Den Virenschleudern auf der Spur

Was sind Superspreader und warum sind sie so gefährlich?

Warum sind die sogenannten Superspreader so gefährlich?
© iStockphoto, Petri Oeschger

28. Mai 2020 - 10:40 Uhr

Sind Superspreader zu einem Großteil für die Verbreitung des Coronavirus verantwortlich?

Die Forschungslage zu Sars-CoV-2 entwickelt sich immer weiter. Aktuell scheint sich herauszukristallisieren: Sogenannte Superspreader sind möglicherweise zu einem Großteil für die Verbreitung des Coronavirus verantwortlich. Was genau dahintersteckt und warum das sogar eine gute Nachricht sein könnte, erklären wir hier.

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Von Gangelt bis Leer: So treibt Superspreading die Pandemie an

Superspreader sind infizierte Menschen, die den Beginn einer riesigen Verbreitungskette des Virus bilden. Ein frühes Beispiel solcher Superspreader konnte man in der Gemeinde Gangelt im Landkreis Heinsberg beobachten. Dort steckten zwei Menschen, die das Coronavirus bereits unwissentlich in sich trugen, bei einer Karnevalsfeier etliche andere Menschen an. Wenige Wochen später waren in Heinsberg bereits 755 Menschen infiziert. Auch die aktuellen Ausbrüche bei einem Gottesdienst in Frankfurt, einer Restaurant-Feier in Leer sowie in deutschen und niederländischen Schlachthöfen, aus denen Hunderte Covid-19-Erkrankungen resultierten, zeigen, wie rasend schnell Superspreading das Infektionsgeschehen vorantreibt.

Restaurant, Kirche und Co. Warum es drinnen so gefährlich ist

Diese Beispiele zeigen auch, was Wissenschaftler nun nach und nach bestätigen: Fast alle Masseninfektionen mit Sars-CoV-2 passieren in Innenräumen. Laut einer chinesischen Studie war von 318 Ausbrüchen nur ein einziger nicht auf Kontakte in geschlossenen Räumen zurückzuführen. Das Infektionrisiko, haben japanische Forscher herausgefunden, ist hier sage und schreibe 19 Mal größer als im Freien.

Warum werden Menschen zu Superspreadern?

Die Wissenschaft versucht bereits seit geraumer Zeit herauszufinden, warum Menschen zu Superspreadern werden. Der Arzt und Medizin-Journalist Dr. Christoph Specht sagte ntv.de, dies könne an einer höheren Viruslast dieser Personen liegen. Wahrscheinlicher sei aber, dass sie ihr Verhalten zu Virenschleudern macht, weil sie binnen kurzer Zeit viele enge Kontakte zu anderen Menschen pflegen.

Das Fatale dabei: In den ein bis zwei Tagen vor den ersten Symptomen, haben Wissenschaftler festgestellt, sind Infizierte am ansteckendsten. Während die Superspreader also selbst noch gar nicht wissen, dass sie erkrankt sind - und sich somit noch nicht in Quarantäne befinden - bewegen sie sich frei unter Menschen.

Wie die Virenschleudern bei der Pandemie-Bekämpfung helfen

Wenige große Ausbrüche können leichter zurückverfolgt werden als viele kleine. Voraussetzung ist hier aber, dass die Zahl der Superspreading-Ereignisse gering bleibt, damit alle Infizierten ausfindig gemacht und isoliert werden können. Forscher arbeiten zurzeit mit Hochdruck daran herauszufinden, wie viele Superspreader an der bisherigen Ausbreitung des Virus beteiligt waren. Wissenschaftler der Universität Hongkong haben beispielsweise berechnet, dass etwa 20 Fälle für bis zu 80 Prozent der Verbreitung des Virus verantwortlich sind. Wenn sich diese These bestätigt, wäre das eine gute Nachricht für die Pandemie-Bekämpfung weltweit.

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