"Wir alle können nicht mehr!"

Tierheim postet flammenden Appell: Zahl gefährlicher Hunde nimmt Überhand

Dieser Pitbull ist ein sogenannter Listenhund - aber nicht nur Kampfhunde stellen Tierheime vor große Probleme.
© dpa, A3300 Rolf Rick

25. Februar 2021 - 9:16 Uhr

Unvermittelbare Hunde treiben Tierheime in den Wahnsinn

Mit einem flammenden Appell macht der Tierschutzverein Zweibrücken bei Facebook auf sich aufmerksam. Oder besser gesagt auf ein Problem, das wohl viele Tierheime teilen. Es geht um die Masse an bissigen, schwer vermittelbaren Hunden, die die Zwinger füllen und Tierheime an ihre Kapazitäts- und Kraftgrenzen bringen. Der Tierschutzverein sieht die Politik in der Pflicht.

Gefährliche Hunde sind menschengemacht

"Wir haben es schon oft genug erwähnt, können aber nicht mehr leise sein und müssen es regelmäßig in die Welt hinausschreien, in der Hoffnung, dass sich irgendetwas ändert", beginnt der Tierschutzverein Zweibrücken seinen langen Appell auf Facebook. Von 20 Hunden trage die Hälfte einen Maulkorb. "Einige dieser Hunde wären tot, hätten wir sie nicht aufgenommen, einiger dieser Hunde haben große Probleme, unser Tierheim nochmal lebend zu verlassen." Denn wer geht schon ins Tierheim, um dort einen falsch erzogenen, bissigen, gefährlichen Hund aufzunehmen? Wohl kaum jemand.

Es läuft eher andersherum. Besitzer möchten ihre Hunde abgeben, wenn sie mit ihnen nicht mehr zurechtkommen. "Tierheime sind nicht dazu da, das kostenlos aufzunehmen, was über Jahre von Leuten versaut wurde", schreibt der Verein. Und unterbezahlte Tierpfleger seien auch nicht dazu da, ihr Leben hinzuhalten, um auszubaden, was andere bei der Erziehung ihrer Hunde versäumt haben. Hinzu kommt ein großer Kostenfaktor. Denn können Hunde nicht vermittelt werden, sorgt das Tierheim weiter für sie. Aktuell habe das Tierheim zwei Hunde ausgelagert im Training, für die es bereits viel Geld bezahlt habe und noch zahlen werde, "da sie vom Menschen zu dem gemacht wurden was sie heute sind. Vorbesitzer sind auch aus dieser Nummer fein raus. Muss halt wieder das blöde Tierheim gucken wie es klarkommt."

Einschläfern als letzter Ausweg?

Was also tun mit den bissigen Hunden, die Tierheime an die Belastungsgrenzen und darüber hinausbringen? "Nicht selten kommen Aussagen wie "Der gehört eingeschläfert". Wo fängt man an, wo hört man auf? Soll es Listen geben mit Stichtagen, wann eingeschläfert wird, weil zu lange da? Soll eingeschläfert werden, wenn zu heftig gebissen? Zu dies? Zu das?".

Doch der Vereint warnt: Irgendwann werde man in Deutschland an den Punkt kommen, an dem das Einschläfern nicht mehr vermeidbar sei. "Die Reihen von Hunden, die schwierig sind, werden immer dichter. Die Zeit für jeden Einzelnen, mit dem gearbeitet werden müsste, wird immer knapper. Man kann ja nicht jeden Zwinger mit einem Unvermittelbaren füllen."

Klare Forderung an die Politk

Aber der Tierschutzverein äußert nicht nur die Probleme, sondern bittet um konkrete Lösungen. Mit klaren Forderungen richtet sich das Posting an die Politik.

"Wir fordern ganz klar, dass die Anschaffung von Hunden geregelt wird. Dass nicht jeder Hinz und Kunz sich einen Herdenschutzhund, den triebigen Mali oder Rotti anschaffen kann und Vermehrer für ihre produzierten Hunde und Eigentümer in die Verantwortung gezogen werden. Auslandsvereine gefälligst ihre Hunde zurücknehmen müssen, die sie hierhergeholt haben und die Politik sich endlich mit dieser Thematik befasst."

Kampfhunde sind nur ein Teil des Problems

Die Politik müsse endlich einsehen, dass ihre Hundeverordnungen "Müll" seien, so der Tierschutzverein wörtlich. Teil dieser Verordnungen ist beispielsweise eine Liste mit Kampfhunden, sogenannte Listenhunde. Damit sind die Tiere gemeint, die rassebedingt als gefährlich aufgeführt oder deren Gefährlichkeit vermutet wird, zum Beispiel der American Pitbull Terrier. In vielen Bundesländern gilt für solche Rassen beispielsweise eine Maulkorbpflicht und auch nicht jeder kann sich so einen Hund anschaffen. Das Problem seien aber längst nicht mehr nur die sogenannten Kampfhunde, sagt der Tierschutzverein Zweibrücken, "sondern Rassen querbeet."

Denn mehrfach wird in dem Appell klar: Es liegt nicht immer an der Rasse, sondern vor allem an der Erziehung durch den Menschen.

Deswegen fordert der Verein: "Hundeverordnungen sollten mit den Leuten beschlossen werden, die die Problematik im Hundebereich täglich erleben, die seit vielen Jahren den Wandel der Zeit im Tierschutz miterleben und aus erster Hand mitreden können."

Das Tierheim bekommt dafür viel Zuspruch von Facebook-Nutzern. Offen bleibt, wann und ob die Politik regieren wird.

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