Und plötzlich ist der Landeschef am Telefon

Dresdner Wirt klagt mit Wutvideo an: "Ich habe die Faxen langsam dicke!"

Der Inhaber des Dresdner Restaurants Anno Domini, Mario Zichner, wirft einige Teller auf den Boden, frustriert und genervt von der Politik.
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14. Januar 2021 - 14:49 Uhr

Gastro im Lockdown: Branche droht zu Bruch zu gehen

Ein Wirt aus Dresden macht seinem Ärger über den verlängerten Lockdown in einem Video Luft – Knalleffekt inklusive: Der Inhaber des Dresdner Restaurants Anno Domini, Mario Zichner, wirft einige Teller auf den Boden, frustriert und genervt von einer Politik, die auf Versprechen und schöne Bilder in den sozialen Medien setze, aber gerade nicht auf eine "schnelle und unbürokratische Hilfe für die Gastronomie", wie es mal von der Kanzlerin versprochen war. Er hoffe, dass dieses Video geteilt werde, bis es die entscheidenden Leute erreiche. Wie schnell das gehen kann, überrascht dann auch den wütenden Wirt.

Es ist bisher kein Cent geflossen

"Genau null Cent" seien jetzt, Stand Montag, 11 Uhr, auf seinen Konten angekommen, so Zichner im RTL-Interview. Man habe sich im November und Dezember auf die Politik verlassen – und sei jetzt immer noch mit dem Problem alleine. Noch stehe ihm das Wasser nur bis zum Hals, aber noch nicht drüber.

Er koche derzeit nur für Obdachlose und Kinderheime, das richtige Geschäft fehlt dem Wirt. Und er ärgert sich darüber, wie in der Politik gearbeitet wird. Ende Oktober sei das Paket angekündigt worden, dann habe man bis zum 25. November gebraucht, "um sich fünf Seiten Antragsformular abzuquetschen".

Gastronom stellt klar: Corona ist eine riesengroße Gefahr

Die hohen Klickzahlen seines Posts haben ihn überrascht, manch eine Zeile in den Kommentaren hat ihn sehr mitgenommen. "Um das mal klar zu sagen: Corona ist eine riesengroße Gefahr für alle und Angela Merkel keine Reptiloidenherrscherin", sagt der Wirt mit Blick auf die "schwachsinnigen Posts".

Ihm gehe es nur um die Politiker, die Hilfe versprachen, aber schlicht und einfach nicht lieferten. Und dabei gehe es durchaus nicht nur um die Tatsache, dass kein Geld fließe. Es sei "sonnenklar, dass wir alle bis Ostern geschlossen haben", so Zichner. Trotzdem habe niemand den Mumm, das auch mal auszusprechen.

Die Umsetzung des Hilfspaketes ist eine Katastrophe

Wenn das Geld dann mal fließen würde, wäre alles ok, man müsse sich eigentlich nicht vor anderen Ländern verstecken. Aber die Umsetzung der Hilfe sei eine Katastrophe, so Zichner. Die Hilfe in der Gastrobranche kann nur durch Steuerberater und Wirtschaftsprüfer beantragt werden.

"Die rufen da an, landen in einer dreiviertelstündigen Warteschleife und bekommen keine vernünftigen Auskünfte." Es handelt sich bei Zichner um keinen Einzelfall. Das bestätigt Axel Klein von der sächsischen Dehoga, dem Interessenverband der Gastronomen, auf RTL-Anfrage: "Ich habe zuletzt eine Umfrage gemacht. Alleine in meinem Bezirk haben 700 Gastronomien noch keinen Pfennig gesehen".

Der Ministerpräsident ruft an - „Seinen Job will ich auch nicht haben“

Am Montagabend dann eine neue Wendung: "Ich geh ran und an der anderen Seite ist der Ministerpräsident", berichtet Zichner. Kretschmer habe um Verständnis geworben. Man habe nett und freundlich gesprochen.

Die Botschaft sei angekommen, so der Wirt. "Seinen Job will ich auch nicht haben", sagt Zichner. Und am Dienstagmorgen gab es die nächste Überraschung auf dem Konto: Per Blitzüberweisung kam die Abschlagszahlung an.