Mehr Gehalt als Belohnung

Weiterkommen im Job: Wann der Chef die Weiterbildung bezahlt

In vielen Fällen trägt der Arbeitgeber die Kosten für Weiterbildungen
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20. Mai 2020 - 9:28 Uhr

Wer beruflich durchstarten will, bildet sich fort

Die Arbeitswelt verändert sich rasend schnell und mit ihr die Anforderungen an Berufstätige. Wer den Anschluss verpasst, wird es langfristig wahrscheinlich schwer haben, im Job weiterzukommen. Das bedeutet für Angestellte, dass ständig neue Dinge gelernt werden müssen - egal ob ein neues Computerprogramm oder auch soziale Fähigkeiten. Der Haken: Fortbildungen oder Seminare sind nicht gerade billig. Wir zeigen, in welchen Fällen sogar der Arbeitgeber die Kosten übernimmt.

Ein Blick auf Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen lohnt sich

Im Allgemeinen liegt die Verantwortung für die eigene Weiterbildung beim Arbeitnehmer selbst. Trotzdem lohnt es sich auf jeden Fall, mit dem Arbeitgeber über das Thema zu sprechen. Denn jeder Betrieb und jeder Chef schätzt Mitarbeiter, die beruflich auf dem aktuellen Stand sind. Besonders wichtig: Bereiten Sie sich auf so ein Gespräch gut vor, um am Ende auch ein "Ja" zur Weiterbildung zu bekommen. Sie sollten in jedem Fall ein gutes Argument dafür haben, welchen Nutzen Ihre gewünschte Weiterbildung für das Unternehmen hat.

Außerdem sollte jeder Mitarbeiter mit Fortbildungsdurst einen Blick in Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen werfen. Dort sind nämlich manche Fortbildungsangebote vertraglich festgehalten. Bei der Frage, wer die Kosten übernimmt, kann also hiermit argumentiert werden. Vertraglich hat man in einigen Fällen also sogar ein Recht auf bestimmte Weiterbildungen inklusive Kostenübernahme.

"On-the-job"-Weiterbildungen werden meistens bezuschusst oder vollständig finanziert

"On-The-Job"-Weiterbildungen werden häufig vom Unternehmen bezahlt
"On-The-Job"-Weiterbildungen werden häufig vom Unternehmen bezahlt
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Vor allem bei größeren Unternehmen gibt es interne Weiterbildungsangebote, aus denen sich Mitarbeiter etwas Passendes aussuchen können. "Bei dieser Variante meldet das Unternehmen den Mitarbeiter zur Schulung an und wird dadurch zum Vertragspartner des Bildungsträgers", erläutert Tjark Menssen, Leiter der Rechtsabteilung bei der DGB Rechtsschutz GmbH. Oft handelt es sich um Trainings oder Online-Seminare für gleich mehrere Mitarbeiter und der Arbeitgeber übernimmt die Kosten vollständig. Ist dies nicht der Fall, gibt es meistens einen Zuschuss oder ein Darlehen für die Weiterbildungsmaßnahme.

Unterstützung bei "Off-the-job"-Weiterbildungen

Sogenannte "Off-the-job"-Weiterbildungen finden außerhalb des Betriebes statt. Das können zum Beispiel mehrtägige oder -wöchige Kurse an Instituten sein. Viele Unternehmen fördern solche Maßnahmen mit zusätzlichen freien Tagen oder eine Reduzierung der Arbeitszeit, teilweise sogar bei voller Bezahlung. Arbeitnehmer können auch gezielt nach einem Bildungsurlaub fragen. "Im Falle eines Bildungsurlaubs ist der Arbeitnehmer frei in der Auswahl der Lerninhalte",  erklärt Tjark Menssen. Die Inhalte müssen aber im jeweiligen Bildungsurlaubsgesetz des Bundeslands anerkannt sein.

Mit Fortbildungsvereinbarung profitieren Arbeitnehmer und -geber

Wenn im Tarifvertrag oder in den Betriebsvereinbarungen nicht festgelegt ist, wer die Kosten für eine Weiterbildung übernimmt und es sich auch nicht um eine vom Betrieb finanzierte "On-the-job"-Maßnahme handelt, kann eine Fortbildungsvereinbarung weiterhelfen. Hier können Sonderregelung getroffen werden, zum Beispiel, dass der Betrieb die Kosten für Weiterbildungsmaßnahmen übernimmt, wenn der Mitarbeiter sich verpflichtet, für eine bestimmte Zeit beim Unternehmen zu bleiben.

Aus- und Fortbildung kann steuerlich abgesetzt werden

Wenn Kosten für Fortbildungen aber doch mal selbst getragen werden müssen, lassen sie sich immerhin als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Aber Achtung: das funktioniert nur für Weiterbildungskosten, die nicht vom Arbeitgeber übernommen werden. Außerdem lohnt es sich erst Weiterbildungs­kosten zusammen mit anderen Werbungs­kosten anzugeben, wenn diese insgesamt über 1.000 Euro liegen. Denn das Finanz­amt berück­sichtigt bei Arbeitnehmern auto­matisch eine Werbungs­kostenpauschale von 1.000 Euro.