Zu sexy für Ägypten?

Konditorin wegen Penis- und Busen-Cupcakes festgenommen

Frau in Ägypten wegen Penis- und Busen-Cupcakes festgenommen
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21. Januar 2021 - 10:03 Uhr

Genitalien-Backwaren sorgen für Aufregung

Penis-Hüte, Penis-Luftballons, Penis-Kuchen: Diese Accessoires finden sich in Deutschland wohl bei fast jedem zweiten Junggesellinnen-Abschied – auch in der Öffentlichkeit. Daran stören sich hierzulande nur die allerwenigsten. Ganz anders in Ägypten: Dort wurde eine Frau verhaftet – wegen Penis- und Busen-Cupcakes. Der Vorfall hat in dem Land eine Debatte rund um Frauenrechte ausgelöst.

Sexy Cupcakes für Privatparty sorgen für Aufruhr in den sozialen Netzwerken

Fotos der sexy Backwaren hatten sich laut einem Bericht von CNN rasend schnell in den sozialen Medien in Ägypten verbreitet und waren dort heftig diskutiert worden. Sogar in Talkshows waren die Cupcakes ein Thema. Während die einen lediglich harmlose Süßwaren sahen, sind die Genitalien-Kuchen für andere Grund zu großer Aufregung. Sogar die ägyptischen Behörden waren dem Bericht zufolge durch die Social-Media-Posts auf die pikanten Backwaren aufmerksam geworden und hatten schnell eine Schuldige im Visier: Die Konditorin, die die Cupcakes mit Penis- und Busen-Verzierungen für eine Privatparty gebacken hatte. Sie wurde festgenommen und von den Behörden verhört. Die Frau erklärte bei der Vernehmung unter Tränen, sie sei nur der Bestellung ihrer Auftraggeberin nachgekommen, wie die ägyptische Nachrichtenseite Al-Masry al-Youm meldete.

Penis- und Busen-Cupcakes
Für die ägyptischen Behörden sind die Penis- und Busen-Cupcakes ein No-Go. Gegen die Konditorin wird ermittelt - obwohl die Kuchen nur in privatem Rahmen verteilt wurden.
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Sogar ein Ministerium mischt sich in den Vorfall ein und droht Konditorin

Obwohl die Penis-Cupcakes lediglich im privaten Rahmen in einem privaten Sportclub in Kairo gegessen worden sein sollen, hat sich nun auch Dr. Ashraf Sobhy, der ägyptische Minister für Jugend und Sport, eingeschaltet. Sobhy kündigte an, ein Untersuchungskomitee für den Fall zu gründen. Der Konditorin wird demnach vorgeworfen, gegen ägyptische "Familienwerte" verstoßen zu haben. Man werde in der Angelegenheit keine Nachsicht zeigen, sagte ein Sprecher des Ministeriums einem ägyptischen TV-Sender. Die Konditorin wurde zwar mittlerweile gegen eine Kaution von 5.000 ägyptischen Pfund (etwa 260 Euro) wieder auf freien Fuß gesetzt, gegen sie wird aber weiter ermittelt – und das alles wegen ein paar versauter Backwaren.

Nicht der erste Fall dieser Art in Ägypten

Der Fall sorgt jetzt weltweit für Empörung bei Menschenrechtsorganisationen – zumal sich Vorfälle dieser Art in Ägypten in den letzten Monaten häufen. Im vergangenen Jahr wurden zwei bekannte TikTok-Influencerinnen wegen "Verletzung von Familienwerten" zu Haft verurteilt. In Videos waren die Frauen beim Tanzen und Singen oder bei Späßen mit Freunden zu sehen. Ein Berufungsgericht hob das Urteil vor einer Woche auf. Aus denselben Gründen wurde Mitte 2020 eine Bauchtänzerin zu drei Jahren Haft verurteilt – auch sie war auf TikTok unterwegs.

Menschenrechtsorganisationen beobachten Festnahmen mit Sorge

Laut der Organisation "Human Rights Watch" verstoßen diese Straftatbestände, unter denen vor allem Frauen verurteilt werden, gegen Menschenrechtskonventionen und auch gegen konkrete Konventionen zu Frauenrechten, die Ägypten unterzeichnet hat. Laut Rothna Begum, führender Kopf der Organisation in Sachen Frauenrechte, haben die Urteile eine fatale Signalwirkung. "Die Massen-Festnahmen von Frauen zeichnen ein haarsträubendes Bild über den Stand der Frauenrechte in Ägypten", heißt es auf der Webseite der Organisation. "Statt Probleme wie häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen anzugehen, scheinen die Behörden lieber die gesellschaftliche Diskriminierung von Frauen vorantreiben zu wollen, indem sie Frauen für das verfolgen, was sie im Internet sagen oder wie sie sich auf diesen Plattformen präsentieren."