Geht die Aktion zu weit?

Youtuber „Inscope21" isst angeblich Delfin-Baby - das steckt dahinter

2. Oktober 2019 - 17:40 Uhr

Der Streich soll einem guten Zweck dienen

Youtuber und Influencer "Inscope21" hat mit seiner Instagram-Story, in der er ein Delfin-Baby zu essen scheint, nicht nur seine 1,6 Millionen Abonnenten schockiert. Das ganze Netz ist entsetzt über die skrupellosen Aufnahmen. Tausende Klicks und Hass-Kommentare später löst der 24-Jährige die Aktion auf seinem Kanal auf: Alles Fake - das vermeintliche Delfin-Baby wurde im 3D-Drucker produziert und hinter den in der Pfanne gebratenen Filets verbirgt sich vermutlich Thunfisch. Im Video zeigen wir die täuschend echt aussehenden Aufnahmen.

"Inscope21" will gemeinsam mit der Organisation "Followfish" auf die Überfischung der Ozeane und die Gefährung vieler Fischarten durch Beifang und illegale Jagd aufmerksam machen. Geht er damit zu weit? Wir haben den Medienpsychologen Dr. Tobias Dienlin gefragt.

„So eine Scheiße soll nicht gemacht werden"

Eines steht fest: Die Aktion hat polarisiert. Warum so ein wunder Punkt bei den Usern getroffen wurde, erklärt Jürgen Knoll, der Gründer von "Followfood": "Der Shitstorm hat gezeigt, wie schnell wir wütend werden, wenn wir dabei zuschauen, wie ein seltener Delphin gegessen wird. Dabei trägt jeder von uns dazu bei, dass immer mehr Arten in den Ozeanen aussterben – wenn wir Fisch kaufen, der aus nicht nachhaltigen oder unbekannten Quellen kommt." Der Youtuber und die Organisation hoffen, den Menschen so die Augen öffnen zu können und dafür zu sorgen, dass sie ihr Verhalten überdenken.

Und auch, wenn "Inscope21", der mit bürgerlichem Namen Nicolas Lazaridis heißt, viel Hass dafür ernten musste, sieht er das Ganze positiv: "Es hat mich in dem Sinne gefreut, dass ihr Leute darauf aufmerksam werdet, dass so eine Scheiße nicht gemacht werden soll."

Medienpsychologe Dienlin ist bei der Aktion zwiegespalten

"Dass er die Botschaft so vermittelt hat, hat wahrscheinlich für deutlich mehr Aufmerksamkeit gesorgt, als wenn er ein rein informatives Video zu dem Thema gemacht hätte. Die meisten sehen die ganze Geschichte und haben sein Engagement im Kopf", erklärt Dr. Dienlin. Social Media eigne sich gut, um ein Thema großflächig anzusprechen, da es sich leicht vervielfältigen lasse. So könne eine breite Masse angesprochen werden.

Die Art und Weise, wie der Youtuber auf den kritischen Zustand der Ozeane aufmerksam gemacht habe, sei riskant: "Bei einer solchen Aktion besteht immer das Risiko, dass die negativen Emotionen der Rezipienten haften bleiben. Selbst, wenn die Geschichte aufgelöst wird und sich als etwas Gutes entpuppt, ist es möglich, dass es trotzdem negativ bei den Zuschauern haften bleibt".