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Weiteres Todesopfer nach Bootsunglück vor Japan: Retter ziehen leblose Dreijährige aus dem Meer

Noch immer werden fünfzehn Menschen vermisst

Weiteres Todesopfer nach Bootsunglück vor Japan: Retter ziehen leblose Dreijährige aus dem Meer

Ausflugsboot  vor der Küste der Halbinsel Shiretoko verunglückt - fünfzehn Menschen werden noch vermisst. Darunter ein Kind.
Ausflugsboot vor der Küste der japanischen Halbinsel Shiretoko verunglückt - fünfzehn Menschen werden noch vermisst. Darunter ein Kind.
AP, Koki Sengoku

Zwei Tage nach dem Kentern eines Ausflugsboots mit 26 Menschen an Bord vor der Nordküste Japans hat sich die Zahl der Todesopfer auf elf erhöht. Ein von den Einsatzkräften in der Nacht zum Montag im eisigen Meer entdecktes Mädchen sei tot, wie japanische Medien berichteten.

Fünfzehn weitere Menschen vermisst, darunter ein Kind

Die Dreijährige hatte bewusstlos im stürmischen Meer getrieben und wurde in ein Krankenhaus gebracht, doch kam jede Hilfe zu spät. Am Vortag war bereits der Tod von zehn ebenfalls aus dem Meer und zwischen Felsen geborgenen Menschen bestätigt worden.

Nach den übrigen fünfzehn Menschen an Bord, darunter ein weiteres Kind, und nach dem Boot selbst wurde weiter gesucht. Neben der Küstenwache und der Marine beteiligten sich auch Fischerboote und Ausflugsschiffe an der Suche nach weiteren Opfern. Die Überlebenschance im eiskalten und rauen Meer vor der Küste der Halbinsel Shiretoko auf Japans nördlicher Hauptinsel Hokkaido sinkt jedoch mit jeder weiteren Stunde. Im April liegen die durchschnittlichen Meerestemperaturen in diesem Gebiet knapp über dem Gefrierpunkt.

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Angehörige von dreizehn Familien an Bord

Offenbar fand die Ausflugsfahrt zum Kashuni-Wasserfall in Japan statt, obwohl die See stürmisch war.
Offenbar fand die Ausflugsfahrt zum Kashuni-Wasserfall in Japan statt, obwohl die See stürmisch war.
AP, Masanori Takei

Die „KAZU I“ hatte am Samstag einen Notruf abgesetzt: Am Bug dringe Wasser ein, der Motor sei ausgefallen. Kurz darauf meldete die Besatzung, dass das Boot starke Schlagseite habe. Dann brach der Kontakt schließlich ab. Zum Zeitpunkt des Unglücks befand sich das Boot in der Nähe des Kashuni-Wasserfalls, einer Stelle, an der Schiffe wegen der felsigen Küste und der starken Gezeiten schwer zu manövrieren sind.

An Bord befanden sich der Kapitän Noriyuki Toyoda (54) und sein Mitarbeiter Akira Soyama (27) sowie Angehörige von dreizehn Familien im Alter zwischen unter zehn und achtzig Jahren. Sie stammten aus verschiedenen Gegenden Japans, darunter aus Tokio.

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Kapitän war schon einmal in Bootsunfall verwickelt

Das japanische Verkehrsministerium ermittelt Medienberichten zufolge gegen den Betreiber des Bootes, „Shiretoko Pleasure Cruise“. Demnach soll es im vergangenen Jahr zwei Unfälle gegeben haben, darunter einen, in den auch der Kapitän des gesunkenen Bootes verwickelt gewesen sei. Das Ministerium erklärte, es untersuche die Sicherheitsstandards und die Entscheidung, die Tour am Samstag trotz des rauen Wetters durchzuführen. Angeblich erwägt die Küstenwache in diesem Zusammenhang eine strafrechtliche Untersuchung wegen des Verdachts der Fahrlässigkeit.

Als das Boot den Hafen verließ, waren bereits hohe Wellen und starker Wind vorhergesagt gewesen. Japanische Medien berichteten, dass die Fischerboote am Samstag noch vor Mittag wegen des schlechten Wetters in den Hafen zurückgekehrt seien. Die Besatzung des Ausflugsbootes eines anderen Veranstalters habe die Crew der „KAZU 1“ gewarnt und sie angewiesen, nicht zu fahren. Der Leiter der örtlichen Fischereigenossenschaft, Kazuhiko Fukayama, sagte dem Fernsehsender „NHK“, es sei unvorstellbar, dass die Tour bei so rauem Wetter durchgeführt worden sei.

„Shiretoko Pleasure Cruise“ war nach früheren Unfällen angewiesen worden, seine Sicherheit zu verbessern. "Wir werden gründlich untersuchen, wie es zu dieser Situation gekommen ist und welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, um einen weiteren Unfall zu verhindern", sagte Verkehrsminister Tetsuo Saito Reportern unter anderem der „abc“. (dpa/cwa)