag zurückzuführen ist.

Sie hofft, dass Biggis Gewicht sich irgendwann bei etwa 5 Kilo einpendeln wird. "Schon jetzt hat sich ihre Lebensqualität im Vergleich zu vorher deutlich erhöht. Wenn wir am Wochenende zu Bekannten aufs Land fahren, tobt sie sich im Wald aus. Das war mit dem starken Übergewicht gar nicht möglich."

Quelle: ntv, dpa, rtl