Tochter an Krebs erkrankt

Kollegen spenden Mutter mehr als 4 Jahre Urlaub

Daniela Berlit (links) bekommt ein besonderes Geschenk von ihren Kollegen, damit sie für ihre Tochter Fiona (rechts) da sein kann.
Daniela Berlit (links) bekommt ein besonderes Geschenk von ihren Kollegen, damit sie für ihre Tochter Fiona (rechts) da sein kann.
© Privat

29. Mai 2021 - 15:52 Uhr

von Giulia Asbeck

Daniela Berlits Tochter Fiona ist erst drei Jahre alt, als sie im November die Diagnose Leukämie bekommt. Für die Mutter und die gesamte Familie bricht eine Welt zusammen. Von heute auf Morgen verändert sich das Leben und Fiona kämpft plötzlich gegen den Krebs. Ihre Mutter Daniela unterstützt sie, wo sie nur kann. Die Verkäuferin beim "Dänischen Bettenlager" reicht sofort ihren gesamten Jahresurlaub ein. Nur ist der eben nach 36 Tagen verbraucht. Wie es weitergehen soll, dafür hat Daniela keinen Kopf. Aber zum Glück hat die 38-jährige tolle Kollegen. Diese sorgen mit einem Facebookpost dafür, dass alle Mitarbeiter der Kette einige ihrer Urlaubstage spenden. Ein großer Lichtblick für die Mutter, die gerade mit ihrer Tochter durch die Hölle geht. Was für eine gigantische Summe an Urlaubstagen zusammen kommt, erzählt Sie uns im Interview.

Wie war das als die Diagnose kam?

Das Leben wie es war, gibt es einfach nicht mehr. Es ist von jetzt auf gleich einfach komplett auf dem Kopf gestellt. Es reißt so den Boden unter den Füßen weg. Ich habe irgendwann auf der Arbeit angerufen und gesagt: 'Ich weiß nicht wie ich es machen soll, aber ich kann nicht kommen'. Ich habe auch mit meiner Kollegin, die eine sehr gute Freundin ist, gesprochen. Und als ich ihr von der Diagnose erzählt habe, hat sie direkt gesagt: 'Oh Gott wir müssen da was machen'. Und bevor ich mir überhaupt Gedanken machen konnte, wie ich das mit dem Job jetzt mache, hat sie mit meinen Kollegen das übernommen und sich drum gekümmert.

Dann haben sie gefragt, ob sie etwas bei Facebook posten dürften. Und ich meinte nur 'okay'. Und dann habe ich bei Facebook unter dem Spenden-Aufruf ein paar Kommentare gelesen. Da war ich gerade mit Fiona im Krankenhaus und saß im Flur und habe nur geheult. Ich konnte es einfach nicht glauben. Es sind Kollegen, aber eben auch fremde Kollegen aus ganz Deutschland. Ich war so fassungslos, dass mir fremde Kollegen ihren Urlaub, ihre Überstunden schenken. Diese Hilfsbereitschaft das war einfach unfassbar. Ich habe so viel weinen müssen.

Wie viele Kollegen haben bei der Aktion mitgemacht?

429 haben ihren Urlaub gespendet – und das nicht nur einen Tag. Und die, die keinen Resturlaub mehr hatten, haben Überstunden spendiert. Insgesamt kommen wir auf 4 Jahre und 6 Monate. In dieser Zeit hat man das Gefühl man fällt und fällt und fällt. Und da sind dann so ganz viele Hände, die einen auffangen, das gibt einem den Glauben an die Menschheit wieder. Das tut so gut so viel Menschlichkeit zu erfahren, dass es so viele gute Menschen gibt… Das ist unglaublich. Ich habe so geweint. Fiona hat im Krankenhaus gefragt: 'Mama warum weinst du?' Und ich habe gesagt, dass das Freudentränen sind und probiert das Ganze ein bisschen zu erklären. Sie hat es ein bisschen verstanden und auch meine große Tochter, Mina, hat es ein bisschen verstanden.

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Wie ging es ihrer Familie generell in dieser Zeit?

Es war für alle so eine riesige Veränderung, wir waren so geschockt. Wenn was mit dem Kind ist, dann ist das die schlimmste Zeit, die man sich vorstellen kann. Man versucht als Mutter sein Kind vor allem zu beschützen und da merkt man: man kann nichts tun. Diese Hilflosigkeit ist das aller schlimmste. Dass man dem so ausgeliefert ist und nichts tun kann.

Wie geht es Fiona denn jetzt?

Im Moment geht es Fiona sehr gut. Sie hat das schlimmste überstanden. Sie hat nur noch drei Chemos vor sich, die von den Nebenwirkungen nicht so intensiv sind. Und es neigt sich alles dem Ende zu. Sie kriegt wieder mehr Freiheiten und es geht ihr einfach sehr gut.

Werden Sie die restlichen vier Jahre noch einlösen?

Mir war klar, dass ich keine vier Jahre jetzt zuhause bleiben will, sobald es Fiona besser geht. Man will ja auch schnell zurück in die Normalität. Und ich liebe meine Arbeit und durch das Ganze noch viel mehr als vorher eh schon! Ich arbeite im Dänischen Bettenlager so gerne. Und deswegen haben wir gesagt, dass ich ein Jahr zuhause bleibe. Von November 2020 bis November 2021 also.

Die restliche Zeit, wird auf ein Zeitkonto gehen. Wo sich jeder bedienen kann. Man sieht ja, wie schnell einem so ein Schicksalsschlag treffen kann. Und bei über 8.000 Mitarbeitern kann sowas natürlich immer passieren. So dass dann jeder sagen kann, ok ich brauch jetzt mal eine Auszeit und kann mich bedienen.