Hilfe bei Wespenstich, Wespennest & Co.

Wie gefährlich ist ein Wespenstich wirklich?

Süße Speisen, etwa ein Marmeladenbrot, sind für Wespen besonders anziehend. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn
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12. August 2020 - 10:15 Uhr

Familienvater stirbt an Wespenstich

Das Schicksal eines 38-jährigen Familienvaters sorgte für große Bestürzung: Während eines Campingurlaubs mit seiner Familie am Turnersee wurde er von einer Wespe gestochen und starb wenige Augenblicke später. Viele fragen sich jetzt, wie gefährlich Wespenstiche wirklich sind. Wie verhält man sich am besten, wenn die Tiere einem gefährlich nahe kommen? Und was sollte ich tun, wenn ich tatsächlich gestochen werde?

Gesunde Person veträgt bis zu 5.000 Stiche

Ein paar süße Erdbeeren, ein Marmeladenbrot und duftendes Grillfleisch: Das Picknick in der Natur könnte so schön sein - wären da nicht die nervigen Wespen. Doch wenn man sich richtig verhält, besteht kein Grund zur Panik. Denn an uns Menschen sind die kleinen Tiere gar nicht so sehr interessiert. "Die wollen einfach nur das haben, was ich auf dem Teller habe", sagt Biologin Melanie von Orlow vom Naturschutzbund (Nabu) Berlin.

Leiden Sie nicht unter einer Allergie, hat ein Wespenstich keine dramatischen Konsequenzen. Erst bei mehr als 100 Wespenstichen pro Kilo Körpergewicht wird es gefährlich – und dieser Fall ist Gott sei Dank sehr unwahrscheinlich. "Eine Person von 50 Kilogramm kann mehr als 5.000 Stiche verkraften – gleichermaßen ob von Wespen, Hummeln oder Hornissen", erklärt der BUND.

So vermeiden Sie einen Wespenstich

Trotzdem sind die Tiere nervig, besonders beim Essen, das man nicht mit den kleinen Quälgeistern teilen möchte. Doch was kann man tun? "Um keine Wespen anzulocken, kann man Speisen abdecken, süße Getränke verschließen und auf stark parfümierte Körperpflegeprodukte verzichten", rät Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Auch die Hände und den Mund sollte man sich gut abwischen, nachdem man gegessen hat, damit die Insekten nicht auch noch an den Mund kommen, empfiehlt Laura Breitkreuz vom Naturschutzbund (Nabu).

Nicht hektisch werden oder pusten

Leisten die Wespen einem trotzdem am Tisch Gesellschaft, kann man versuchen, sie vorsichtig wegzuschieben - wenn nicht mit der Hand, dann etwa mit der Speisekarte, rät von Orlow. "Einfach konsequent Grenzen aufzeigen und sie nicht gewähren lassen." Hektisch werden und mit den Händen wedeln sollte man aber in keinem Fall. "Um sich schlagen ist äußerst kontraproduktiv", erklärt Wessel. Denn die Tiere nehmen diese Angst wahr - und Angstschweiß versetze die Insekten in Alarmbereitschaft.

Auch Wegpusten ist nicht empfehlenswert. Das Kohlendioxid in der Atemluft ist ein Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffshaltung. "Ganz dreiste Ruhestörer lassen sich mit Wasser aus kleinen Sprühfläschchen zur Raison bringen", sagt Wessel.

Eine „Ablenkfütterung“ kann Abhilfe schaffen

Im Internet gibt es ohne Ende Tipps, wie man Wespen vertreiben kann: Von Kupfergeld bis hin zu ätherischen Ölen - doch helfen wird das wohl nicht. "Ich habe das tatsächlich mal mit einem Fernsehsender durchexerziert, wir haben alle möglichen Methoden versucht, von Kaffeepulver anbrennen bis hin zum Spicken von Zitronen und dergleichen", sagt von Orlow. Das habe alles nichts gebracht. Die Tiere seien von Natur aus so angelegt, dass sie aus großer Entfernung Futterstellen finden könnten, so die Biologin.

Was die Tiere jedoch ein wenig davon abhalten kann, einem zu nahe zu kommen, ist eine Ablenkungsfutterquelle. Der NABU empfiehlt beispielsweise überreife Früchte ein paar Meter entfernt zu platzieren.

Nicht alle Wespen kommen ans Buffet

"In der Regel trauen sich nur zwei der elf mitteleuropäischen Wespenarten an unsere gedeckten Tafeln, nämlich die Gewöhnliche Wespe und die Deutsche Wespe", erklärt Naturschutzexperte Wessel. "Alle anderen Wespenarten interessieren sich nicht für unser Essen. Viele dieser Arten vertilgen vor allem Fliegen, Mücken, Raupen, Motten oder Spinnen."

Was tun bei einem Wespenstich?

Hat alles nichts genützt und Sie wurden doch von einer Wespe gestochen, bleiben Sie ruhig. Denn ein normaler Insektenstich ist nur in Ausnahmefällen lebensbedrohlich.

  • Sollte der Stachel noch in der Haut feststecken, ziehen Sie ihn mit einer Pinzette vorsichtig raus.
  • Achten Sie darauf, die Giftblase nicht zu berühren, denn ansonsten gerät noch mehr Gift in den Körper.
  • Anschließend die Stelle kühlen, beispielsweise mit einem Eiswürfel oder einem Kältepack.
  • Auch Spucke kann helfen, nicht jedoch das Gift mit dem Mund "auszusaugen", so der BUND. Besser sei, eine halbierte Zwiebel auf den Stich zu drücken.

Wann sollte man zum Arzt?

Wurden Sie dagegen im Mund oder Rachen gestochen oder leiden sogar unter einer Allergie, sollten Sie schnellstmöglichst einen Arzt kontaktieren. "Insektenstiche im Mund und Rachen können lebensgefährlich sein, weil die Schwellung möglicherweise so stark ist, dass sie die Atmung behindern kann. Sie sollten deshalb in diesem Fall am besten sofort den Rettungsdienst (112) rufen", rät die Apotheken-Umschau. Im schlimmsten Fall droht die betroffene Person nämlich zu ersticken.

Typische Symptome einer Allergie auf Bienenstiche sind:

  • Atemnot
  • Schwellungen im Gesicht und Mund
  • Quaddeln am ganzen Körper
  • Beschleunig­ter Herzschlag
  • Kribbeln in Armen und Beinen
  • Fieber
  • Übelkeit
  • Schüttelfrost

Wespennester bloß nicht alleine entfernen

Wer gleich ein ganzes Wespennest bei sich zu Hause entdeckt, sollte sich vom Fachmann Hilfe holen. Eine Genehmigung bräuchte man nicht, um ein Nest zu entfernen. Bis auf die besonders geschützten Hornissen unterliegen alle Wespenarten dem allgemeinen Naturschutz, erklärt von Orlow. "Aber ich brauche, wie es so schön heißt, einen vernünftigen Grund." Das können etwa gefährliche Allergien gegen das Wespengift oder von den Wespen verursachte Bauschäden sein.

Wespen verlassen ihre Nester übrigens nach einer Saison wieder. Von einem Wespenstaat überlebt nur die Königin den Winter. Im Frühjahr beginnt sie mit dem Bau eines neuen Nests. Mit etwas Geduld verschwinden die Tierchen zum Ende der Saison also von ganz allein.


Quelle: DPA / RTL.de