Wegen geheimer Zensursoftware

Litauen warnt vor Smartphones chinesischer Hersteller

Laut litauischer Behörden bestehen bei Smartphones chinesischer Hersteller Sicherheitsbedenken.
Laut litauischer Behörden bestehen bei Smartphones chinesischer Hersteller Sicherheitsbedenken.
© REUTERS, Rafael Marchante, /FW1F/SONYA HEPINSTALL

22. September 2021 - 9:52 Uhr

Verteidigungsministerium empfiehlt Handyentsorgung

Das litauische Verteidigungsministerium hat Verbrauchern empfohlen, den Kauf chinesischer Mobiltelefone zu vermeiden und vorhandene Handys besser zu entsorgen. Wie Litauens staatliche Cybersicherheitsbehörde am Dienstag mitteilte, waren einem Regierungsbericht zufolge eingebaute Zensurfunktionen in den Mobiltelefonen festgestellt worden.

Spannungen zwischen Litauen und China wegen Taiwan

Die in Europa verkauften Handys des chinesischen Smartphone-Giganten Xiaomi Corp würden Begriffe wie "Freies Tibet", "Es lebe die Unabhängigkeit Taiwans" oder "Demokratiebewegung" erkennen und zensieren, so die Behörde.

Auch in P40 5G-Telefonen des chinesischen Herstellers Huawei sei eine Sicherheitslücke gefunden worden. "Unsere Empfehlung ist, keine neuen chinesischen Telefone zu kaufen und die bereits gekauften so schnell wie möglich loszuwerden", sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Margiris Abukevicius gegenüber Reportern bei der Vorstellung des Berichts.

Das chinesische Mobiltelefon-Unternehmen Xiaomi reagierte bisher nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit der Bitte um Stellungnahme. Die Beziehungen zwischen Litauen und China hatten sich in letzter Zeit verschlechtert. China verlangte im vergangenen Monat, dass Litauen seinen Botschafter in Peking abziehen soll und kündigte an, seinen Gesandten in Vilnius zurückrufen zu wollen. Der Grund dafür war, dass Taiwan angekündigt hatte, seine diplomatische Vertretung in Litauen "Taiwanesisches Repräsentationsbüro" zu nennen.

Der chinesische Xiaomi-Konzern hat im zweiten Quartal 2021 erstmalig mehr Smartphones als Apple verkauft und damit den iPhone-Hersteller vom zweiten Platz verdrängt. Dank der globalen Expansion und einer stärkeren Online-Präsenz habe Xiaomi 51 Millionen Geräte veräußert und damit rund 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, teilte das Marktforschungsinstitut Gartner mit. Apple kam demnach von April bis Juni auf knapp 49,3 Millionen iPhones. Marktführer Samsung Electronics aus Südkorea büßte zwar wegen Lieferengpässen und Produktionsschwierigkeiten etwas ein, fand sich aber mit 57,7 Millionen Geräten und einem Marktanteil von 17,6 Prozent unangefochten an der Spitze wieder. (reuters/aze)