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Weiterbildung: Geringqualifizierte und Arme gehen leer aus

Laut Bertelsmann-Stiftung gehen die Ausgaben von Bund und Ländern für Weiterbildungsmaßnahmen seit Jahren deutlich zurück. Doch Ärmere könnten sich private Angebote meist nicht leisten. Foto: Markus Scholz
Laut Bertelsmann-Stiftung gehen die Ausgaben von Bund und Ländern für Weiterbildungsmaßnahmen seit Jahren deutlich zurück. Doch Ärmere könnten sich private Angebote meist nicht leisten. Foto: Markus Scholz
© deutsche presse agentur

25. September 2018 - 10:02 Uhr

Politik fordert lebenslanges Lernen

Für das Leben sollen wir lernen - und nicht für die Schule, wird fast allen jungen Menschen in den Schulklassen der Republik beigebracht. Und auch nach der Schulzeit sollen wir nicht aufhören weiter zu lernen, wenn es nach der Politik geht. Die fordert nämlich gerne das lebenslange Lernen ein, damit alle Menschen stets fit für die Arbeit und den Arbeitsmarkt sind. Aber: Die öffentliche Hand fährt Weiterbildungsmaßnahmen gerade für die Ärmsten zurück. Wie passt das zusammen?

Kein Erspartes - keine Weiterbildung?

Schulung, Call Center
Mitarbeiter eines Call-Centers nehmen an einer Weiterbildung teil.
© picture alliance, picture alliance/imageBROKER, Anju

Die Menschen in Deutschland bilden sich nur selten weiter. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. Nur etwa jeder Achte ab 25 Jahren hat demnach 2015 an einer Weiterbildung teilgenommen. Das sind 0,4 Prozent weniger im Vergleich zum Jahr 2012.

Was besonders auffällt: Geringqualifizierte und von Armut bedrohte Menschen nehmen noch seltener an einer Weiterbildung teil als der Durchschnitt. Frank Frick, Experte der Bertelsmann-Stiftung, sagte, die Politik fordere zwar lebenslanges Lernen und appelliere immer wieder an die Bevölkerung, sich zu engagieren. "Aber zugleich gehen die Ausgaben von Bund und Ländern dafür seit Jahren deutlich zurück." Und zwar in einem zweistelligen Prozentbereich!

Dieser Rückzug geht zu Lasten der Geringqualifizierten und der einkommensschwachen Haushalte. "Die öffentliche Hand hat Weiterbildungsmaßnahmen immer weiter zurückgefahren, und die Menschen investieren selbst privat. Das können sich aber Ärmere oft nicht leisten", so Frick. Stiftungsvorstand Jörg Dräger forderte deswegen eine bessere Beratung und eine finanzielle Förderung für ärmere und gering qualifizierte Menschen.

Schlusslicht Saarland - Spitzenreiter Baden-Württemberg

Bei der Auswertung zeigten sich auch erhebliche regionale Unterschiede. Schlusslicht ist das Saarland, Spitzenreiter Baden-Württemberg. Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen liegen im oberen Bereich, das bevölkerungsreichste Bundesland NRW klar unter dem Bundesschnitt. Datenbasis für diese Analyse war der aktuellste Mikrozensus aus dem Jahr 2015.

Digitalisierung sorgt für Veränderungen: Wo können Sie sich beraten lassen?

Frick rät zunächst zu einer Weiterbildungsberatung. Was sind sinnvolle Qualifizierungen? Welche Anschlussmöglichkeiten gibt es? Jobcenter und Arbeitsagenturen bieten Beratungen an. Hilfe bekommen Sie auch bei kommunalen Bildungsbüros und durch bundeslandspezifische Förderprogramme. Auch das Bundesbildungsministerium bietet eine kostenlose Telefon-Hotline zur Weiterbildungsberatung. Sie ist wochentags von 9.00 bis 17.00 Uhr unter 0800/201 79 09 erreichbar.

"Weiterbildung ist die beste Beschäftigungsversicherung", betont Frick. Das gilt auch unabhängig von Einkommen, Qualifizierung und Position: Etwa durch die Digitalisierung sind viele Berufe im Wandel. Deshalb ist wichtig, stets auf dem neuesten Stand zu sein, so Frick.

Quelle: DPA

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