Nacht - oder Tagschläfer?

Wie der Darm Babys Schlafverhalten beeinflusst

Babys mit einer eher artenarmen Bakteriengemeinschaft im Darm schlafen besonders tagsüber viel.
Babys mit einer eher artenarmen Bakteriengemeinschaft im Darm schlafen besonders tagsüber viel.
© picture alliance / blickwinkel/F, F8-DASBILD

06. Januar 2022 - 12:39 Uhr

Schlaf, Gehirn und Darmflora

Die Gesundheit unseres Darms nimmt Einfluss auf unser Schlafverhalten. Schon im Alter von drei Monaten gibt es bei Säuglingen einen engen Zusammenhang zwischen Darm, Gehirn und Schlafverhalten, wie eine neue Studie enthüllt.

Viele unterschiedliche Darmbakterien lassen Babys nachts schlafen

"Im ersten Lebensjahr eines Kindes entwickelt sich der 24-Stunden-Rhythmus und der Nachtschlaf etabliert sich", erklären die Forschenden der Universität Zürich und Freiburg. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass "Kinder mit einer höheren Artenvielfalt der Darmbakterien einen weniger ausgeprägten Tagesschlaf zeigten". Eine artenreichere Darmflora ging demnach mit einem schon reiferen Schlafrhythmus und stärkerem Nachtschlaf einher.

Die Studie zeigt darüber hinaus, dass sich Schlaf, Darmbakterien und Hirnaktivität im ersten Lebensjahr dynamisch parallel entwickeln. Kleinkinder mit unterschiedlichem Darmbakterienprofil haben also auch unterschiedliche Hirnaktivitäten, wenn sie schlafen.

Ernährungsumstellung könnte Entwicklungsproblemen vorbeugen

Für ihre Studie überwachten die Forscher das Schlafverhalten von 126 Säuglingen im Alter von drei, sechs und zwölf Monaten jeweils zehn Tage lang mithilfe von Bewegungssensoren und zeitweilig auch Elektrodenkappen. Zusätzlich notierten die Eltern, wann die Kinder zu Bett gingen, schliefen, nachts erwachten, was sie aßen und wann sie weinten. Außerdem untersuchten die Forscher Stuhlproben der Kinder.

"Diese Ergebnisse sind sehr interessant, weil sie zeigen, dass Schlaf und Darmflora mit der Verhaltensentwicklung von Babys zusammenhängen. Da es möglich ist, Schlafprobleme mit Coachings für Eltern und die Darmbakterien durch Ernährungsumstellungen zu beeinflussen, können wir möglicherweise künftig auf diesem Weg bei Entwicklungsproblemen etwas bewirken", so Koautorin Salome Kurth von der Universität Freiburg. Für konkrete Empfehlungen sei es aber derzeit noch zu früh. (jar)

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